Thema: Vor dem Apfel

  1. #1
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    Vor dem Apfel

    Vor dem Apfel

    Der See lag spiegelglatt im Morgenlicht
    und Eva trat verschlafen an sein Ufer.
    Erschrocken blickte sie in ein Gesicht,
    das unversehens aus dem Nichts auftauchte.

    Nach kurzem Zögern fuhr sie sich durchs Haar,
    die Frau im Wasser tat synchron dasselbe.
    Da dachte Eva: “Oh wie wunderbar,
    jetzt kann ich mich von Kopf bis Fuss betrachten!”

    Darauf erkundete sie ihre Büste,
    den Bauch, die langen Beine und den Po,
    berührte ihre Scham und auch die Brüste.
    Sie lachte überglücklich: “Ich bin schön!”

    Doch dann erhob sich eine leichte Brise,
    die kräuselte den Spiegel mehr und mehr
    und Eva kriegte ihre erste Krise:
    "Bei Gott, wo kommen all die Falten her?"

    Ab diesem Tag verbarg sie sich im Garten
    vor Adam und sogar dem lieben Gott
    und musste manchmal endlos lange warten,
    denn selten war das Wasser spiegelglatt.

    gugol / Hi, i
    Geändert von Hi, i (31.03.2019 um 23:30 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Hi, i
    das Ding gefällt mir! (Aber mein Brava- oder Bravoruf genügt der Sittenpolizei nicht, deshalb erkläre ich, was mir daran gefällt).
    Die sparsam eingesetzten Reime beweisen: Der Reim ist eine von vielen Gestaltungsmöglichkeiten. Etwas, was sich reimt, ist nicht zwangsläufig ein Gedicht und ein Gedicht kann man auch mit Recht so nennen, wenn sich nichts oder nur wenig reimt.
    Du hättest auch auf alle Reime verzichten können, dann könnte man von einem Gedicht in Blankversen sprechen (und ich bin beinahe versucht es zu tun).
    Was mir noch gefällt, ist die zart umspielte ewige Weiblichkeit mit einem Schuss von Eitelkeit und die "Anlehnung" an die Geschichte von Narziss.
    Ich gestatte mir ein Brava/Bravo!
    Liebe Grüße,
    Festival

  3. #3
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    Hey Festival, WIR freuen uns sehr über deinen sittlichen Kommentar zu unserem Gedicht, danke. Und ja, für Eva gab es in dieser Situation ein paar Ungereimtheiten, die sollten sich auch in der Form widerspiegeln. LG Hi,i und gugol

  4. #4
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    Guten Morgen Ihr beiden,
    des Rätsels Lösung ist geliefert. Ich konnte nämlich mit "gugol / Hi, i", begriffsstutzig wie ich bin, nichts anfangen. Aber was ist ein "sittlicher" Kommentar? Als ich Eure Antwort las, habe ich zuerst gedacht, der liebe Gott, verborgen hinter dem Pluralis Majestatis, lässt sich herab, mit seinem unterwürfigsten Sohn zu sprechen.
    Liebe Grüße,
    Festival

  5. #5
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    Hi Festival, so zu verstehen, dass du diesmal, zumindest fuer #2, nicht von der Sittenpolizei besucht wirst (die du selber ins Spiel brachtest) , LG

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