Wortethik

Ein Wort ist wie ein Weltsignal,
Dem auch die Emotionen folgen.
Nimmt man ein Wort für sich total,
Drohen mitunter schlimme Folgen.

Aufladung ist nicht Wissenschaft,
Sondern klamaukisch-wilde Wiese,
Wo sich die Reputationen schafft
Der Erbsenzähler im Verliese.

Wörter sind schon ein großer Schatz,
Erst im Verstehen zu erahnen,
Wenn nicht mit blindwütiger Hatz
Die Kannibalen uns verdammen.

Sprache kennt unendliche Wege,
Dem Geist und Leben gern gezollt,
Verlässt's Heuschreckgehege,
Weil das Verstehen dort gewollt.

Keiner darf ja den Herrgott spielen,
Nur weil er kritikastern will.
In Worte muss man sich einfühlen,
Erst dann wächst unser Wertgefühl.

Natürlich gibt’s auch solche Worte,
Die wir als Hassgebrauch verdammen,
Denn sie sind stets von übler Sorte,
Weil sie oft von Shitstormern stammen.

Wir müssen feinfühliger reden,
Sprache als Würdequell' begreifen.
Erst dann verlassen wir die Fehden
Und können edelmütig reifen.


©Hans Hartmut Karg
2019

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