Einsamkeit und Lebenslüge

Die Einsamkeit wird nichts verzeihen,
Nicht mal die Hektik der Lautlosigkeit:
Der Lärm wird dort nach Ruhe schreien,
Wo alles Leben bleibt nur Minderheit.

Labsal kann nicht die Treue ernten,
Wo die nicht ihre Zeit begreift,
Denn wo sich Leitbilder entfernten,
Wird kippen, was am End' nicht greift.

Kaltwinde blasen ihre Last
Hin zu den mildständigen Wegen.
Da Du allein einsamer Gast,
Muss dies sich auf die Seele legen.

Wo Lebenswinde nicht mehr rasten,
Der Einsamkeit die Segel nehmen,
Hilft auch kein Rasen und kein Hasten –
Alles verfließt in vagen Schemen...

Bleib' deshalb, liebe Lebenslüge,
Geh' nicht zu nah zur Wahrheit hin,
Dann trägt die Hoffnung freiere Züge
Und bildet so den eigenen Sinn.


©Hans Hartmut Karg
2019

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