Thema: Luder

  1. #1
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    Luder

    Schau hin! Es ist das Letzte, was du heute siehst
    vom Dachs, der früher Herr war, manchen Jäger narrte;
    nun offen Fleisch, Gedärm und Saft, in dem du liest,
    das Kleid verwaschen - im Zerfall - auf grauer Schwarte.

    Der Aufbruch lockt und sein bevorzugtes Bukett,
    es lockt den Fuchs, der heimlich seine Kinder zieht,
    er stutzt und äugt in das betörende Entree
    hinein, doch dort - nur rabenschwarze Raben sieht.

    Ein Satz - Geknurr - Gebell ruft seine Füchsin her.
    Die Schwarzen flattern, stieben, krächzendes Empören;
    verharren nah. Der Balg ist frei, der Rest nicht schwer,
    und Stille jetzt. Nur leises Schmatzen ist zu hören.
    Solange Glut ist, kann auch Feuer sein...
    Eva Strittmatter

  2. #2
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    Gruß,

    Hallo Ferdi
    ja, eine reine Naturbeobachtung soll es sein. Das Verständnis wird vielleicht durch Worte aus der Sprache der Jäger ein wenig erschwert.
    Und du hast allerlei gefunden, was es zu überdenken gilt.
    In V8 hätte ich statt "doch dort" lieber "wo er" oder anderes den Satzbau begradigendes;
    Dein Vorschlag wäre mir aus 2 Gründen auch nicht perfekt. Einmal schafft "doch dort" nach meinem Empfinden einen stärkeren inhaltlichen Kontrast, die Erwartungshaltung, angelockt durch den "Duft", wird ja zunächst durch die Krähen enttäuscht. Zum anderen ist in meinen Ohren "dort" als jambische Hebung prägnanter als "er". Und die Zäsur verstärkt das "stutzt"?

    "Rabenschwarze Raben" ist etwas "tonfremd" bezogen auf den Gesamttext?!
    Das empfinde ich nicht so deutlich wie du. Die tönenende Häufung der "a`s" hatte ich als Überleitung in die Lautmalerei der Verse S3 V1+2 gedacht.
    Alternativ: "- nur schwarze/freche Rabenkrähen sieht"? Etwas zu blass, oder?

    V6 statt "es lockt" könnte ich mir "zieht an" vorstellen oder eben "lockt an". Nichts entscheidendes, aber für meinen Eindruck geht hier etwas Wirkung verloren.
    Das zweimalige lockt hatte mich bisher nicht gestört. Warum stört es dich? Inhaltlicher Wirkungsverlust? Und das "zieht" ist der Welpenaufzucht vorbehalten und "lockt an" bekomme ich nicht jambisch eingebaut, obgleich es einzelstehend jambisch gelesen wird.

    V5 Das "sein" sollte sauberer bezogen sein.
    Es bezieht sich eigentlich auf den aufgebrochen Dachs. Durch das adjektivische "bevorzugt" kann es allerdings auch auf den Fuchs bezogen werden. Um die Unschärfe zu beheben, könnte man so schreiben?:

    Der Aufbruch lockt und sein betörendes Bukett,
    es lockt den Fuchs, der heimlich seine Kinder zieht,
    er stutzt und äugt in das verlockende Bukett

    Zunächst einmal Danke für die kritischen Hinweise.
    Gruß manehans
    Solange Glut ist, kann auch Feuer sein...
    Eva Strittmatter

  3. #3
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    Grüß dich, Manehans,

    mit derartigen Versen hatte ich bisher nicht viel zu tun, aber vielleicht reizt es dich ja, nach der Meinung des Fachmanns die des Laien zu hören. Von der Struktur her beginnen die Zeilen alle unbetont, haben sechs Hebungen und enden alternierend einmal betont, einmal unbetont. Das Ganze dann noch im Kreuzreim.

    Da du von Jägersprache gesprochen hast, bedeutet Aufbruch wohl nicht Begin, sondern den geöffneten Kadaver? Ach und bevor ichs vergesse, falls ich Vorschläge mache, die nichts taugen, nicht ärgern bitte, sind nur Fragen.

    Die erste Zeile liest sich flüssig für mich, nimmt mich mit, wobei sich die Frage aufdrängt, wer mit dem Imperativ gemeint ist?

    vom Dachs, der früher Herr war, manchen Jäger narrte
    In dieser Zeile irritiert mich der Relativsatz, ich glaube es kann auch an den beiden "h" in früher und Herr liegen.

    mir eingängiger wäre "....der, als er Herr war,.....

    nun offen Fleisch, Gedärm und Saft, in dem du liest
    Ist das ebenfalls Jägersprech, "im Saft zu lesen"
    wäre da auch denkbar, nun siehst du Saft, Gedärm und Fleisch, in dem du liest?

    das Kleid verwaschen - im Zerfall - auf grauer Schwarte
    Meinst du damit, dass unter dem zerschlissenen Fell eine Speckschicht sichtbar ist? Ich kenne Schwarte i.S. von Haut, da lese / las ich "Kleid" und "Schwarte" erst synonym.

    Die vorgeschlagene Umwandlung von bevorzugt zu betörend finde ich besser im Sinn von deutlicher zu verstehen. Das doppelte lockt ist schon schade. Kann der Fuchs verführt sein? ...../ verführt den Fuchs?

    Das mit dem Kinder "zieht" klingt in meinen Ohren falsch. Schleift der Fuchs die Jungen oder (er)zieht er sie. Aber wenn das der Fachbegriff ist, wie du sagst, wird's schon stimmen.

    Ferdis Vorschlag mit "wo er" anstatt "doch dort" finde ich gut. Der Satz kommt sonst zu verdreht rüber, auch wenn er prinzipiell stimmt.
    es lockt den Fuchs, der.......
    ...............
    ................
    .....- nur rabenschwarze Raben sieht.
    Dein "der Fuchs" ist halt nur sehr weit weg im Satzgefüge.
    Die Schwarzen flattern, stieben, krächzendes Empöre
    Die Stelle kann ich sehen und hören, großes Kino. "Yeats t" ein wenig, (tanzt Schatten aufgebrachter Wüstenvögel)

    Nur leises Schmatzen ist zu hören
    Und das war / ist herrlich.

    Der Text fremdelt schon, ich bins eher nicht gewohnt, aufgebrochene Tierkadaver zu sehen und die Verse sind nicht immer rund für mich, s.o.

    Trotzdem gern gelesen

    lg

    mp

  4. #4
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    Hallo,
    @Ferdi, ja jetzt ist es klar. Sorry, vielleicht lag es auch an meiner Begriffsstutzigkeit. Ich werde es gegenüberstellen und noch ein wenig nachdenken. Danke!

    @MimusPolyglotos
    nun, du zeigst dich interessiert, hast dir Mühe gemacht und ein Laie bist du auch nicht; und ich bin eher Kunsthandwerker denn Künstler. Die mit dem wahren Genius gibt es eher selten. Und warum sollte ich deine Einlassungen ignorieren?

    Ja, es ist ein 6 füßiger Jambus, wobei nach einer Zäsur auch ein Trochäus entstehen kann, was dem Rhythmus aber keinen Abbruch tut.

    Jägersprache:
    Aufbruch = aufgebrochener Kadaver
    lesen = inspizieren; bezieht sich auf alle Details; die Reihenfolge ist Geschmacksache. Deine ginge auch, gefällt mir aber nicht so gut, weil sie nicht der zeitlichen Abfolge eines Aufbruchs entspricht.
    Kleid = Behaarung
    Schwarte = Haut
    heimlich ziehen = im Verborgenen den Nachwuchs aufziehen

    Die übrigen Sachen wurden schon mit Ferdi erörtert.

    Vielleicht noch zum Imperativ in V1: Leser oder Mitbeobachter.

    Gruß manehans
    Solange Glut ist, kann auch Feuer sein...
    Eva Strittmatter

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