Unflätiger Wunsch

Schieb den Riegel leis zur Seite,
entsperre mir die Steige!
Lass einen Spalt die Türe auf,
damit ein Lichtstrahl zeige,
welches Kämmerlein dich hegt!

Wenn der Himmel Sterne trägt
und die Alten selig schlummern,
komme ich mit flüsternd Schritten.
Erklimme schleichend deine Bleibe,
um lächelnd Einlass zu erbitten.

Dann verschließen wir die Kammer,
auf dass kein Laut nach außen flieht,
wenn uns übergroße Sehnsucht
mit aller Macht zusammenzieht
und wir küssend niedersinken.

Von deinen Lippen will ich trinken.
Alsdann mit Schnelle uns entwirkend,
befreiend uns vom Fadenzwang,
ergründen wir mit staunend Blick
wie auch mit sanftem Fingergang.

Hernach der Zunge Wanderschaft
offenbart mir deine Züge.
Mit kleinen Schritten forsche ich
und verweile zur Genüge,
an den dargereichten Gaben.

Solch Kost soll seine Andacht haben,
eh es mich zum Brunnen zieht,
der sich im seichten Tal versteckt,
einen Hagestolz erwartend,
der ihn aus dem Schlaf erweckt.

Will mich an der Süße laben,
die deiner Mitte hold entspringt,
mir das Herz zur Schnelle mahnt
und mein Blut in Wallung bringt.
Begierde lenkt mein Handeln.

Auf solch gepriesen Pfad zu wandeln,
mit eilend Atem, eng umschlungen,
bis dass Erschöpfung uns erlöst,
möchte ich mit dir gern wagen.
Dieser Wunsch sei dir entblößt.

2019