1. #1
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    Herbstliches Gedicht (mega spontan)

    Des Herbstes Empfang

    Die Tage schweifen wie Nebelschweifen
    Über des Feldes golden Kron
    Und der Herbst setz sich nieder
    auf seinen rot-güldenthron

    Die Bäume gar wiegen sich
    Im Sange des Sturms
    Und wohl bilden
    des Baumkrones
    Blätterturms

    Des Herbstes Frucht
    So lecker süß
    Mit gar so heiß leckeren Duft
    sie liegt in der Luft

    Nun sei es so Weit
    Jetz kommt die Zeit um mit
    Schreiben zu beenden
    das bunte treiben

    piklani
    ■■■


    Hi ,
    das Gedicht habe ich einfach auf die schnelle geschrieben ohne Versmaß oder ähnlichen also hoffe ihr könnt mir Vorschläge,Verbesserungen,Versmaß und so weiter geben bzw dabei helfen LG piklani

  2. #2
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    Hallo piklani,

    herzlich Willkommen hier im Forum!

    Dein Gedicht finde ich thematisch sehr spannend, würde mich aber zuerst gern dem Aufbau und Grammatik-/Rechtschreibfehlern widmen, die mir so aufgefallen sind:

    Des Herbstes Empfang <--- würde ich weglassen, scheint mir wie ein zweiter Titel zu sein und der passt m.M.n. auch besser, also lieber hier weglassen und stattdessen den Titel ändern

    Die Tage schweifen wie Nebelschwaden <--- Nebelschweife direkt auf schweifen folgend klingt an dieser Stelle für mich zu doppelt gemoppelt
    Über des Feldes golden Kron
    Und der Herbst setzt sich nieder
    auf seinen rot-gülden Thron

    Die Bäume gar wiegen sich
    Im Sange des Sturms
    Und bilden wohl der Baumkrone <--- Krone ist ein sprachlich weibliches Wort, daher "die Krone", also "der Baumkrone Blätterturm", "wohl bilden" ist sprachlich sehr inversiv, klingt hier irgendwie schräg, ruhig in 'richtiger' Reihenfolge schreiben
    Blätterturm <--- hier verstehe ich den Genitiv nicht, da dieser bereits bei "der Baumkrone" enthalten ist, einen Genitiv des Genitiv gibt es m.W. nicht

    Des Herbstes Frucht
    So lecker süß
    Mit gar so heiß leckerem Duft
    sie liegt in der Luft

    Nun ist es so weit <--- "Sei" stellt immer eine Möglichkeit in den Raum, sich doch anders zu entscheiden. Mir scheint deine Intention aber dahin zu gehen, dass es an der Zeit ist.
    Jetzt kommt die Zeit, um mit
    Schreiben zu beenden
    das bunte Treiben <--- Substantivierung von treiben, daher Großschreibung
    Kommen wir nun zum Inhalt (ich geh da gleich mal von meiner verbesserten Version aus):

    Die Tage schweifen wie Nebelschwaden
    Über des Feldes golden Flur <--- Felder haben keine Krone, da sie eher flach sind, es gibt nicht wirklich einen erhöhten, erhabenen Punkt, daher würde ich hier "Flur" vorschlagen, auch wenn dadurch der Reim abhanden kommt
    Und der Herbst setzt sich nieder
    auf seinen rot-gülden Thron

    Die Bäume gar wiegen sich
    Im Sange des Sturms
    Und bilden wohl der Baumkrone
    Blätterturm <--- zum einen gefällt mir hier der Blätterturm nicht wirklich... So wie es jetzt dasteht, würde es bedeuten, die Baumkronen bilden einen Blätterturm. Nicht eher ein Blätterdach? Auch finde ich es schwierig, dass sich wiegende, also in Bewegung befindende Bäume einen Blätterturm bilden sollen. Ein Turm ist doch eher standhaft und fest, nicht dynamisch und fragil. Man könnte es also möglicherweise wie folgt verändern:
    "Die Bäume gar wiegen sich
    Im Sange des Sturms
    Und ihre Baumkronen bilden
    des Waldes Blätterdach"


    Des Herbstes Frucht <--- Mal abgesehen davon, dass ich nicht richtig herauslese, was des Herbstes Frucht sein soll, bin ich doch überrascht, wie plötzlich von Bäumen zur Frucht geschwenkt wird. Da ist dir der Übergang von Strophe 1 zu 2 m.E. besser gelungen.
    So lecker süß
    Mit gar so heiß leckerem Duft <--- hier fällt mir gerade die Wiederholung von "lecker" auf, doch das ist nicht, was mir auf den Magen schlägt. Vielmehr vermag ich nicht zu verstehen, wie sich ein "heiß leckerer Duft" vorstellen lässt. Ist nicht eher ein Geschmack "lecker". Und inwiefern ist etwas "heiß lecker"? Bedeutet das, alle heißen Dinge (nicht im erotischen Sinne ) sind lecker?
    sie liegt in der Luft
    Auch hier wieder folgender Vorschlag:
    "Des Herbstes Frucht
    so lecker süß
    berauscht mit wohligem Duft
    liegt schwerelos in der Luft"


    Nun ist es so weit
    Jetzt kommt die Zeit, um mit
    Schreiben zu beenden
    das bunte Treiben <--- Diese Strophe finde ich sehr schön. Scheinbar ist es keine Beschreibung eines tatsächlichen Herbsttages, den der Autor beobachtet und erlebt hat, sondern nur eine Illusion, ein Gedanke, der ihm im Kopf herumspukt und den er durch die Niederschrift loszuwerden versucht.
    Ich würde also folgende Überarbeitung vorschlagen (wenn auch metrisch alles andere als perfekt und die Reime sind auch gebrochen, damit kann sich nicht jeder anfreunden):

    Die Tage schweifen wie Nebelschwaden
    Über des Feldes golden Flur
    Und der Herbst setzt sich nieder
    auf seinen rot-gülden Thron

    Die Bäume gar wiegen sich
    Im Sange des Sturms
    Und ihre Baumkronen bilden
    des Waldes Blätterdach

    Des Herbstes Frucht
    so lecker süß
    berauscht mit wohligem Duft
    liegt schwerelos in der Luft

    Nun ist es so weit
    Jetzt kommt die Zeit, um mit
    Schreiben zu beenden
    das bunte Treiben


    Wenn auch mit einigen Fragen im Kopf, so doch gern gelesen.

    Viele Grüße und ein kräftiges Miau,
    Thrillermietze
    Geändert von Thrillermietze (25.03.2019 um 23:30 Uhr)
    Zeige denen, die dich fallen sehen wollen, dass du ohne Flügel fliegen kannst.


    Auf den Spuren der Krimikatze

  3. #3
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    Hey piklani, willkommen. Du bist jung, spontan und hast Freude an Sprache. Schreib doch auch deine Gedichte in (d)einer spontanen Sprache. Ich mag den Genitiv wirklich, aber zu viel davon katapultiert mich ins 19. Jahrhundert. Habt ihr in der Schule grade Gedichte aus dieser Zeit durchgenommen? So was färbt manchmal ab, und irgendwie finde ich es ja auch ein gutes Experiment, diesen Stil mal nachzuahmen. Insofern hat dieses Gedicht schon seinen Sinn. Du hast den Herbstwald beschrieben und (abgesehen vom Turm) gute Bilder gewählt. Mich nähme wunder, wie dasselbe in der Sprache des 21. Jahrhunderts klingt. Liebe Grüsse, gugol

  4. #4
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    Hi Piklani

    Du bist mit Gugol auf Zeitreise.. nehmt mich mit ^^

    Alles in Allem finde ich die Gedanken schön herbstlich, und die "Bilder" sehr gelungen. Bezüglich Versmaß übe ich selbst noch, aber ich denke zu sehen, dass deine Zeilen nicht ohne größeres Umschreiben in ein bestimmtes Versmaß passen werden. Da einige Zeilen im Daktylus stehen - also eine betonte Silbe, gefolgt von zwei unbetonten (XxxXxx..) - würde es sich evtl. anbieten, die Zeilen im Daktylus zu schreiben.

    Was das Reimschema betrifft, scheinst du in den ersten 2 Strophen jeweils Vers2 und V4 reimen zu wollen, daher sicher auch "Blätterturms", was sich auf "Im Sange des Sturms" reimen sollte. Den Turm betrachte ich jetzt mal als V4, obwohl er in ner extra Zeile steht. Danach wechselt in Strophe 3 der Reim von "xaxa" zu "axaa" oder "xxaa".. in Strophe 4 mehr oder weniger zu "aaxx" (x steht hier für "kein Reim"). Es wirkt also alles, wie du schon selbst schreibst, spontan geschrieben, was ja nicht schlecht sein muss. Es kommt eben darauf an, was man selbst haben möchte.

    Ich persönlich würde mir hier die Frage stellen, ob das Gedicht nicht gänzlich ohne Reime und Metrik auskommen würde.
    Mietzes Vorschlag geht ja schon in die Richtung, und liest sich sehr schön, da würde ich die verbleibenden Reime evtl. noch ganz raus nehmen.

    Um noch kurz auf den Inhalt zu kommen:

    S1:
    Zitat Zitat von
    Thrillermietze
    Über des Feldes golden Kron <- Felder haben keine Krone, da sie eher flach sind, es gibt nicht wirklich einen erhöhten, erhabenen Punkt, daher würde ich hier "Flur" vorschlagen, auch wenn dadurch der Reim abhanden kommt
    Das sehe ich leider etwas anders. Man könnte zwar "Kron" auch durch "Korn" ersetzen.. aber Getreide könnte man meiner Meinung nach auch wie Bäume betrachten.. die Ähren als Krone. Gräßer ähnlich.. wobei die eher bei zu viel Sonne golden werden. Ein Blätterdach hat - je nach Entfernung - auch nicht unbedingt einen erhabenen Punkt, und doch hat jeder Baum seine Krone. Ich meine.. der Herbst kann sich auch rein logisch betrachtet nicht auf einen Thron setzen, aber jeder weiß, was damit gemeint ist. Die "Bilder" in Strophe 1 finde ich daher stimmig. Trotzdem finde ich Mietzes Vorschlag natürlich sehr gut, wenn du auf Reime verzichten möchtest.

    S2:

    Die Bäume gar wiegen sich
    Im Sange des Sturms
    Und wohl bilden
    des Baumkrones
    Blätterturms

    Hier würde ich sagen.. Die Bäume wiegen sich im Sturm.. und mit "bilden der Baumkrones/Baumkronen Blätterturm".. sind wahrscheinlich die fallenden Blätter gemeint, die sich letztendlich am Boden türmen. Falls das so gedacht sein sollte, ist der Sinn trotzdem etwas versteckt. Im Moment sagst du.. die Bäume bilden wohl der Baumkrones Blätterturm. Man könnte also denken, dass die Bäume Blätter wachsen lassen.. was nicht gerade zum Herbst passt. Zum besseren Verständnis fehlt also, dass die Blätter fallen. Ohne die Angabe ist der Blätterturm zweideutig, und für die Meisten ist wohl das Wachsen der Blätter naheliegender, als das Türmen auf dem Boden. Auf den Grammatikfehler hat Mietze ja schon hingewiesen.

    S3:

    Zitat Zitat von
    Thrillermietze
    Des Herbstes Frucht <--- Mal abgesehen davon, dass ich nicht richtig herauslese, was des Herbstes Frucht sein soll, bin ich doch überrascht, wie plötzlich von Bäumen zur Frucht geschwenkt wird. Da ist dir der Übergang von Strophe 1 zu 2 m.E. besser gelungen.
    Ich stimme zwar zu, dass der Schwenk vom Baum zur Frucht hart erscheinen könnte.. zumindest, wenn vorher die fallenden Blätter beschrieben werden sollten.. aber Herbstfrüchte sind für mich z.B. Äpfel, Birnen und Pflaumen. Alle sind auf Bäumen zu finden, daher finde ich ähnlich wie Gugol.. eigentlich nur den "Blätterturm" undurchsichtig.. aber bis auf den Grammatikfehler.. eigentlich auch nicht falsch.

    S4:

    Naja.. bei S4 stellt sich mir die Frage, ob die Strophe überhaupt nötig ist

    -----------------------------

    Da ja auch Vorschläge bezüglich Versmaß erwünscht waren, hier mal eine Version.. die ersten 3 Strophen grob in Daktylus, Reimschema xaxa.. die letzte Strophe in Jambus, aabb. Wenn ich es richtig verstanden habe.. dürfte S4 aus der Reihe tanzen, weil der Inhalt vom Rest getrennt ist. Dort, wo Silben oder Worte hinzugefügt wurden.. meist nur, um den Daktylus hinzubekommen.. und nicht, weil mir deine Wortwahl nicht gefallen hätte. Die Nebelschwaden und den wohligen Duft aus Mietzes Version, habe ich allerdings übernommen

    Die Tage schweifen, wie Nebelschwaden,
    über des Feldermeers goldene Kron, (oder "goldenes Korn")
    der Herbst setzt sich nieder, (ohne zu fragen) <- so könntest du z.B. ein Reimschema "abab" einbauen
    auf seinen stolzen, rot-güldenen Thron.

    Die Bäume gar, sie wiegen sich,
    im Sange des heulenden Sturms.
    Bunt und leuchtend fallen die Farben,
    der Krone des blättern(d)en Turms.

    Die Früchte des Herbstes, so lecker süß,
    berauschen mit wohligem Duft,
    das stürmende Treiben zeigt allen zugleich, <- hinzugefügt, um das Reimschema xaxa auch in der Strophe zu bekommen.
    der Herbst liegt in der Luft.

    (Da ich denke, dies wäre schon ein "Abschluss".. könnte man in der Version evtl. auf S4 verzichten.)

    Nun ist es so weit,
    jetzt kommt die Zeit,
    um zu beenden im Schreiben,
    das bunte Treiben.

    --------

    Beste Grüße,
    Lightning
    Geändert von Lightning (27.03.2019 um 23:19 Uhr)
    Des langen Tages Arbeitslohn
    ist die Nacht - ich schlafe schon.

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