Thema: Return

  1. #1
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    Return

    [CENTER]
    Return



    geflüchtet ins blaubeerland
    im diffusen schatten
    nur vom wispern umhüllt
    losgelöst um aufgenommen zu werden
    hebt mich in eine andere ebene
    inneres licht sortiert bilder

    sieht die gesammelten stillleben
    einer zeitlichen ferne
    mit sinnlichem geflutet
    und alles ist in der lage
    noch
    nach etlichen umkreisungen
    zu sagen zu tragen

    der ameisenen kriege
    dem fliegen beim tanzen
    die erregenden träume
    den unerschöpflichen naturbilder
    emotionen
    aus einen gewaschenen verstand
    zu stehlen

    hab still geschrien
    da wo es niemand sah
    und still gejubelt
    wenn ein Traum ankerte
    ...
    ..
    .
    [
    /CENTER]
    Geändert von horstgrosse2 (13.02.2019 um 09:16 Uhr) Grund: ruhe, in wispern verändert

  2. #2
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    hallo horst,

    seit ich vor vier tagen dein gedicht las, hatte ich vor, dir etwas dazu zu schreiben. nur ist das kein gedicht, das man mal kurz in zwei sätzen abhandeln kann. ich kann nur mutmaßen, was du im einzelnen meinst und so habe ich mir meine eigene interpretation zusammengeschustert, die natürlich von meinem eigenen erleben und empfinden gespeist wird.

    zu metrik und form lasse ich mich nicht aus, da kennst du dich besser aus als ich.

    es beginnt mit dem titel return. return ist englisch und bedeutet auf deutsch rückkehr. gleichzeitig ist die return- oder auch eingabe- oder enter-taste genau die taste, die einen eingegebenen befehl abschließt, bestätigt und damit erst startet. also ist ein return so gesehen ein beginn und eine rückkehr zugleich. interessant.

    Return

    geflüchtet ins blaubeerland
    im diffusen schatten
    nur von ruhe umhüllt
    losgelöst um aufgenommen zu werden
    hebt mich in eine andere ebene
    inneres licht sortiert bilder


    sieht die gesammelten stillleben
    einer zeitlichen ferne
    mit sinnlichem geflutet
    und alles ist in der lage
    noch
    nach etlichen umkreisungen
    zu sagen zu tragen


    hier kommen in erster linie starke eigene erinnerungen an ein blaubeerland hoch. ich war 13, mit meinen eltern im urlaub in tschechien und hatte mich mit einem jungen aus der gegend angefreundet. wir sprachen beide die sprache des anderen nicht, aber das war auch nicht nötig. unser schulenglisch reichte so gerade für unsere unterhaltungen aus und das wesentlichste bedurfte ohnehin keiner worte. ich erinnere mich an die felskante, an der wir jeden abend saßen und die beine sorglos ins nichts baumeln ließen. an die endlosen wälder mit endlosen blaubeersträuchern, in denen wir uns die blaue süße in den mund steckten. blaue-zungen-zeit.

    ich denke mal, dass du da ebenfalls erinnerungen beschreibst, die du im inneren licht einer art rückschau betrachtest und für gut *tragend* befindest, denn erinnerungen sind ein teil des fundamentes, auf dem wir unser leben stück für stück aufbauen. selbst nach langer zeit sind sie in der lage, dir zu erzählen, wie du einmal warst, was du erlebt und empfunden hast und was sie heute für dich bedeuten; was du daraus gemacht hast.

    der ameisenen kriege
    dem fliegen beim tanzen
    die erregenden träume
    den unerschöpflichen naturbilder
    emotionen
    aus einen gewaschenen verstand
    zu stehlen


    bei dieser strophe bin ich ein wenig ratlos. ameisen schreibst du, sofern es kein tippfehler ist, desubstantiviert, was ich in der bedeutung als kleinliche, bedeutungslose kriege werte. es kann aber auch sein, dass du damit kriege definieren möchtest, die durch die menge an zum einsatz gekommenen hervorstechen, so wie ameisen eben meist auch nicht allein, sondern in größeren gruppen auftreten. der gewaschene verstand ist wohl der eines erwachsenen, der durch die jahre gereift und durchs leben *geklärt* wurde. aber die erinnerungen sind in der lage, emotionen aus diesem cleanen verstand zu lösen und den betrachter entsprechend empfinden zu lassen. bei *naturbilder* gehört eventuell noch ein *n* hintenan?

    hab still geschrien
    da wo es niemand sah


    zuerst erschien mir die kombination *schreien – sehen* gewagt, aber dann hatte ich ein entsprechendes bild vor augen, das mir vertraut ist. innerlich schreien und weinen sieht man dem anderen auch an, wenn man sensibel auf seine mitmenschen achtet. also gestattet sich das LI selbst das nur in unbeobachteten momenten. auf die rückschau der erinnerungen bezogen, sind das die unschönen momente, die der kriege vermutlich, bei deren betrachtung das LI innerlich aufschreien muss.

    und still gejubelt
    wenn ein Traum ankerte


    schön. das ankern als symbol für halt, für das greifbar werden eines traumes, der in erfüllung geht. das zurückhaltende, seine gefühle nicht preisgeben wollende LI jubelt still, in seiner hier positiven erinnerung versunken.

    ...
    ..
    .
    [
    .

    dein gedicht endet mit abnehmenden punkten und einer sich öffnenden eckigen klammer. sie symbolisieren für mich, dass das erinnern, aber auch das neu erleben, was dann wiederum zur erinnerung wird, zwar eventuell abnimmt, aber bis zum tod nicht endet. wir wissen nicht, was dann kommt, es bleibt offen (das ist die offene klammer). nur der letzte punkt – steht er für die möglichkeit, dass das erleben und erinnern wieder anfangen könnte? oder schließt er nur einfach dein gedicht ab?

    ein starkes gedicht ist dir da gelungen, vom dem ich mich nur zu gern in seinen bann ziehen ließ.

    lg
    lilisarah
    *kinder, hört auf, euch zu streiten!*
    *mama, wir streiten uns gar nicht, wir hauen uns nur.*

  3. #3
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    Es lässt sich nur schwer Sprachgefühl und Gedichtinhalt auseinanderhalten da du durch vielerlei Bewegungen alles wie zufällig erscheinen lässt und aus der eigentlichen Verknüpfung von Bild und seiner Entstehung etwas gemacht hast das nur schwer zu beschreiben wäre. Wenn die Umkreisungen das sind was eigentlicher Bezugspunkt sein soll.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  4. #4
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    Hallo horstgrosse2,
    ich habe deine gedichte immer als edel empfunden, so wie dieses.
    wehmütig und etwas schwer, wie eine rüstung;
    vermutlich sind wir beide zeitgleich hier aufgeschlagen und haben mitgelitten, weil vieles spürbar, auch angenehm, unter die haut ging
    (so verstehe ich die ameisenarmeen im weitesten sinne)
    ich glaube es wäre möglich ein runtergerocktes haus wieder aufzubauen;

    (wenn ein sir rod es gewuppt hat nach einer schweren erkrankung wieder singen zu lernen, und du deine schreiblust nicht verlierst, habe ich keine zweifel- und entschuldige bitte meinen vergleich falls es unpassend ist, es sind querschläger wie flummis in meinem kopf)


    ich habe hier nur einen winzigen kritikpunkt,
    nach meinem empfinden muss in deinem gedicht

    aus eine(m) gewaschenen verstand
    zu stehlen

    stehen

    sicher bin ich mir aber nicht (du könntest kaspar fragen, der ist besser bewandert)


    lg vom GE-wicht
    das denken ist zwar allen menschen erlaubt, aber vielen bleibt es erspart. -curt goetz-

  5. #5
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    Hallo lilisarah


    Danke erstmal, für die vielen Gedanken.


    Ja, die Metrik hier war ausgeschlossen. Bei solchen Texten wie diese wird vieles ausgeschaltet, einzig die Inspiration (oder Fantasie) darf bestimmen.

    Return= zurück- Rückschau


    Blaubeerland-wald


    Eigentlich hast du alles erkannt, geschrieben.

    Ameisenen Kriege

    Abgeleitet davon, das ich als Kind oft mit Ameisen spielte. Das heißt, füttern mit saftigen Beeren, gefangenen Fliegen und Ameisen sind sich untereinander nicht „grün“ . es gibt winzige 3 mm Ameisen rostrot, dann kleine Gelbe, kleine Schwarze, Rostrote aber hier schon 6mm groß dann große Schwarze und die Waldameisen. Und Gelbe und Schwarze bekämpfen sich, das gilt auch für die Anderen.
    Und ich habe zugeschaut, da ich weniger andere Möglichkeiten hatte. Aber das gehört hier nicht her.


    Zitat:

    hab still geschrien
    da wo es niemand sah

    entsprechendes bild vor augen, das mir vertraut ist. innerlich schreien und weinen sieht man dem anderen auch an, wenn man sensibel auf seine mitmenschen achtet. und still gejubelt


    wenn ein Traum ankerte

    schön. das ankern als symbol für halt, für das greifbar werden eines traumes, der in erfüllung geht.

    A: Alles richtig


    ...
    ..
    .
    die Punkte meine Marotte.
    Oben am Text noch drei dann zwei dann einer dann nichts

    Wie das Gedicht selbst (oder der Text) irgendwann sich auflöst.




    Danke dir, für den Kommentar. Bis später.

    @terrorist


    Grüße.

    Es ist eben kein Gedicht wie alle anderen. Das Gefühl, die Emotionen schrieben hier, nicht der Verstand.
    Demzufolge kommt es anders her, wie gewohnt.

    Aber mit Übung, kann man den Inhalt aufnehmen.

    Danke.




    @Gewicht


    Grüße.


    Meine Musik empfinden ist recht groß und wird es bleiben. Still Romantisch, dann hart rebellisch und sinnliche und nachdenkliche Musik.
    City: Am Fenster

    Eben wie ich, grins.

    Zitat:

    ch habe hier nur einen winzigen kritikpunkt,
    nach meinem empfinden muss in deinem gedicht

    aus eine(m) gewaschenen verstand
    zu stehlen

    A: das Stehlen ist richtige bezieht sich auf:

    und alles ist in der lage
    noch

    den unerschöpflichen naturbilder
    emotionen
    aus einen gewaschenen verstand
    zu stehlen

    Ok, danke dir.

  6. #6
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    hallo horstgrosse2

    ich finde deine bilder...und auch so manches wortspiel originell. dein gedicht hat etwas...das mich anspricht...aber voll und ganz überzeugen konnte es mich (noch) nicht...weil:

    geflüchtet ins blaubeerland
    im diffusen schatten
    nur von ruhe umhüllt
    "nur" halte ich für überflüssig und "in" diffusen schatten für "feiner"...aber das ist eine frage des persönlichen geschmacks


    hebt mich in eine andere ebene
    inneres licht sortiert bilder

    sieht die gesammelten stillleben
    einer zeitlichen ferne
    hebt mich/sieht die...m.e. gibt es für diesen perspektivwechsel keine erklärung (ausser du hast eine für mich)

    und "in eine ebene" ist bei mir eher "auf eine ebene" - "in" eine ebene kann man auch "eintreten"...also der horizontale wechsel einer eben. das das ly-i "gehoben" wird...ist es ein vertikaler wechsel - und demzufolge "auf".....

    hab still geschrien
    da wo es niemand sah
    und still gejubelt
    wenn ein Traum ankerte
    auch eine frage des persönlichen geschmacks...ob du ein "still" gegen ein "lautlos", "sprachlos", "innerlich"...oder gegen was auch immer tauschen möchtest.

    mag sich wie kritik anfühlen...aber unter dem strich habe ich mehr lob für dich...

    gruß, a.d.

  7. #7
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    @AD


    Grüße, schön dass du da bist.

    Ich möchte paar Dinge erklären und vielleicht an meinen Text etwas verändern.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Diffuses_Licht
    schreibt verschiedene Möglichkeiten, auch:“ Nebel oder das Licht unter Bäumen sein.“
    Weil durch das Blattwerk, aufgrund seiner Unregelmäßigkeit und der unruhigen Windverhältnisse, mal mehr mal weniger Licht durch den Wipfel scheinen kann, also diffuses Licht, oder eben diffuser Schatten.

    nur von Ruhe umhüllt“ ist keineswegs nur auf die Akustik ausgerichtet.

    „wispernde Bäume“ wäre auch denkbar, ich denke darüber nach.

    hebt mich in eine andere Ebene /ist nichts anderes wie, ich lasse mich von nichts ablenken, beschäftige mich nur mit Erinnerungen. So zb. Natürlich ist der Grad des „Wegtretens“ entscheidend. Und ich kann das sehr gut. Interne, kuriose Erlebnisse meinerseits, bezeugten dies Vorfälle.

    Ein Aufsteigen in eine andere Geistesform (Ebene), ist für mich Denkbarer, als ein „Eintreten“. Wobei, man kann womöglich beides nehmen. Momentan fällt mir eine Abgrenzung nicht ein.

    Genauso verhält es sich mit Still, und lautlos. Wenn du es unbedingt Nur mit den Schreien und jubeln verbinden möchtest.
    Aber sobald du das lautlos oder sprachlos auf die Person richtest, klingt es anders. (zu diesen text bezogen)

    Ein stiller Mensch
    Ein lautloser Mensch
    Ein sprachloser Mensch

    Es sind alles Nuancen, die aber doch, mehreres Aussagen treffen.

    Return

    Ich danke dir Krümelkacker, (mächtig grinsend) nein wirklich, danke fürs hier sein und besprechen.
    Kommunikationen die tragen können.

    Oh, runterschalten, sonst wird ein Gedicht draus.

    Tschüss.

  8. #8
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    Hallo Großer Horst,
    das gefällt mir sehr gut. Andere haben schon wesentliches aufgeschrieben.
    Woran ich kaspere, ist der diffuse Schatten. Ist der wirklich diffus? Nicht eher das Licht, das diffundiert und die Konturen der Schatten mildert. Mag kleinlich erscheinen, ist aber vielleicht auch nur Geschmacksache.
    Gern gelesen!
    Gruß manehans
    Solange Glut ist, kann auch Feuer sein...
    Eva Strittmatter

  9. #9
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    @manehans


    Grüße


    So richtig komme ich jetzt nicht mit. So wie es diffuses licht gibt, gibt es diffusen Schatten.

    Ich habe gegoogelt, ob ich da verkehrt liege. Nö, eher Bestätigungen bekommen.

    Siehe: https://physik.wissenstexte.de/schatten.htm
    https://www.uni-muenster.de/imperia/...r_schatten.pdf

    So, jetzt stell dir vor, du sitzt im Wald auf einem Baumstumpf. Du hörst den Wind, und durch die Unruhe der Blätter der Bäume, und selbst die Bäume wiegen sanft hin und her, dann sitzt du im diffusen Schatten. Weil ja eigentlich, bei einem Hindernis aus Holz, eine Holzhütte, ein richtiger Schatten vorhanden ist, schwankt aber der, durch die Bewegung des Schattengebenden Objektes, dann ist er, mal heller mal dunkler, je nachdem wieviel Licht durchdringt. Unter einen Laubbaum ist das Spiel noch krasser. Man findet dieses Phänomen auch, beim Fahrradfahren auf einer Allee.



    Return

    Ich bleibe bei meinen diffusen Schatten, grins.

    Ich danke dir fürs kommen.

    Nachtrag:



    Für alle Skeptiker, meines "diffuser Schatten"

    Der Duden zeigt folgende Eigenschaften auf für diffus:

    (Physik, Chemie) unregelmäßig zerstreut, nicht scharf begrenzt, ohne einheitliche Richtung
    (bildungssprachlich) unklar, ungeordnet, konturlos, verschwommen
    SYNONYME ZU DIFFUS ℹ
    dumpf, konturlos, nebelhaft, nicht eindeutig, nicht scharf umrissen, unbestimmt, undeutlich, undurchsichtig, ungenau, ungeordnet, unklar, unscharf, vage, verschwommen; (gehoben) schattenhaft, schemenhaft; (bildungssprachlich) nebulös, unpräzise; (abwertend) schwammig

    Es steht nicht da, das es nur für das Licht, Lichtstrahl gilt.
    Geändert von horstgrosse2 (15.02.2019 um 08:27 Uhr)

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