Thema: Stilles Leben

  1. #1
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    Stilles Leben

    In der Stille des Lebens,
    in vermodernden Zimmern,
    nur von Büchern umgeben,
    die an Wissen erinnern,
    um den Globus der Welt
    nur mit Fingern gereist,
    im Gefühl was gefällt,
    ist er geistig bereit,
    für die Suche nach Wissen,
    das den Büchern bekannt,
    er wird selten vermissen,
    denn es sagt der Verstand:

    Wenn du findest, was fehlt,
    in den Ländern der Zeit,
    machst du, was dir gefällt,
    bist zu schreiben bereit,
    über Tiere und Menschen,
    und manch fröhliches Leben,
    wie sich Krieger bekämpfen,
    und am Ende ergeben,
    wie die Sonnen entstehen,
    und wie Gottheiten denken,
    doch du musst erst verstehen,
    mir Gedanken zu schenken.

    Lightning

    ---------------

    Jepp.. mein Gedicht zum Forenwettbewerb Januar/Februrar 2019, falls es noch jemand kommentieren möchte.
    Hier findet ihr das Bild zum Thema: Klick mich!
    Geändert von Lightning (05.03.2019 um 07:26 Uhr)
    Des langen Tages Arbeitslohn
    ist die Nacht - ich schlafe schon.

  2. #2
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    Hallo Lightning,

    lass Dir herzlich zum dritten Platz im Wettbewerb gratulieren! Ich muss sagen, das ist eine reife Leistung für jemanden, der gerade mal zwei Monate im Forum ist und vorher über null Metrikkenntnisse verfügte. Durchgehend anapästische Verse bekommen wir hier nicht häufig zu lesen, und ich finde, die hast Du gut hingekriegt, was sich ja auch in der Bewertung niederschlägt.

    Ich glaube, die zweite Strophe käme auch gut ohne Anführungszeichen aus, weil hier ja (wie am Ende von S1 angekündigt) ohne Unterbrechung der Verstand redet. Was hieltest Du ersatzweise für "Wenn gefunden, was fehlt" von:


    Wenn du findest, was fehlt,

    ? In S2 gleich mit der Du-Ansprache zu beginnen, würde mir besser gefallen. In S2V4 müsste m.E. entweder "schreiben" kleingeschrieben oder "zu" durch "zum" ersetzt werden (zu schreiben, aber: zum Schreiben)? Das ist aber auch schon alles, was ich zu meckern finde. Bravo, Du hast Dich wacker geschlagen!

    LG Claudi
    com zeit - com .com

  3. #3
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    Hallo Lightning

    sehe ich auch so - in der Kürze der Zeit eine reife Leistung. Ein fast philosophischer Text...hättest Du darauf verzichtet ihn zu personalisieren.

    In der Stille des Lebens,
    in vermodernden Zimmern,
    nur von Büchern umgeben,
    die an Wissen erinnern,
    um den Globus der Welt
    nur mit Fingern gereist,
    im Gefühl was gefällt,
    ist er geistig bereit,
    für die Suche nach Wissen,
    dass den Büchern bekannt,
    er wird selten vermissen,
    denn es sagt der Verstand:
    "Wenn gefunden, was fehlt,
    in den Ländern der Zeit,
    machst du, was dir gefällt,
    bist zu Schreiben bereit,
    über Tiere und Menschen,
    und manch fröhliches Leben,
    wie sich Krieger bekämpfen,
    und am Ende ergeben,
    wie die Sonnen entstehen,
    und wie Gottheiten denken,
    doch du musst erst verstehen,
    mir Gedanken zu schenken."

    Was die Erzählperspektive angeht...da bist Du noch in der Findungsphase...bist Du noch nicht ganz sattelfest.

    Mal ein Beispiel:

    im Gefühl was gefällt,
    ist er geistig bereit,
    für die Suche nach Wissen
    im Gefühl was gefällt,
    und im Geiste bereit,
    auf der Suche nach Wissen


    ich denke das reicht aus...um dir zu verdeutlichen...


    Ansonsten gute Arbeit

    vielleicht noch:

    "Wenn gefunden, was fehlt
    (sprachlich)kein schöner Auftakt, aber auch inhaltlich grenzwertig...denn eigentlich sollte es "fehlte" heißen. Unsere Sprache lässt zwar beides zu (falls der Fund noch nicht überführt wurde...)...aber man kann solchen Dingen auch aus dem Wege gehen.


    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  4. #4
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    Grüß dich Lightning,

    hier "das" statt "dass"

    dass den Büchern bekannt
    und hier entweder "zum Schreiben" oder "zu schreiben"

    bist zu Schreiben bereit
    lG

    mp

  5. #5
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    Hallo Zusammen!

    Vielen Dank, für die Kommentare.. und sry, für die Rechtschreibfehler. Werde diese gleich beseitigen.

    Claudis Vorschlag werde ich auch direkt übernehmen.. wenn schon 2 Leute die gleiche Zeile ansprechen.
    Mit dieser Zeile war ich selbst nicht zufrieden, und die Änderung gefällt mir ganz gut.

    Und ja @A.D. .. das hast du wieder sehr gut erkannt. Ich war wirklich etwas unsicher, bezüglich der Erzählperspektive. Der Text war mal in Ich-Form geschrieben.. dann wieder in "du".. danach auch ohne persönliche Ansprache. Letztendlich bin ich durch das Betrachten des Bildes in diese Form gerutscht, weil ich mir jemanden vorgestellt hatte, der dort am Schreibtisch sitzt.. also "er" sitzt da. Dass der Verstand ihn mit "du" anspricht, war die logische Konsequenz daraus.

    Ohne persönliche Ansprache hätten mir die Zeilen vielleicht auch besser gefallen, aber ja.. irgendwann war ich damit zufrieden, dass alle Verse in Anapäst geschrieben waren, und Sinn ergaben ^^ Was das Umschreiben angeht.. fehlt mir wohl noch etwas Übung.

    Beste Grüße,
    Lightning
    Geändert von Lightning (03.03.2019 um 19:51 Uhr)
    Des langen Tages Arbeitslohn
    ist die Nacht - ich schlafe schon.

  6. #6
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    Hallo Lightning

    es geht gar nicht so sehr darum ob mit oder ohne Personalisierung...sondern viel mehr um eine gewisse Stringenz und Konsequenz...hat man sich für das eine oder für das andere entschieden.

    Im obigen Fall heißt das, dass das "mir" aus dem Nichts kommt

    doch du musst erst verstehen,
    mir Gedanken zu schenken
    doch es gilt zu verstehen
    die Gedanken zu schenken


    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  7. #7
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    Hallo zusammen,

    dass der personifizierte Verstand, wenn er spricht, die Ich-Form verwendet, finde ich konsequent. Nur die Gedanken müsste man wahrscheinlich als seine Geschenke an den Menschen (und nicht umgekehrt) betrachten. Wie wäre es mit

    mir Beachtung zu schenken?

    LG Claudi
    com zeit - com .com

  8. #8
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    Hallo Lightning,

    ""Herzlichen Glückwunsch", Dein Gedicht gefällt mir auch gut, schade nur, dass das Stilleben, welches Dich inspirierte, nicht mehr betrachtet werden kann.
    Beste Grüße
    lautmaler
    Hab das Bild gefunden.
    Geändert von lautmaler (04.03.2019 um 21:46 Uhr) Grund: Fundsache

  9. #9
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    Hallo nochmal!

    Vielen Dank @lautmaler. Eigentlich sollte der Link zum Bild funktionieren.

    es geht gar nicht so sehr darum ob mit oder ohne Personalisierung...sondern viel mehr um eine gewisse Stringenz und Konsequenz...hat man sich für das eine oder für das andere entschieden.

    Im obigen Fall heißt das, dass das "mir" aus dem Nichts kommt
    Das sehe ich, wie Claudi @A.D.. Der Verstand spricht ja zu dem "Besitzer" des Verstandes. Er soll ihm Gedanken schenken. Das "mir" sollte also korrekt sein. Wenn, dann sollte ich wohl eher in S1 den letzten Vers ändern, damit es noch deutlicher wird. "denn es sagt der Verstand:" .. zu "denn ihm sagt sein Verstand".. oder "ihm sagt der Verstand". Allerdings fand ich das beim Lesen nicht so schön. Hatte das schon zig mal geändert, aber am Ende wieder so geschrieben. Gleiches gilt für "und im Geiste bereit", deines vorherigen Vorschlags. Hatte das ja auch hier schon zu deiner Variante geändert.. und jetzt doch wieder die alte Version genommen. Den Vers hatte ich auch zig mal verändert.

    Nur die Gedanken müsste man wahrscheinlich als seine Geschenke an den Menschen (und nicht umgekehrt) betrachten.
    Jain. Ich mag es "leider", wenn etwas leicht verdreht ist, und zum Denken anregt. Manchmal mag ich es sogar leicht grammatikalisch inkorrekt, wenn die Logik dahinter trotzdem erkennbar ist. Man könnte schon sagen, dass der Verstand uns Gedanken schenkt, aber der Verstand würde bestimmte Gedanken vielleicht gar nicht kennen, wenn er nicht vorher mit Wissen gefüttert wird. Im Prinzip sagt der Verstand, dass der "er" aus S1 ihn mit Wissen füttern soll, damit überhaupt Gedanken über dieses Wissen entwickelt werden können. Somit schenkt "er" dem Verstand über das Erlernte die Gedanken. Wenn das geschehen ist, kann der Verstand natürlich verschiedenste Formen des Erlernten zurückgeben.
    Wie wäre es mit "mir Beachtung zu schenken"?
    Das würde für mich teilweise den Denkfaktor eliminieren, und sich für mein Empfinden auch nicht so schön lesen lassen. Liegt vielleicht an den "Gottheiten", die drüber stehen, und auch mit "G" beginnen. "Beachtung" würde für mich gefühlt aus der Reihe tanzen, wenn man die letzten Zeilen etwas zügiger liest.

    Auch, wenn ich diesmal keinen Änderungsbedarf sehe, bedanke ich mich natürlich für eure Kritik

    LG, Lightning
    Geändert von Lightning (05.03.2019 um 08:31 Uhr)
    Des langen Tages Arbeitslohn
    ist die Nacht - ich schlafe schon.

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