Thema: bi is in

  1. #1
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    bi is in

    frühling im winter, bi hat konjunktur
    wild wechselt die obrigkeit ton und spur
    raben jagen zwei ratten der luft
    büsche stehn rum wie' flakons ohne duft

    kroküsse starren hellblau aus dem grün
    müssen mit narren nun karneval spieln
    ich wechsel die Bank und bemerk konsterniert
    mein stil wird von dichtern im netz kopiert

    nüchtern gesehn steigt der wahnsinn im wert
    ein zeichen mehr, wer fair fährt fährt verkehrt
    zum motto der herzen wird: simsalabim
    der rest meiner tage mutiert: bi is in
    Geändert von Artname (25.02.2019 um 19:18 Uhr)
    Genau so, oder eben ganz anders!

  2. #2
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    Ich wollte es genau so schreiben, dachte aber warte lieber bis ein anderer drauf kommt, dann kannst du so tun als wäre es genau das was du(ich) erwartet hätte(st) bevor klar war wer es wann und weswegen schreiben würde. Denn es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn das nicht Sinn und Zweck dieses Gedichtes wäre. Von der sich versteckenden Botschaft an dein bzw.mein Unterbewusstsein mal ganz abgesehen. Deren sich Fortpflanzung wohl genau die Spuren hinterlässt die Dichter im Netz so gerne kopieren.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  3. #3
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    Lieber Terrorist, ich habe keine besondere Botschaft. Außer der, dass ich gegenwärtig einige stiefmütterlich behandelte Zellen lüfte, die ich seit meiner Kinderzeit viel zu selten besucht habe. Räume, wo ich früher gedankenvoll und bedenkenlos meine Wahrnehmungen und Empfindungen zeichnete.
    Genau so, oder eben ganz anders!

  4. #4
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    Du bist ja auch nicht der Text.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  5. #5
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    Da haste auch wieder Recht.
    Genau so, oder eben ganz anders!

  6. #6
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    Hey Artname,

    ich poste hier meinen erst und einziglese Eindruckl, der ja auch manchmal ganz interessant sein kann.
    Mir gefällt die moderne Wortwahl auf, die gelungene Rhythmik und die .. äh .. Möglichkeit es zu rappen / singen.
    Insgesamt blieb gedanklich für mich grade über:
    "bi ist in"
    Das hast du also definitiv gut gesetzt.
    Oh und ich erinnere mich an den Stil, der kopiert wird, des Dichters ... der es "konsterniert" bemerkt.

    Jaja ... du hast schon eine Marke beim Schreiben, jedenfalls hin und wieder!

    Liebe Grüße

  7. #7
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    @leicht_gedacht: Ich hab mir einige deiner Gedichte angeschaut. Sie gefallen mir auf den ersten Blick. Nach dieser Lektüre verstehe ich dein "banal" nicht als vordergründig negativ gemeint. Dir scheint eine leicht zugängliche Aussage wichtiger zu sein als mir.

    Wie du habe ich einen eigenen Anspruch. Mit den Jahren wird mir beispielsweise der Klang der Verse (Zeilen) immer wichtiger. Mich erinnert "Klang" sofort an Musik! Aber auch an eine Folge von Geräuschen. Auf verschiedenen Ebenen. Mich interessiert mit steigendem Alter der Rhythmus! Vor allem in der Sprache. Ich experimentiere seit Jahren mit diesem leicht dahin gesagtem Begriff. In letzter Zeit spüre ich immer stärker den Einfluss von Assonanzen auf die Sprachrhythmik. Den letzten Anstoß gab mir Rap/Hiphop. Bei näherer Betrachtung könnte man schon assonante Rhythmen in meinen Texten entdecken, meine ich.

    Fur mich sind die meisten Autoren hier zu ausschließlich auf inhaltliche Aussagen fixiert. Die "Form" scheint ihnen eher ein graues Vehikel zu sein, in dass sie sich gedankenlos setzen müssen, um möglichst schnell an ihr Wunschziel zu kommen. Entspreichend leiernd und eiernd empfinde ich viele Gedichte beim Lesen. Sorry.

    Zu diesem Gedicht. Du findest "bi" völlig deplaciert? Das ist dein gutes Recht. Ich nicht. Für mich ist "bi" Ausdruck maximaler Ambivalenz. Und ambivalent ist mMn auch ein treffender Ausdrruck für das, was ich als Künstler für meine Außen- und Innenwelt empfinde. Natürlich bin ich wie jeder normale Mensch an eigener Stabilität interessiert. Aber künstlerisch fühle ich mich eben der Darstellung von Widersprüchen verpflichtet.

    Und wenn du meinem "bi" TOTAL widersprichst, tust du mir somit einen großen Gefallen. Und hier schließt sich der Kreis. "Banal" bedeutet für mich unstrittig. No Sir! Nichts ist unbestritten. Irgendwie habe ich sogar das Gefühl, dass das scheinbar Verworrene die Wahrheit unserer Welt bestens widerspiegelt.

    @ Miaukuh, danke für dein nettes Feedback. Meiner obigen Antwort kannst du sicher entnehmen, dass mich deine konkreten Wahrnehmungen freuen. Ich habe natürlich verschiedenste Scheibphasen hinter mir. Klang auch schon mal wesentlich romantischer. Aber als von Musik geprägter Mensch beginnt sich mein Stil zu festigen.

    Früher war ich glücklich über gute Pointen. Heute finde ich sie im günstigsten Falle nebenbei. Heute erfreue ich mich vor allem daran, wenn die Form meines Schreibens meiner alltäglichen Unruhe (und Ruhe) entspricht.

    Und Rap - der erobert ja nun Deutschland und ich wundere mich täglich, wie unberührt die hiesigen Gedichte und Autoren an diesem Fakt vorbei gehen. Natürlich würde es mich freuen, könnte ich einige user mehr an einzelne Zeilen fesseln, so wie etwa die geschätzte Okotadia. Aber ich tröste mich mit dem Gedanken, dass meine Zeit noch kommen könnte.Ich bin ja noch so jung.

    lg
    Geändert von Artname (08.03.2019 um 10:43 Uhr)
    Genau so, oder eben ganz anders!

  8. #8
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    Hallo Artname

    nicht schlecht gemacht....nur würde ich " raben jagen ratten in (oder an) der luft" schreiben...da man die Tauben Ratten der Lüfte nennt...weshalb es dann auch Lüfte heißen sollte. Lüfte ist hier nicht das Plural von Luft...sondern das Ausmaß an Luft(gesamtplanetar) - also ein Eigenname.

    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  9. #9
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    @ AndereDimension, dein Einwand gegen meine Ratten der "Luft" ist natürlich überlegenswert!

    Andererseits - warum soll ich diese Redewendung original übernehmen, wenn ihr Sinn auch in meiner Variante so hinreichend klar scheint, dass zum Beispiel du mich (berechtigt) auf die ursprüngliche Formulierung hinweist. Ist die Entwicklung der Kunst nicht die Summe ihrer Fehler?

    Auch frage ich mich gerade, ob du die Formulierung "raben jagen ratten in der Luft" nicht ebenfalls ein klein wenig krtikwürdig gefunden hättest?
    Geändert von Artname (08.03.2019 um 10:37 Uhr)
    Genau so, oder eben ganz anders!

  10. #10
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    Nein, hätte ich nicht kritisiert. Da ist es manchmal eine Hilfe einfach ein paar Wörter gegen andere auszutauschen.

    Raketen jagen Flugzeuge in der Luft

    würde wohl jeder unterschreiben

    Raketen jagen Flugzeuge in den Lüften

    würde wohl jeder anzweifeln

    Raketen der Lüfte

    würde auch jeder anzweifeln

    warum funktioniert das also bei den Ratten...aber nicht bei den Raketen?

    weil auf zwei Ebenen erzählt wird - eine typische Eigenschaft oder mehrere Eigenschaften der Ratten ( sich überall auf der Welt auszubreiten, kaum totzukriegen...) werden durch Lüfte (mit) ausgedrückt. Lüfte steht synonym für den potentiell zur Verfügung stehenden Ausbreitungsraum...im obigen Fall der Gesamtraum.

    Die gute Luft am Meer
    Die schlechte Luft in der Stadt

    wer würde hier von Lüfte reden? Wohl ausser den Germanisten niemand, denn es gibt keine Anwendungsbeispiele aus der alltäglichen Praxis. Wenn, dann im obigen Kontext - und da ist Lüfte eben nicht das Plural von Luft...egal was der Duden da schwafelt.

    Das ist auch ein gutes Beispiel warum Germanisten nur selten auch gute Lyriker sind. Sie orientieren sich am Duden...dem Wikipedia für Lehrer. Im Zweifelsfall stellen sie die Gesetze der Grammatik über semantische, gesamtkontextliche Besonderheiten. Unsere Sprache ist ein sich dynamisch weiter-entwickelndes Gebilde...die Grammatik hingegen im Vergleich eher ein Amboss. Wenn es mal Ver-Änderungen gibt, dann reden wir eher von Ergänzungen...oder eben von einer Gesamtreform...so wie wir sie vor Jahren hatten-die war jedoch mehr den sozialen Veränderungen in unserer Gesellschaft geschuldet...bzw angepasst.

    Die nächste Reform steht bereits an: es kommt das Vollpfostendeutsch, man könnte auch Hastagdeutsch sagen - dank grüner und linker Initiativen. Wobei die Pädagogen selbst eher dagegen sind. Da gibt es bei den Grüne durchaus parteinterne Gefechte.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  11. #11
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    hey AndereDimension,

    Zitat Zitat von AndereDimension Beitrag anzeigen
    Das ist auch ein gutes Beispiel warum Germanisten nur selten auch gute Lyriker sind. Sie orientieren sich am Duden...dem Wikipedia für Lehrer. Im Zweifelsfall stellen sie die Gesetze der Grammatik über semantische, gesamtkontextliche Besonderheiten. Unsere Sprache ist ein sich dynamisch weiter-entwickelndes Gebilde...die Grammatik hingegen im Vergleich eher ein Amboss. Wenn es mal Ver-Änderungen gibt, dann reden wir eher von Ergänzungen...oder eben von einer Gesamtreform...so wie wir sie vor Jahren hatten-die war jedoch mehr den sozialen Veränderungen in unserer Gesellschaft geschuldet...bzw angepasst.
    Das hast du sehr gut gesagt. Ich sehe das genauso. Sprache ist dynamisch und Poesie gehört zur Kunst und die braucht auch nicht dem Duden blind hörig sein.

    Liebe Grüße

  12. #12
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    @AD und @Miaukuh : da will ich gern der Dritte in Eurem Bunde sein. Ich habe recht spät bemerkt, dass Poesie sich von (scharf beobachteter) Uneindeutigkeit ernährt. Während der Duden versucht, mit der Keule eindeutig zu definieren. Schon der Umgang mit Definitionen schaltet mMn im Gehirn Regionen und Knotenpunkte ab, die mir fürs konstruktive Dichten und Denken unerlässlich erscheinen. Regionen, die für den Umgang mit ambivalenten Erscheinungen verantwortlich sind.

    Deshalb betrachte ich auch die Thema mit den Ratten der Lüfte hinreichend erörtert. Wer Tauben darin erkennen mag, könnte vielleicht erahnen, dass ich einen (erstaunlichen) Luftkampf zwischen Raben und Tauben beobachtete. Dieser Kampf warf wieder einmal Vorstellungen über den Haufen, die ich für gesichert hielt.

    Ich schrieb in in einem anderen Zusammenhang, dass ich Pointen nur noch beiläufig finde. Ich hielt Raben und Tauben nicht für "Feinde". Der Luftkampf sagte irgendetwas anderes. Und das meine ich mit "bi"... zwischen den (definierten" Polen). Ohne es zu begreifen, fand das Bild mühelos einen Zugang in meinen Text. Fur mich sogar fast wie eine Pointe...
    Geändert von Artname (08.03.2019 um 14:39 Uhr)
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