1. #1
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    Nächtliche Begegnung


    Nächtliche Begegnung



    Netzhäute empfangen
    Signale des Einverstehens.
    Pupillen senden Schwingungen
    betörender Süße.
    Finger schweifen über Schläfen,
    zeichnen den Schwung
    von Augenbrauen nach,
    begleiten weich und sanft
    Linien und Lebensfalten,
    glätten Vertieftes mit dem Balsam
    heilender Zartheit.
    Behütete Geschichten lösen sich innen.
    Wie in Trance öffnen sich
    allmählich ihre Lippen.

    Bei mir, außer mir. Irgendwie
    tauche ich ein in den Spiegel
    ihrer Seele, entdecke
    ein fröhliches Kind beim Spielen.
    Wir dehnen den Wimpernschlag
    des Augenblicks bis zum Stillstand,
    lassen uns treiben in einem Meer
    schier nicht endender Hingabe,
    bis gegen Sechs Weckerimpulse
    vor den Klippen des Alltags warnen.
    Lächelnd hangeln wir uns hoch
    und betreten taghelles Land.

  2. #2
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    Netzhäute empfangen
    Signale des Einverstehens.
    Pupillen senden Schwingungen
    betörender Süße.

    Hallo
    Der Jazzpianist ist stets in Versuchung,
    ein Schwatzer zu werden,
    er interpretiert für sich das
    "show, don't tell"
    um in ein
    "show as well as tell".
    So gibt es einen eher emotionslosen groove
    wie wenn Spatzen einen Busch besetzen
    von dessen Zweigen aus man
    das Futter sehen kann.
    Naja, für die Spatzen sind da
    massig Emotionen drin.
    Aber für mich als Leser wirkt es
    wie das Klappern von Pianotasten.
    Gib mir Korn, Mann!

    LGKP

  3. #3
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    Hallo Carolus

    die Sechs und der Wecker wirken ernüchternd - das eine so konkret...das andere so weltlich. Allerdings; die Ernüchterung passt zur Geschichte. Ein poetischer Text...der mir sehr gefällt.

    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  4. #4
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    Hallo Kaspar,

    "Gib mir Korn, Mann" Beim Blues auf jeden Fall, wenn kein Whiskey vorhanden, nicht hingegen beim "emotionslosen Groove" den es eigentlich nicht geben kann, denn unter "Groove" verstehe das emotionale, lustvolle Zusammenspielen unter Musikern, eine besonders intensive Form musikalischer Interaktion, die in einem alle überzeugenden "Flow" mündet.

    Über ein bestimmtes Thema kann man sehr unterschiedlich improvisieren. Neben diversen technischen Improvisationsmöglichkeiten (z. B. das Thema bzw. die Melodie zu umspielen, auch pentatonisch, variable Arpeggien, zentriert auf jeweilige Akkordfolgen, benutzen u.a.m.) muss in Übereinstimmung mit der technischen Wiedergabe auch die "emotionale Temperatur", wie Kühle (coolness), intellektuelle Distanz oder seelische Nähe (soul) passen, kurz: entscheidend ist die innere Einstellung zu Thema und Inhalt. Für "Nächtliche Begegnung" habe ich eine eher beobachtende und zurückhaltende Improvisation gewählt.
    Immerhin "für die Spatzen sind da massig Emotionen drin".

    Herzlichen Gruß
    Carolus

  5. #5
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    hallo carolus
    es scheint, als würden wir uns weitgehend verstehen.
    ein bisschen mehr feuer erwarte ich allerdings von dir auch bei solchen "coolen" (?) themen.
    herzlichen gruss
    kp

  6. #6
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    Hallo Kaspar,

    fühle mich positiv durchschaut und recht gut verstanden!
    Ich denke, "ein bisschen mehr Feuer" kann ich demnächst wieder liefern mit neuem "Feuerzeug".
    Lieben Gruß
    Carolus

  7. #7
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    Hallo Carolus,

    da sind schon ein paar Stellen über die wir diskutieren könnten, die entsprechen aber meinem Gefallen oder Nichtgefallen und gerade eben hat mich ein Mod belehrt, ich müsse mE oder mMn anbringen, damit seis dann meine Meinung und kein Mobbing. Also, hinter mir steht nicht die Mehrheit aller Gut- und Gerechtdenkenden und mehr als meine Meinung vertrete ich nicht.

    Worte wie Pupillen und Netzhäute sind mir zu technisch, da würde ich mir wünschen, du würdest was anderes setzen. (Dass ich da dann wieder was auszusetzen hätte, kann natürlich sein.)

    zeichnen Augenbrauen
    begleiten Linien und Lebensfalten
    glätten

    wäre zum Beispiel was, das mir genügen würde.

    Richtig gut gefallen hat mir die Passage mit dem Wecker. Aber auch die könnte so lauten für mich:

    bis gegen Sechs der Wecker
    vor Alltagsscheppern vorwarnt.

    lG

    mp

  8. #8
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    Hallo MimusPolyglotos,

    herzlichen Dank für deine Mühe mit meinem Text.

    Du meinst: "Worte wie Pupillen und Netzhäute sind mir zu technisch."
    Ich frage: "Ist Lyrik ein abgegrenztes, harmonisches Wortarsenal, in welchem technische Ausdrücke keinen Platz haben dürfen?
    Durch solche Wörter kommt häufig eine neue Wirklichkeitsfacette mit ins lyrische Spiel. Außerdem werden Empfänger der Signale ("Netzhäute") sowie Sender ("Pupillen") konkret benannt und verdeutlichen die jeweilige Intention.

    Für den Schluss schlägst du vor: "bis gegen Sechs der Wecker
    vor Alltagsscheppern vorwarnt.
    "
    Diese Formulierung passt m. E nicht zum Bild des Meeres, den Klippen an der Küste, wo sich die Liebenden hoch "hangeln" in das taghelle Alltagsland.

    Freundlichen Gruß
    Carolus

  9. #9
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    Hallo Carolus,

    klar darf Technik/dürfen Technikbegriffe in Gedichten sein, Ich empfinde nur nach wie vor ein Ungleichgewicht zwischen einem fast barocken Ausdruck wie "betörende Süße" gekoppelt an z.B. Pupillen senden Schwingungen. Das ist vergleichsweise fast schon Physik, auch wenn Pupillen keine Schwingungen erzeugen oder aussenden.

    Dein Bild des Meers habe ich so nicht aufgenommen. Es war und ist für mich eine Traumsequenz, und Träume enden nunmal am Ende der Nacht, der Alltag, das Scheppern des Alltags zerstört sie. Der Wecker warnt davor.

    lG

    mp

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