Thema: Am 11. März

  1. #1
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    Am 11. März

    Wettersturz
    Ein einsamer Vogel
    singt gegen den Schnee
    Nichts ist mir zu klein und ich lieb es trotzdem
    und mal es auf Goldgrund und groß,
    und halte es hoch, und ich weiß nicht wem
    löst es die Seele los...
    (Rainer Maria Rilke)

  2. #2
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    Hallo rosenrot,
    Das schwankt zwischen Wehmut und Aufbruch. Schön in den 3Zeiler transportiert.
    Gruß manehans
    Solange Glut ist, kann auch Feuer sein...
    Eva Strittmatter

  3. #3
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    Hallo manehans,

    vielen Dank für´s Lesen und Kommentieren! Offen gestanden hatte ich gar nicht mit einem Kommentar gerechnet und bin nun doppelt erfreut

    Deine Deutung, es schwanke zwischen Wehmut und Aufbruch, hat mich berührt. So weit hatte ich gar nicht gedacht, nur den Moment eingefangen. Als Ende Februar das Wetter sonnig und mild war, sangen die Vögel draußen, als wäre schon Frühling. Letzten Montag lag Schnee, und nur eine einsame Amsel hielt noch dagegen.

    Oben gepostet ist die kurze Freestyle-Version. Die klassische Variante geht so:

    Wettersturz im März
    Eine einsame Amsel
    singt gegen den Schnee.

    Ich weiß nicht, was besser ist, und würde mich über Rückmeldungen und Meinungen freuen.

    Liebe Grüße
    rosenrot
    Nichts ist mir zu klein und ich lieb es trotzdem
    und mal es auf Goldgrund und groß,
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  4. #4
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    rosenrot,
    mir gefällt die gepostete Version viel besser. Auch wenn "eine einsame Amsel" das Bild konkretisiert, es lenkte mich eher ab vom Kontrast
    "Wehmut und Aufbruch". Die einsame Stimme ists, die mich zum Schnee führt, nicht die Amsel.
    Gruß manehans
    Solange Glut ist, kann auch Feuer sein...
    Eva Strittmatter

  5. #5
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    Liebe rosenrot,
    auch mir gefällt die erste Version besser.
    Der einsame Vogel ist wie eine einsame Stimme, die den Frühling voraussagt, auch wenn man es nicht glauben will!
    Gern gelesen!

    LG, Cara

  6. #6
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    Ich bevorzuge die klassische Variante, da sie näher am 5-7-5-Schema des japanischen Vorbildes dran ist. Freestyle ist ja oft schön und gut, aber die dichterische Herausforderung ist in meinen Augen niedriger. Dein Dreizeiler rührt mich an, wahrscheinlich wegen des widrigen Umstandes (den er thematisiert) und wegen des „trotzigen“ Vogels. Einfach schön!

    Wegen der gefühlvollen Wortwahl scheint mir Dein Werk eher Senryu denn Haiku zu sein. Vielleicht ‚einsam‘ durch ‚einzeln‘ ersetzen, dann ist weniger Beeinflussung enthalten.

    Liebe Grüße
    Don
    Trägerin des Verdienstordens 'Kämpferin wider die Schokoladenostereier'

  7. #7
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    Lieber manehans,
    vielen Dank für Deine Rückmeldung. Wehmut und Aufbruch - es gefällt mir, wie du deinen Eindruck so gut auf den Punkt bringen kannst. Der Schnee nimmt eine zentrale Rolle ein. Das Konkretisierende der Amsel war auch für mich ein wesentlicher Punkt, über den ich lange nachgedacht habe.

    Liebe Cara,
    ganz lieben Dank auch für Deine Rückmeldung und für Dein Lob. Bei Dir steht nicht der Schnee, sondern der zu erwartende Frühling im Zentrum, also das, worauf das Haiku abzielt. Der Schneefall nach sonnigen Tagen hatte etwas Melancholisches, nur die liebe Amsel hielt stand.

    Liebe Quijote,
    herzlichen Dank auch für Deine gegenteilige Meinung. Auch ich war früher der Auffassung, das 5-7-5-Schema sei schwieriger zu gestalten als das Freestyle-Haiku mit weniger Silben, bin aber inzwischen da etwas ins Zweifeln geraten. Über "einsam" habe ich ebenfalls lange nachgedacht, aus den bekannten Gründen (kann eine Amsel einsam sein, und wenn ja, woran stelle ich es fest) Man könnte "eine einzige Amsel" sagen, wollte man das "Trotzige" betonen (was letztendlich ebenfalls eine Beeinflussung wäre), mir ging es jedoch um das Melancholische der Situation, deshalb bin ich bei "einsam" geblieben, obwohl Haiku-Puristen es zu Recht in Frage stellen könnten. Ein Senryu sehe ich hier nicht, weil m.E. das Senryu Gefühle beschreibt, während das Haiku Gefühle erzeugt. Ganz korrekt müsste es schlicht "nur eine Amsel" heißen, das würde alle Deutungen beim Leser lassen.

    Daraus ergäbe sich:

    Wettersturz
    Nur eine Amsel
    singt gegen den Schnee

    Herzlichen Dank nochmals euch allen, auf einen baldigen Frühling!
    rosenrot
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    und mal es auf Goldgrund und groß,
    und halte es hoch, und ich weiß nicht wem
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    (Rainer Maria Rilke)

  8. #8
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    hallo rosenrot

    ich kann da jetzt nichts neues mehr hinzufügen, alles wesentliche wurde bereits gesagt - aber ich will dir auch nicht verschweigen, dass du da etwas großartiges aufs papier gezaubert hast. es ist diese gelunge untermalung der bilder durch emotionen...verbunden mit einer/deiner sympathischen "zurückhaltung" in der tonalität...die es einem ermöglicht in dur und/oder moll zu lesen. gegen den schnee singen...das lässt sich in unterschiedliche richtungen interpretieren...macht dein gedicht zu einer art buffet...

    gruß, a.d.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  9. #9
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    Hallo AndereDimension,

    vielen lieben Dank für Dein Feedback und Dein Lob, ich habe mich sehr gefreut.

    Liebe Grüße
    rosenrot
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    und mal es auf Goldgrund und groß,
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  10. #10
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    Hab eher zufällig dein Haiku gefunden. Es gefällt mir ausgezeichnet.
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

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