1. #1
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    Litanei in langem Leistenvers

    Höre mich, Aphrodite, Göttin der Liebe,
    ich verzehre mich wie die Kerze, die
    mit lodernder Flamme das eigene Leben
    Maß um Maß verkürzt.
    Erhöre, Du liebliche Liebende und
    lass mich vergebens nicht flehen und
    hab Erbarmen, leih mir deinen Gürtel,
    ohne den ich Gegenliebe nicht finde.
    Cypris Aphrodite, Gattin des Schmiedes
    Hephaistos, du weißt um die Freuden und
    jede Leiden der Liebe, öffne dein Herz
    auch für mich, für mich
    und wirf dein seidenes, zaubrisches
    Cape über die Schultern der Liebsten,
    hol deinen Sohn Himeros zu Hilfe,
    zeig ihm den Jammernden und
    Eros wird gewiss dem Bruder
    noch heute hilfreich zur Seite stehen.
    Divina, ich lechze nach Wärme und
    Zärtlichkeiten, möchte so gern
    umliebt sein und wäre lieber
    tot, wenn ich dem erfrischenden
    Odem der Liebe entsagen müsste,
    denn unsäglich und wahrlich
    erbärmlich vegetiere ich dahin,
    bis ein geheimes Wort,
    eine vertraute Geste mich dem
    Tod entwindet und Düfte von
    Rosen, aus tausenden Blüten
    über mich wehen und
    betäubend die Sinne verwirren.
    Tage und Wochen des Zweifelns
    gingen vorüber,
    länger hoffend zu warten
    übersteigt mein Vermögen,
    Chaos herrscht in meiner Seele,
    kein Silberstreif am Horizont
    lässt sich sehen,
    ich schwanke und sehe alle
    Chancen schwinden, Stille
    herrscht und mein Flehen,
    all meine Gebete, mein hilfloses
    Lallen scheinen wie ein
    laues Lüftchen,
    ein leichtes Gewölke
    in deinen Augen und Ohren.
    Niemand kann fühlenden Herzens
    in elysischen Feldern wandeln,
    schweigend und fühllos die
    Tränen des Trauernden,
    die Leiden des Liebenden
    in regloser Haltung
    empfinden ohne zu helfen.
    Sei meine liebwerte Göttin,
    erhalte dein Bild in meiner Seele!
    Ewig wird mein Dank,
    liebreiche Göttin, dir
    erhalten bleiben!
    Darf ich, Cypris Aphrodite,
    in die Arme meiner Liebsten
    eilen, herzen, küssen,
    liebend stets bei ihr verweilen,
    innig alle Wonne still genießen?
    Eben hat sie angeklopft, ich
    bedanke mich bei dir,
    treue Göttin meiner Liebe.
    Geändert von Festival (22.11.2019 um 20:20 Uhr)

  2. #2
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    Ach du liebes bisschen!

    Uff!

    Das ist die Litanei der unerwiderten Liebe eines Dichtergottes!

    Nur taube und blinde Herzen würden diese Liebe belächeln.

    Großes Kino

    Ganz ohne Mist.. ich habe selten etwas dermaßen zeitloses und gewaltiges gelesen.

    Welche Muse hat dich denn geküsst? Und kann man die mieten?

    Das ist doch frisch aus irgendeinem Heldenepos.

    Du wahnsinnige/r, was hast du bloß erlebt?
    Geändert von TieferGrund (04.03.2019 um 21:42 Uhr)

  3. #3
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    Lieber Tiefer Grund,
    oooch, ich hab nur einen "Leistenvers", die Gebildeteren nennen so etwas ein Akrostichon, geschrieben. Eine tolle Übung zur Erweiterung des Sprachschatzes, weil die Anfangsbuchstaben der Verse untereinander gelesen ja eine "Botschaft" enthalten sollen. Dein überschwängliches Lob freut mich natürlich und ich bedanke mich sehr für Deinen Kommentar!
    Musen zu mieten ist leider strengstens verboten,
    wer es versucht, kriegt was auf die Pfoten.
    Liebe Grüße,
    Festival

  4. #4
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    Zitat Zitat von Festival Beitrag anzeigen
    Lieber Tiefer Grund,
    oooch, ich hab nur einen "Leistenvers", die Gebildeteren nennen so etwas ein Akrostichon, geschrieben. Eine tolle Übung zur Erweiterung des Sprachschatzes, weil die Anfangsbuchstaben der Verse untereinander gelesen ja eine "Botschaft" enthalten sollen. Dein überschwängliches Lob freut mich natürlich und ich bedanke mich sehr für Deinen Kommentar!
    Musen zu mieten ist leider strengstens verboten,
    wer es versucht, kriegt was auf die Pfoten.
    Liebe Grüße,
    Festival
    Ach, hättest du mal Akrostichon gesagt, dann hätte ich das natürlich gewusst! Andererseits habe ich wohl nur draufgeklickt, weil ich mir von "Leistenversen" weittrabende Erotik erhoffte.

    Ich schrieb selbst mal nen Leistenvers, in der 6 oder 7 Klasse.

    In deinen Worten höre ich
    Chöre, die mein Herz besingen
    hochgehoben fall ich tief
    Liebe, trag mich auf den Schwingen!

    Ist es gut? Lass mich nicht lumpen
    ehe du die Linsen trägst
    blick mir in die Augen Anna
    ewig glüht dein Götterfunken

    doch lohnt sich auch ein Blick zurück
    indess du von Dannen schreitest
    Cellos spielen von dem Stück
    Hintern, das mir Lust bereitet.

    Früh übt sich!

  5. #5
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    Lieber TieferGrund,
    von der Bezeichnung Leisten-Vers auf ein erotisches Gedicht zu schließen, mein lieber Schwan, was hast Du für eine Fantasie!?
    Ich habe keine Ahnung vom Bildungsstand der User/innen und muss befürchten, dass bei Akro- erst einmal die Assoziation Akropolis kommt.
    Dein Akrostichon ist ja schon die zweite Stufe der Schwierigkeiten beim Verfassen eines solchen. Du bringst auch noch Reime unter - hübsch gemacht.
    Liebe Grüße,
    Heinz

  6. #6
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    Noch ein Liebhaber der Antike, herrlich!

    Ich möchte Dir aber trotzdem raten, es in mehrere Strophen aufzubrechen, der besseren Lesbarkeit halber.

    Gruß D.A.

  7. #7
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    Lieber Alter,
    verzeih die späte Antwort, ich war unterwegs.
    Liebhaber der Antike? Ja, bin ich auch,aber nicht ausschließlich. Recht hast Du - die Lesbarkeit des Leistenverses ist durch die fehlende Stropheneinteilung erschwert. Aber ist es nicht so, dass man mit einem Akrostichon den Leser/die Leserin mit dem "normal" geschriebenen Text auf Abwege führen will, dem einen/der einen eine verschlüsselte Nachricht senden möchte?
    Die Stropheneinteilung würde willkürlich bei gleichen Strophenlängen und bei Einteilung nach zusammengehörigen Sinneinheiten verräterisch.
    Frage: Was willst Du "besser lesen"? Den fortlaufenden, fast hymnischen Text oder das senkrecht an den Anfangsbuchstaben gebundene Akrostichon? In meinem "Gedicht" kostet es etwas Mühe - und das sollte es auch.
    Liebe Grüße,
    Festival

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