Thema: bitte

  1. #1
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    bitte

    bitte

    bitte verweile,
    noch für einen moment,
    in diesem morgen,
    in diesem licht.

    bevor der tag,
    mit schwarzen handschuhen
    die kulissen verschiebt,
    die kurze, besonnte sicht verstellt
    und harsche bedeutungen verteilt.

  2. #2
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    hallo
    rhythmus und alliterationen machen deine verkürzte vesion langdauernder empfindungen zu einem kleinen schmuckstück. mehr davon, bitte
    bitte
    kp

  3. #3
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    Hallo kp,

    besten Dank für deine schmückende Rückmeldung.

    Lg,
    M.

  4. #4
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    Hallo Miserabella,

    als ich Dein Gedicht las, hat mich die erste Strophe berührt, aber bei der zweiten geriet ich ins Grübeln. Warum hat der Tag ausgerechnet schwarze Handschuhe an? Passen nicht weiße Handschuhe farblich viel besser? Warum verstellt er die kurze besonnte Sicht, er ist doch vielmehr die Voraussetzung dafür, dass die Sonne scheint? Zunächst dachte ich, dass Du diesen Widerspruch gar nicht bemerkt hast.

    Dann kam ich auf den Gedanken, dass Du ihn bewußt setzen wolltest: Der Tag als eigentliche Zeit der Finsternis für zwei Liebende. Das wird vom Gedicht aber nicht wirklich gut umgesetzt. Vor allem deshalb, weil das Licht aus der ersten Strophe ja schon Tageslicht ist und der Morgen, von dem gleichfalls in der ersten Strophe die Rede ist, ein Teil des Tages. Das schwächt den Gegensatz zwischen Strophe 1 und Strophe 2. Warum soll das Licht, in dem der/die Geliebte erschien, plötzlich in Strophe 2 als Tageslicht die Sicht verstellen?

    Dein Gedicht steht in der uralten Tradition des Tagelieds. Die darin geschilderte Situation ist immer dieselbe: Zwei Liebende, die gemeinsam die Nacht verbracht haben, müssen scheiden, bevor der Tag anbricht. In Deiner Langschläfer-Version ist daraus der buchstäblich helle Morgen geworden. Wolfram von Eschenbach berühmtes Tagelied ist ein gelungenes Beispiel für diese Tradition.

    Mein Tipp: mach´s einfach wie Wolfram

    Gruß Onegin
    Geändert von Onegin (25.05.2019 um 16:29 Uhr)
    Love´s not Time´s fool W. S.

  5. #5
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    Hallo Miserabella,

    teilweise ging es mir beim Lesen wie Onegin. Nach der ersten Strophe war ich auch berührt. Die zweite bedarf mehr Gedanken. So wie Onegin es gelesen und verstanden hat ist es tatsächlich ein Widerspruch.Was nicht heißt dass dieser nicht seine Berechtigung hat.
    Ich bin mir aber gar nicht sicher ob es wirklich um zwei Liebende geht? Trotzdem gefällt mir auch Onegins Leseart.
    Die Formulierung und das bildhafte an sich (also die schwarzen Handschuhe die die Kulisse verschieben. ..) finde ich stark und gefällt mir sehr gut.

    die kurze, besonnte sicht verstellt
    und harsche bedeutungen verteilt.


    In diesem Sinne ist jeder Tag nur eine Kulisse da kein Tag sich jemals genauso wiederholen kann. Daher gefällt mir die Formulierung mit der Kulisse auch sehr gut. Und die Sicht die sich verstellt. In diesem Vers steckt vermutlich noch mehr drin als auf den ersten Blick zu sehen dafür spricht die "Kurzsicht" und auch das "Besonnte" was dann eben nicht mehr besonnt ist..
    Der letzte Vers macht mir eher Schwierigkeiten ihn im Gesamtkontext zu deuten. Und freue mich über einen Einblick in deine Gedanken dabei.
    Auf jeden Fall gefällt mir dein Gedicht - hab es gern gelesen

    Gruß
    question

  6. #6
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    Guten Morgen,

    dankeschön für das Mitteilen eurer Lesarten.
    Der Morgen steht hier für einen frischen Moment der offenen Verbundenheit.
    Das kann ein gemeinsamer Moment sein, nach einer Liebesnacht, das kann aber auch einfach ein andere tiefe Begegnung oder Erfahrung sein, die natürlich unabhängig von der Tageszeit sein kann, der Morgen bietet sich aber als Sinnbild eine unverfälschten Frische an.

    Warum schwarze Handschuhe und harsche Worte?
    Weil eine düstere und einsame Stimmung mischwingen sollte.

    LG,
    Miserabella

  7. #7
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    "bevor der tag,
    mit schwarzen handschuhen
    die kulissen verschiebt"

    Hey, dass war für mich die stärkste Stelle des ganzen Gedichtes. Ich finde dieses Bild absolut realisitsch, irgendwie. Vor allem in dieser Beiläufigkeit, in der einem das Leben das klar werden lässt.
    Und naja, wir sind es ja auch irgendwie, die den Tag be-kleiden. Also von daher, wenn er nichts anderes hat, könnte das ja auch an uns liegen. Kurzzeitig hat ich noch das Bild von saudreckigen Arbeitshandschuhen vor Augen, als käme er ausm Bergwerk das würde auch irgendwie passen.

    Sehr gutes Gedicht!

    Peace
    Mein armer Briefkasen,
    für ihn gibt es kein Rasten.
    Er klappert und quietscht schief.
    Durch seine Schießtscharte
    steckt das Leben eine Grußkarte.
    Scheiße, du bist das Motiv,

  8. #8
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    Schön dass der Bums komplett fehlt. Da kann man sich dann alles reinjammern was noch zum Bedauern fehlt. Ist nur die Frage inwiefern uns das davon erzählt wie es wirklich gewesen sein könnte, wenn es nicht so gesehen hätte werden müssen wie es harsche Bedeutungen verteilt.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  9. #9
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    bevor der tag
    mit schwarzen handschuhen
    die kulissen verschiebt.

    Das sind wirklich wunderschöne Zeilen.
    Mir ging es beim Lesen doch so, als fiele der ganze Rest des Gedichtes ab. Ich wünschte mir, du schriebest noch ein Gedicht, das du mit diesen Zeilen, als letzte (und vielleicht zweite) Strophe ausklingen ließest.

    Das hallt nach, verträumt den Alltag und färbt mein Smartphone-Display dunkler und dunkler.

    Top!!!

    L.G
    Patrick

  10. #10
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    Hallo Patrick,

    ich hoffe du kannst das lesen, auf deinem dunklen Bildschirm. ; -)

    Danke für deinen schönen Kommentar. Es freut mich, dass du mit meinem Text etwas anfangen konntest.

    LG,
    M.

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