Thema: vier strophen

  1. #1
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    vier strophen

    zu tief in mich gedrungen
    das mir im mich
    ein sensenstrich

    wie weggeatmet
    schwinden deine himmel
    in keinem sinn

    fast zögerlich die stille
    ganz nah am ungesagten
    wie unbestimmt

    am anfang war dein schrei
    er ist an mir erstickt
    du bliebst mir unerhört
    Geändert von Woitek (24.02.2019 um 09:13 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Woitek,

    deine vier Strophen liegen im "Diversen" und haben mein Interesse geweckt.
    Ich versuch mich mal ans "Verstehen"

    zu tief in mich gedrungen
    das mir im mich
    ein sensenstrich


    In der ersten Strophe bleibt noch vieles verborgen und liest man sie für sich so versteh ich es so, dass das LI durch das vlt. ausschließliche Beschäftigen mit sich selbst zu einem Tod - im weitesten Sinne- geführt hat.

    wie weggeatmet
    schwinden deine himmel
    in keinem sinn


    Die zweite Strophe bezieht nun auch das LD ein. Ich verstehs als ein Bedauern,"die Himmel" des LD nicht erkannt bzw. "veratmet" hat da man den Blick nur auf sich selbst gerichtet hatte. "Weggeatmet" gefällt mir hier eigentlich sehr gut. Eigentlich ist das "Einatmen" ja etwas komplett in sich aufnehmen aber eben auch nur flüchtig um es dann wieder weg/auszuatmen. Nimmt man es genau so müsste trotz des Wegatmens ein Teil aufgenommen worden sein

    fast zögerlich die stille
    ganz nah am ungesagten
    wie unbestimmt


    Mit dem Verstehen der dritten Strophe tu ichs mir am Schwersten. Die zögerliche Stille -ganz nah am ungesagten. Das gefällt mir sehr gut und es liest sich wie wenn jemand vor einem Stop-Schild bremst und innerlich damit kämpft nicht stehen zu bleiben sondern zu fahren- im übertragenen Sinne..
    "Wie unbestimmt" ..dahinter komm ich nicht..bzw mir ergibt sich nicht richtig der Zusammenhang zu den zwei Zeilen davor.

    am anfang war dein schrei
    er ist an mir erstickt
    du bliebst mir unerhört


    Die vierte Strophe gefällt mir auch als Gesamtkomposition..
    "Am Anfang war".. damit können viele Querverbindungen zu biblischen und anderen Zitaten assoziert werden. Hier ist es der Schrei der am LI erstickte. Gelungen auch das Ende. "Unerhört " Hier spielst du mit der Möglichkeit es doppeldeutig zu lesen. Zum einen wurde das LD vom LI tatsächlich nicht erhört und zum anderen ist etwas Unerhörtes ja auch etwas "Erstaunliches" oder "Ungeheuerliches" . Damit gibst du zum einen dem LD einen Wert der vom LI nicht erkannt wurde und zum anderen der ganzen Geschichte etwas "unerhörtes" im Sinne von Empörtes.

    Hoffe dein Gedicht einigermaßen durchdrungen zu haben. Auf jeden Fall hat es Eindruck hinterlassen.

    Viele Grüße
    question

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