1. #1
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    Der frühe Vogel

    Meine Oma, sie schläft lang nicht gern,
    Ich schlaf lang, schau abends gerne fern.
    Sie weckt mich mitten in der Nacht.
    Unglaublich, ist erst kurz nach acht.
    Tobt durch's Zimmer wie ein Sturm,
    und erzählt was von nem Wurm.
    Sie sagt: "Der frühe Vogel kann ihn kriegen!"
    Was soll ich mit 'nem Wurm? Ich bleibe liegen.
    Geändert von Sidamm (13.02.2019 um 16:58 Uhr)

  2. #2
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    Hey, denke doch mal an die Möglichkeiten ... mit dem Wurm könntest du Angeln gehen und einen Fisch fangen, diesen verkaufen und vielleicht irgendwann ein Fischerboot kaufen, dann vielleicht ein zweites und wer weiß vielleicht irgendwann hättest du eine kleine Flotte mit vielen Angestellten und dann ... ja dann... könntest du morgens länger ausschlafen und ... Ja ich weiß, auch das ist eine gebrauchte Geschichte ..

  3. #3
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    Ja, irgendwie ist doch alles schon gebraucht.
    Meine Oma (sie ist schon lange glücklich), hatte noch ganz andere Sachen drauf! Dazu komme ich noch.
    Übrigens ist der Typ mit der Flotte pleite gegangen und verdingt sich heute als Lebensberater.

  4. #4
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    Hallo Sidamm,

    die beiden Schlussverse hast Du perfekt auf den Punkt gebracht! Das letzte Ausrufezeichen würde ich durch einen Punkt ersetzen, dann kommt die Pointe trockener rüber. Außerdem ist das LI ja noch müde.


    Sie sagt: "Der frühe Vogel kann ihn kriegen!"
    Was soll ich mit 'nem Wurm? Ich bleibe liegen.

    Den Rest würde ich nochmal überarbeiten und noch gezielter auf die Pointe ausrichten. Am besten sehr kurz, es ginge aber auch ein längerer Vorspann, sofern er nicht zu viel von der Überraschung vorweg nimmt. Die Oma passt zum Sprichwort, die könntest Du beibehalten. Die Meise passt zwar wunderbar zum Vogelthema, aber sie gibt auch schon einen Vorgeschmack auf die Pointe. Ich würde sagen, das ist gerade noch an der Grenze zum "zu viel verraten". Den Reim "was-Spaß" würde ich ganz rausnehmen. Die zweite Vermutung "Oma macht Spaß" zusätzlich zu "Oma hat ne Meise" macht den Text nur unnötig geschwätzig. Und kurzes auf langes a ist auch kein idealer Reim.

    Gut wäre es, im ersten Teil eine rhetorische Vorbereitung zu haben, auf die der Schlusssatz direkt antwortet. Am besten vielleicht mit der Aufforderung :"Steh auf!"

    Willst Du das mal probieren?

    LG Claudi
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  5. #5
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    Hallo Claudi, ja, das mit der Meise sollte sich wirklich auf den frühen Vogel beziehen.
    Ich setzte mich dran und werde versuchen den Eingang zu überarbeiten.
    Vielen Dank für deine Hilfe!
    LG Sidamm

  6. #6
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    Hallo Sidamm,

    Du hast Dir jetzt was anderes einfallen lassen und es Dir nicht nehmen lassen, einen Reim auf Wurm mit einzubauen. Das Metrum finde ich nur mit viel Wohlwollen (wie auch bei Oma 2.0). Ich ixe die ersten beiden Verse mal so, wie man sie normalerweise lesen würde:


    Meine Oma, sie schläft lang nicht gern, - das ist eine schlimme Satzverdrehung
    XxXxxXXxX

    Ich schlaf lang, schau abends gerne fern.
    xXXxXxXxX

    Dadurch ist es schwierig, in den Lesefluss hinein zu finden, auch wenn die Verse, die danach kommen, metrisch deutlicher sind.

    Ich weiß auch nicht, warum Du "meine Oma" statt einfach "Oma" schreibst. Das würde sich eigentlich anbieten, zumal Du mehrere Oma-Gedichte auf der Pfanne hast? Hab nochmal ein bisschen gefummelt:


    "Steh auf!", ruft Oma mitten in der Nacht.
    Ich schaue auf die Uhr: Erst fünf nach acht,
    doch Oma tobt durchs Zimmer wie der Sturm,
    erzählt mir irgendwas von einem Wurm
    und dann: "Der frühe Vogel kann ihn kriegen!"
    Was soll ich mit nem Wurm? Ich bleibe liegen.



    Ich glaube, Du hast das Zeug zum Humordichter. Deine Ideen gefallen mir!

    LG Claudi
    Geändert von Claudi. (14.02.2019 um 17:02 Uhr)
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  7. #7
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    Hallo Claudi,
    danke für deinen Kommentar!
    Stimmt, die Satzverdrehung ist übel.... Sehe ich jetzt genauso.
    Was hälst du von:
    Oma, sie erwacht früh gern,
    In der zweiten Zeile ist mir ein Fehler unterlaufen.
    Sollte heißen:
    Ich schlafe lang, schau abends gerne fern

    Ich werde alles nochmal überdenken.
    Allerdings hört sich dein Vorschlag so gut an, dass dies eigentlich gar nicht mehr nötig ist.
    Wollte eine Reihe mit Oma Versen machen und immer mit "Meine Oma" starten. Auf diese Idee werde ich vermutlich verzichten.
    LG Sidamm

  8. #8
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    Ja, mit "meine Oma" distanzierst Du Dich unnötigerweise vom Leser und erklärst einen Sachverhalt, der nicht erklärungsbedürftig ist. Genauso bei Omas Gewohnheit, früh aufzustehen. Das wird ja aus der Handlung ersichtlich. Im Gedicht ist es immer besser, statt zu behaupten und zu erklären, die Dinge direkt zu zeigen bzw. etwas passieren zu lassen, das solche Erklärungen erübrigt.

    Zu Deiner anderen Oma komme ich auch noch. Vielleicht können wir da nochmal über die Betonung einsilbiger Wörter reden? Da klemmt es noch ein bisschen, aber das ist kein Beinbruch. Das passiert auch vielen Usern, die schon länger schreiben.

    LG Claudi
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  9. #9
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    Hallo Claudi,
    direkt zu zeigen.... okay, darüber muss ich nachdenken...
    Freut mich dass du auch mein anderes Oma Gedicht gelesen hast
    Da war ich der Meinung, dass es von der Metrik her besser gelungen ist. Gerne lasse ich mich von dir eines Besseren belehren.
    LG Sidamm

  10. #10
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    Hallo Sidamm,
    mir gefällt Dein Gedicht und mir fiel eine Begrüßung eines Nachrichtensprechers in einer 12-Uhr-Mittagssendung in den siebziger Jahren ein: "Guten Tag, liebe Zuhörer, guten Morgen, liebe Studenten und Studentinnen!"
    Ich habe mich mal an Dein Gedicht heran gemacht. Hier das Ergebnis:

    Meine Oma ist `ne ganz patente, kluge Frau,
    früh geht sie zu Bett und steht beim ersten Hahnenschrei
    frisch und ausgeruht, geduscht, die Haare schön gestriegelt
    in der Küche, kocht uns Kaffee, Eier, strickt und bügelt.
    Das ist nicht mein Ding, ich schlafe gerne lang und schau
    TV bis morgens früh so zwischen zwei und drei.
    Neulich tobt sie durch mein Zimmer wie ein wilder Sturm,
    weckt mich mitten in der Nacht -
    ich glaub es nicht! Der Zeiger meiner Uhr zeigt grad mal acht -
    erzählt mir was von einem Wurm
    und sagt: „Der frühe Vogel kann ihn kriegen!“
    Was soll ich mit einem Wurm? - Ich bleibe liegen.“
    Geändert von Festival (15.02.2019 um 16:48 Uhr)

  11. #11
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    Hallo Festival, deine Version klingt wirklich gut!
    Danke euch allen dafür, dass ihr meinen Beiträgen Beachtung schenkt und mir helfen wollt!
    Ich habe schon immer gerne Gedichte gelesen. Heinz Erhardt ist allerdings einer meiner Favoriten.
    Selbst dichte ich noch nicht lange. Ich habe bis vor ein paar Wochen nicht mal gewusst was Metrik ist.
    Ich lese hier so viele tolle Verse, die sich manchmal gar nicht reimen. Jedoch weiß ich inzwischen dass sie's gar nicht müssen. Das wird mein nächstes Thema: Gedichtsformen.
    LG Sidamm

  12. #12
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    Lieber Sidamm,
    eine gute Übung für nicht endgereimte Gedichte (abgesehen von schwierigen Hexa- oder Pentametern und anderen griechischen Versformen) ist der Blankvers. Der beherrschte für lange Zeit die literarische Szene. Blankvers bedeutet "blank" von Reimen und besteht aus fünf Jamben, die sowohl klingend als auch stumpf enden. Nebenbei: Die meisten Gedichte kennen den Endreim gar nicht und es irrig zu glauben: Wenn es sich reimt, dann ist es ein Gedicht.
    Liebe Grüße,
    Festival

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