Getrennt vereint

Man muss sich ja nicht scheiden lassen
Und muss den Partner auch nicht hassen,
Denn neue Formen kennt die Liebe
Auch ohne Nahkampf, ohne Triebe.

Da lebt der Partner nur im Haus,
Die Frau geht lieber gerne aus,
Will reden, netzwerken und lachen
Und sich nicht mehr zur Sklavin machen.

Er spricht nicht, lebt wie ein Asket,
Im Stuhl verwurzelt, schnarcht sehr spät,
So dass sie nicht mehr schlafen kann –
Deshalb verbannt sie ihren Mann.

Der nächtigt dann unten im Keller,
Sie oben, wo es still und heller,
Doch auseinander bleibt gelebt,
Was in den eigenen Welten schwebt.

Die Kinder sollen es gut haben,
Sich an Mama und Papa laben,
Und deshalb arrangiert man sich,
So haben sie denn Dich und mich.

Noch toter wird dann die Beziehung,
Weil trotz andauernder Bemühung
Die Liebe sich nicht knechten lässt,
So bleibt nur freundschaftlich ein Rest.

Doch will man keine üblen Siege,
Verzichtet auf die Rosenkriege.
Man hat ja auch genügend Geld
Und trennt sich weiter von der Welt.

Er zieht aus, nimmt 'ne eigene Wohnung
Und lebt in Ruhe seine Schonung.
Sie, aushäusig, geht recht viel aus,
Die Kinder sind bei ihr im Haus.

Sie bleiben virtuell vernetzt,
Schwören: S'wird nicht gehetzt!
Und da sie immer noch verwandt,
Essen sie oft im Restaurant.

Modern leben sie so die Zeit,
Bleiben ferne kontaktbereit,
Und wo ein jeder Freiheit spürt,
Bleiben sie doch schicksalgeführt.

Getrennt vereint sind sie verbunden,
Erzwingen keine Liebesrunden,
So dass die Kinder ohne Raben
Noch immer ihre Eltern haben.


©Hans Hartmut Karg
2019

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