Thema: AlpZeit

  1. #1
    Registriert seit
    Jan 2004
    Beiträge
    466
    AlpZeit

    Der Atem hat den Schleier weggebrannt
    die Reste hebt sie mit der dürren Hand
    zur Seite und rafft ihr zerfetztes Kleid.
    Sie sagt “So schnell vergeht die Zeit“
    dann zerrt sie mich zum Tanz.

    Musik in Moll mit Dissonanz.
    Die Fingernägel krallen durch die Haut
    Und die Musik ist grell und grässlich laut.
    Von vielen Gaffern bin ich hier umringt
    So eng, dass keine Flucht gelingt.

    Ein grinsend zahnlos Sabbermund,
    Tränensackaugen, triefen gelb und rund,
    die fixieren, fragend mich anblicken.
    Sie atmet eine Wolke zum ersticken.
    Sie schmiegt sich enger an.

    Was hab ich bloß getan?
    Mein Gott wer ist nur diese Frau,
    Mit Haarenfransen struppig grau?
    Griff lockert sich, die Lähmung weicht.
    Ein neues Opfer das ihr Blick erreicht.

    Sie schieben ihn, ich hör ihn ängstlich schreien
    Ich bin jetzt frei, atme auf und schließe ihr Reihen.
    Kein leises Wimmern hilft dir, siehe da du tanzt!
    Vorige stehn außen drum, das du nicht fliehen kannst.
    „Wer bist du?“ ist Frage, die er Schreit.

    „Ich bin verstoßene Liebe, geschändet durch die Zeit.“
    Der Wecker ist für mich die Tür, ich renne aus dem Saal.
    Und weiß genau, so viel trink ich am Abend nicht noch mal.
    Duschend spül den Angstschweiß ab, ich fühl mich wieder gut.
    Doch dann im Spiegel seh ich Wunden, an der Schulter Blut.



    Wäre gut, wenn ich nicht ignoriert würde.

    Krähe

  2. #2
    Registriert seit
    Oct 2003
    Ort
    Hamm
    Beiträge
    2.809
    Hallo
    keine Angst, so ein Gedicht kann man nicht ignorieren!
    Super gemacht, erinnert mich entfernt an ein Gedicht mit dem Raben "Nimmermehr", Asche auf mein Haupt ich hab den Dichter vergessen.
    Auf Metrik hast du wie es scheint keinen Wert gelegt. Stellenweise holpern im Lesefluss, besonders die Tränensackaugen verleiten zum Stolpern. "Und weiß genau, so viel trink ich am Abend nicht noch mal" irgentwie passt dieser Satz nicht, er hebt sich inhaltlich negativ ab.
    Gelungen ist: Das Reimschema, sehr erfrischend und gut umgesetzt. Die Beschreibungen sehr bildlich, schön zu lesen. Das Ende einfach nur genial, ich hatte erwartet, dass die Frau die Zeit wäre, sehr gute Wendung weg vom Althergebrachten. Und die behaltenen Narben nach dem Traum runden das Ganze noch ab, es gefällt einfach sehr gut.
    Tu was du willst, das ist das ganze Gesetz - Aleister Crowley

  3. #3
    Registriert seit
    Jan 2004
    Beiträge
    466
    Ich muß auch zugeben, daß mein erster Titel "Zeit"! war. Ausserdem liebe ich eigentlich keine langen Zeilen. War also eher Neuland für mich. Und das "Und weiß genau, soviel trink ich am Abend nicht nochmal."Sollte eigentlich den Unsinn etwas glätten. "Tränensackaugen" kann man wirklich nur in langen Zeilen unterbringen. Wenn mir was besseres eingefallen wäre, hätte ich was aussprechbares geschrieben.
    Kannst du dir bitte auch mal die "Phönixkinder" antun?

    Danke
    Krähe

  4. #4
    Registriert seit
    Oct 2003
    Ort
    Hamm
    Beiträge
    2.809
    Aber nur weil du´s bist
    Tu was du willst, das ist das ganze Gesetz - Aleister Crowley

  5. #5
    Registriert seit
    Jan 2004
    Beiträge
    466

    Änderungen

    Hallo Daemon_Wolf
    Nochmal Danke.
    Hab einen Tag zu Nachdenken gehabt und einige Stellen geglättet. Wichtig wäre mir, ob ich die letzte Strophe nicht doch lieber weglassen sollte?

    Krähe

  6. #6
    Registriert seit
    Jan 2004
    Beiträge
    466

    Unhappy

    Sorry hab "einfügen" vergessen, ist mir peinlich.

    AlpZeit

    Der Atem hat den Schleier weggebrannt
    die Reste hebt sie mit der dürren Hand
    zur Seite und rafft ihr zerfetztes Kleid.
    Sie sagt zu mir “So schnell vergeht die Zeit“
    dann zerren ihre Hände mich zum Tanz.

    Musik ertönt in Moll mit Dissonanz.
    Die Fingernägel dringen durch die Haut
    und die Musik ist grell und grässlich laut.
    Von vielen Gaffern bin ich hier umringt
    umzingelt, so dass keine Flucht gelingt.

    Ein grinsend zahnlos schlaffer Sabbermund,
    und Schlangenaugen, triefend gelb und rund,
    fixieren mich, mit starren, bösen Blick.
    Ihr Atem streift mich, dass ich fast erstick'.
    Sie schmiegt sich plötzlich enger an mich an.

    Was soll das hier, was hab ich bloß getan?
    Zum Teufel, wer ist denn nur diese Frau,
    verfault die Zähne, Haare struppig grau?
    Die Krallen lockern sich, die Lähmung weicht.
    Ein neues Opfer, das ihr Blick erreicht.

    Sie schieben ihn, ich hör ihn ängstlich schrein.
    Ich bin jetzt frei und schließe ihre Reihn.
    Kein Wimmern hilft dir, siehe da du tanzt!
    Wir umzingeln dich, das du nicht fliehen kannst.
    „Wer bist du?“ ist Frage, die er schreit.

    „Ich bin verstoßene Liebe, geschändet durch die Zeit.
    Gezeugt von dir, bin ich geboren durch fremde Qual“
    Der Wecker ist für mich die Tür, ich renne aus dem Saal.
    Dusche spült den Angstschweiß ab, fühl mich fast wieder gut.
    Doch dann im Spiegel seh ich Wunden, an den Schultern Blut.

    [Geändert durch krähe am 03-08-2004 um 19:14]
    Geändert von krähe (23.08.2006 um 20:26 Uhr)

  7. #7
    Registriert seit
    Oct 2003
    Ort
    Hamm
    Beiträge
    2.809
    Meine persönliche Meinung ist, dass der letzte (neue) Vers nicht so überragend ist. Ich empfinde ihn eher als störend, besonders weil er ein vollkommen anderes Tempo hat als der Rest des Gedichts. Ich würde mir das an deiner Stelle nochmal überlegen. Du kannst mit diesem Vers zwar gut Angst ausdrücken, besonders durch das hohe Tempo, aber er sollte sofort nach dem Erwachen stehen, und vor dem Entdecken der Narben, aber selbst da würde er eher negativ auffallen.
    Tu was du willst, das ist das ganze Gesetz - Aleister Crowley

  8. #8
    Registriert seit
    Jul 2003
    Beiträge
    31
    hallo,

    insgesamt ist es ein gutes gedicht, wie bereits bemerkt wurde.
    auf die metrik sollte geachtet werden, sofern es nicht anders beabsichtigt wird.
    von inhaltlichen änderungsvorschlägen nehme ich abstand, das sonst der kontext des gedichtes womöglich geändert wird, auch wenn es aus der sicht der leser vielleicht vorschläge gäbe.
    mach weiter so, das ist ein gutes gedicht und ich freu mich auf mehr von dir


  9. #9
    Registriert seit
    Dec 2003
    Beiträge
    478
    Schöne,wahre, unendliche Geschichte,- meist Alkoholverknüpft-.
    Gefällt mir sehr gut. Allerdings find ich zwei Zeilen nicht dem Ausdruck der anderen Sätze gewachsen und zwar:
    "Vorige stehen außen drum" .mein Empfinden sagt mir daß `Vorige`nach etwas stärkerem als `drum`verlangt.
    "Duschend spül den Angstschweiß ab, fühl mich fast wieder gut..."
    Ist auch kein so guter Ausdruck, wenn es duschen sein soll dann personifiziere es doch und sag Dusche spült den Angstschweiß ab. Klarer fände ich allerdings einfach nur "Wasser ... dann weis auch jeder das du duschst
    ARTOFVOICE says NeveroddoreveN

    ich werde JAPANI(S)CH

  10. #10
    Registriert seit
    Jan 2004
    Beiträge
    466
    Hallo Markus,

    Hast recht, "duschend" ist ungebräuchlich und klingt deshalb nicht so gut. Lässt sich jetzt auch besser lesen. Und die "Vorigen" stehen nicht mehr drum. Danke für die Tipps.

    Krähe

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden