1. #1
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    Kratzgeräusche

    Das Cello kratzt, die Geige sucht die Töne
    Sie spielen ganz beseelt und ohne Noten
    Du glaubtest, noch am Leben, an das Schöne
    Sei froh, du musst nicht hören bei den Toten

    Der Pfarrer hat dein Leben aufgelistet
    Nun liest er, ohne hinzusehn, vom Blatt
    Dein Zimmer hat der Witwer ausgemistet
    Doch führt der Pfarrer Buch an seiner Statt

    Wir blicken leicht verstört auf jene Grube
    in welcher deine Urne sich versteckt
    und drücken ein paar Tränchen aus der Tube
    bis dich ein Rosenblätterdach bedeckt

    Danach, da sind wir gerne wieder fröhlich
    und schaufeln Gottes Gaben in uns rein
    Doch finden wir die Feier unausstehlich
    Nein so, so wolln wir nicht begraben sein

    Wir kratzen uns am Kopf, wir suchen Töne
    wir leisten Hilfe auf der Suche nach dem Weg
    der uns dereinst erlauben soll, das Schöne
    zu retten über jenen letzten Steg

    Doch einer wird bestimmt das Cello kratzen
    und eine wird bestimmt die Geige quälen
    Was solls, wir werden dannzumal die Blumen
    nicht einmal mehr als schöne Decke fühlen

  2. #2
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    Hey KP, zum Glück sind Trauerfeiern letztlich für die Hinterbliebenen und nicht für die Toten gedacht, dann kanns uns also mal egal sein, wie von uns Abschied genommen wird. Und so verstehe ich auch das Fazit deines Gedichts. Ich weigerte mich jahrelang, dem anschliessenden Essen und Fröhlichsein einen Sinn abzugewinnen. Heute stehe ich anders dazu und denke, es ist genau, was eine solche Feier sein soll: Der Übergang von der Trauerstarre am Grab zurück in ein lebbares Leben. Dass das formal nicht immer ohne Kratzgeräusche abgeht, sei uns nichtperfekten Menschen verziehen. Ein fein gearbeitetes, klassisches Reimgedicht, mag ich. LG gugol

  3. #3
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    hallo hi-i
    gibt es keine netze, die vor versen schützen?
    ich kann das in Gedanken nachvollziehen , was du einwendest. aber ich werde es nicht nachvollziehen, weil mir der Steg an der richtigen Stelle zu sein scheint.

    hallo gugol
    hauptsache, der wein danach war gut und liess einen für einen moment die musik vergessen...
    gibt es auch lebbare tode und stebbare leben? da könnte die musik doch antworten geben...

    danke euch
    kp

  4. #4
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    Zitat Zitat von kaspar praetorius Beitrag anzeigen
    gibt es auch lebbare tode und stebbare leben?
    Letzteres würde ich klar bejahen, sind wir doch - zumindest was das irdische Dasein anbelangt - auf Endlichkeit angelegt und das zu leugnen täte uns nicht gut. Ersteres masse ich mir nicht an zu beurteilen, bevor ich es selber er-lebt habe. Oder ist das jetzt gerade ein Ja? Interessante Fragen stellst du da.

  5. #5
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    danke dafür, dass du über den tippfehler hinweggelesen hast.
    gestern sah und hörte ich "die schöpfung reloaded" mit kammerorchester basel und einem chor aus oberstufenklassen.
    wenn der gläubige haydn sich mit skeptischen lehrern und teenagern auf die schlüpfrige bahn der programmmusik begibt, dann sind sterben und leben auf einmal eins und die fragen, welche du provoziert hast, erübrigen sich oder eben gerade nicht.. ach, wie soll mans wissen? am besten, wir geniessen das eine wie das andere, den haydn wie den darwin, beide sind in sich so schön, wie wir es uns nur wünschen können. aber wer weiss etwas über den wunsch hinaus?
    schönen tag dir
    KP

  6. #6
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    Da kann ich dir nur beipflichten, denn jeder der beiden befasst sich mit einer vollkommen anderen Art von Fragen, wenn auch innerhalb desselben Themas. Wen interessieren da noch Tippfehler? Ou dir es schöns Wucheänd, gugol

  7. #7
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    der springende punkt: beide können schön. wie machen die das? denn fragenstellen kann jeder.
    Kinder, jetzt gilt's ernst!
    Sie quatschen im Cybertalk
    über Cybersex.

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