Ein Gedicht entsteht

Die Nacht hält noch den Tag verborgen,
Doch irgendwo in tiefem Grund
Will schon ein Ich für Leben sorgen,
Das endothym zu früher Stund'
Aus seinem Dämmerlichte drängt,
Das ihm ja früh musengeschenkt.

Noch ist die Traumwelt nicht besiegt,
Wenngleich das Freisuchen will tragen,
Was vage längst im Finden liegt
Und doch noch sinnend nicht kann sagen,
Was unbewusst, was umgelenkt
So langsam ins Bewusstsein lenkt.

Gegen das Werden anzukämpfen?
Geht das, wo es nach oben drängt?
Kann man die Grundsendung da dämpfen,
Wo sie sich ins Bewusstsein zwängt
Und jeden Widerstand dort bricht
Mit aufscheinendem Sonnenlicht?

Denn alles wird jetzt plötzlich klar,
Das Bild zu seinem Worte findet,
Weil Trub dort abfällt wunderbar,
Das Wort an Satz und Vers sich bindet
Und ein Gebilde sich hinwendet,
Wo es dann steht – so unvollendet,

Dass die Vernunft mit Ratio
Den Stift noch korrigierend zückt,
Um schließlich mit Vocatio
Das Vage hin zum Guten rückt,
Um stolz der Seele zu verkünden,
Sie sei jetzt frei von allen Sünden...


©Hans Hartmut Karg
2019

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