1. #1
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    Nackt, in einer Reihe

    Wir mussten uns nackt ausziehen
    und in einer Reihe aufstellen.

    Ein kleiner Mann in einem weißen Kittel
    schritt mit gelangweilter Miene an uns vorbei
    und musterte jeden kurz,
    von oben bis unten.

    Auf ein Handzeichen hin
    wurde beinah jeder Zweite
    von seinen Handlangern
    nach draußen geführt.

    Wir Übriggebliebenen wurden
    in einen Nebenraum gebracht,
    wo man unsere Zähne inspizierte
    und uns behandschuhte Finger
    in die Rektalöffnungen steckte.

    Wir wurden gemessen und gewogen,
    dann schossen sie Fotos von unseren Genitalien
    und entnahmen Blutproben.

    Wieder wurde fast die Hälfte von uns aussortiert
    und aus dem Raum gebracht.

    Jetzt waren wir nur noch zu fünft.

    Wir bekamen Formulare vorgelegt,
    auf denen wir uns bereit erklären sollten,
    ihnen alle unsere Wertsachen zu überschreiben
    und unsere erstgeborenen Kinder zu überlassen.

    Ich unterschrieb sofort,
    denn ich war mittlerweile viel zu müde,
    um noch darüber nachzudenken.

    Und ich hatte Glück:
    Die anderen vier weigerten sich,
    das Dokument zu unterschreiben

    - also bekam ich die Wohnung!

  2. #2
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    Gerade habe ich in einem anderen Faden ein Gedicht über einen Obdachlosen gelesen. Hier kommt die Wendung unerwartet, scheint mir aber auch etwas aufgesetzt. Nicht desto trotz ist es interessant zu lesen, immer mitschwingend die Bilder von verschiedensten Menschenselektionsmassnahmen der Kulturgeschichte und Erinnerungen an eigene Schul- und Militärreihenuntersuchungen, aber auch schwierige WG-Vorstellungsgespräche...

  3. #3
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    Ist nicht jede ausgedachte Geschichte in einem gewissen Maß aufgesetzt?

    LG
    k

  4. #4
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    Jupp , sicher, die Kunst ist es dann, es so hinzupfriemeln, dass man es nicht so dolle merkt...

  5. #5
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    Ja, das ist wohl die Kunst... Aber eigentlich finde ich, dass man es ruhig merken darf

    LG
    k

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