Hallo,
ob das überhaupt jemanden im Forum interessiert, weiß ich nicht. Ich fand es spannend, weil es zeigt, dass auch die ganz Großen der Dichtkunst das Lernen und Verbessern nie aufgegeben haben. Und ich sehe auch, dass ich mich leider oft in der jüngeren Variante wiederfinde, wenn ich glaubte, ein Gedicht schon fertig geschrieben zu haben.

Vor einiger Zeit fand ich Goethes "Willkommen und Abschied" in 2 Fassungen gegenübergestellt. Hier nur einige Vers-Beispiele daraus:

Geschrieben im Alter von 22 Jahren:---Neu geschrieben 21 Jahre später:

Wie ein getürmter Riese, da,------------Ein aufgetürmter Riese, da,
Doch tausendfacher war mein Mut,-----Doch frisch und fröhlich war mein Mut,
Mein Geist war ein verzehrend Feuer,---In meinen Adern welches Feuer,
Mein ganzes Herz zerfloss in Glut.-------In meinem Herzen welche Glut.
Ich sah dich, und die milde Freude------Dich sah ich, und die milde Freude
Lag auf dem lieblichen Gesicht-----------Umgab das liebliche Gesicht

In der 4 Strophe hat er fast jeden Vers ähnlich geändert und sogar das lyrische Ich durch ein lyrisches Du ausgetauscht.
Was mir dabei auffällt, er wird immer kompakter, dichter und lebendiger in seiner späteren Fassung.
Gruß manehans