Die Verkäuferin

Jung war sie und ernsthaft dabei
Fleisch, alle Würste zu verkaufen.
Sie fühlte sich dadurch stets frei,
Selbst wenn zur Kühlung sie musst' laufen.

Im Laden wie aus Erz gegossen
Stand sie und lächelte zum Kunden.
Obwohl sie Kindheit kaum genossen
Gab ihr die Arbeit schönste Stunden.

Freundlich konnt' sie mit allen reden,
Nur deshalb kauften manche hier,
Denn in so vielen anderen Läden
War das Einkaufen kein Pläsier.

Man hatte sie ins Herz geschlossen,
Kollegial dennoch auch Missgunst blieb.
Doch Herzen bleiben nicht verschlossen,
Wenn man fühlt: Die hat Kunden lieb!

Namentlich spricht sie die Kunden an,
Erfüllt die Wünsche, die gewollt.
Nach dem Befinden fragt sie dann,
Hat Mitmenschen Respekt gezollt.

Doch eines Tages kam ein Mann,
Entdeckte gleich ihr süßes Wesen,
Und weil er halt nicht anders kann,
War sie aus ihrem Dienst gewesen.

Sie heiratet' ihn, blieb zu Haus',
Ließ fragend Kunden hier zurück.
Bald kam für das Geschäft das Aus:
Man suchte anderswo sein Glück.


©Hans Hartmut Karg
2019

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