Thema: Erweckung

  1. #1
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    Erweckung

    Mit Knirschgelenken, knarrendsteifen Knochen,
    bin ich mit Heisertönen aus der Wortbildhöhle
    mühsam krächzend aus dem Lotterbett der Nacht gekrochen;
    wo einstens meine Magmastimme klang, erscholl Genöle,
    entfloh ein schmerzlich Ach gequetscht dem Zahngehege,
    doch furchtbefreit erwacht mein Geist aus Dämmerschlaf,
    ein greller Schein die Fenster meiner Seele traf.

    Die Dunkelschatten wirrer Träume der vergangnen Nächte
    entflohen und ich kratzte fingerfertig mein Gemächte.
    Sehr bald begann in meinem Hirn ein reges Keimen,
    ich griff zum Federkiel, begann mit Knittelreimen
    die lastbeschwerten Traumgebilde auf Papier zu bannen,
    verschweige nicht, dass mir die Zähren aus den Augen rannen,
    doch bald vollendet war mein erstes Tageslichtgedicht.

    Nun frag ich dich: Geht es dir etwa ähnlich?
    Notierst auch du, was morgens reichlich dämlich
    und abends auch noch grottenschlecht und schlicht
    aus der Kapsel deines dumpfen Hirnes bricht?
    Sei guten Muts, wer selbst den größten Blödsinn schreibt,
    der bleibt der Welt erhalten und er bleibt
    zu unser aller Wohl erhalten
    bis zum endlichen Erkalten.
    Geändert von Festival (20.02.2019 um 18:14 Uhr)

  2. #2
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    Lb. Heinz,

    immer wieder bin ich über Deine wechselhaften Aussagen überrascht, auch weil sie oft über ungewöhnliche Ausdrucksweisen und Wortzusammenhänge zu interessanten Eindrücken gestaltet sind. Das aus dumpfem Hirn und größtem Blödsinn auch etwas entstehen kann was der Welt erhalten bleibt, kann sicher manchen Schreiber ermutigen.

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  3. #3
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    Lieber Hans,
    mich beschleicht das Gefühl, dass Du hier etwas völlig missverstanden hast. Aber ich neige nicht dazu, eigene "Gedichte" zu interpretieren. Du hast die ungewöhnliche Ausdrucksweise bemerkt, bist auf den richtigen Pfad gestoßen, aber bist dann vom Weg abgekommen.
    Gruß,
    Festival

  4. #4
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    Lieber Heinz,
    ich hätte da eher geschrieben:"zwar nicht zu unser aller Wohl erhalten", wobei ich das Wohl ausschließlich auf das beziehe, was ich empfinde, wenn ich die entsprechenden Gedichte lese.
    Mir zieht es oft die Magenwände zusammen und ich denke:'Das kann doch einfach nicht wahr sein!'
    Wer Sprache liebt, der muss viel leiden!
    Wieder und immer wieder! Vielleicht ist man doch eigentlich ein Masochist, ansonsten würde man sich diese Gedichte doch nicht antun, oder?

    LG, Cara

  5. #5
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    Liebe Cara,
    ich dachte, die Übertreibung, die den letzten Versen innewohnt, zeigt, wie sehr mein pädagogischer Impetus selbst in Dunkeldüsternis meiner Überzeugung ausdruckverleihend die Basis für den weisheitvermittelnden Spruch schafft, dass die Hoffnung zuletzt stirbt. (Hab ich das nicht schön geschrieben?)
    Liebe Grüße,
    Heinz

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