Thema: Vater

  1. #1
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    Vater

    Tochter bin ich dir, doch bist mir du kein Vater, sondern Fremder.

    (Wie kann man sich dir nähern?)

    Bin ständig gar in Angst getränkt, tief ist mir dein starrer Blick von oben kalt im Nacken, selbst, wenn du plötzlich nicht mehr mit am Tische sitzest.

    (Wie auf dich zugehen oder mit dir reden?)

    Deine Meinung (?) - wie ein Speer den man dir durch Leib und Rippen trieb, die Spitze halb im Herzen - etwas, woran man besser nicht zu rütteln beginnt.

    Und wie du mir, so sind oft dir Aug und Ohr ein Fremdes.

    Des Speeres Schaft insektengleich als Fühler nutzend, bist du so für vieles Zarte blind und taub.

    Und dazu leider auch oft stumm.

    Und noch viel leidrer ersetzten deine Hände dann meist einfach deinen Mund.
    (Schweigen das zum schweigen zwingt.)

    Ich weiß: knurren, beißen, kratzen - anders weiß ein Körper ohne Geist mit genügend Angst und Schmerz im Innern sich ja kaum zu helfen; nur bringt das Wissen darum nichts, keine Heilung, keinen Segen, weder den Blumen, die du zertrampelt, noch den Bäumen die du auf deinem Weg bis hier bis heut gefällt und dann verbranntest.

    Sieh! - an dir mit deinem leeren Blick, wird jeder Spiegel stumpf,
    bist nicht mehr als eine Hülle, aus Fleisch mit Knochen und nur das.

  2. #2
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    Zitat Zitat von Hi, i Beitrag anzeigen
    das ist kein Gedicht
    Nach welcher Definition?

    Sei auch du herzlich willkommen =)

  3. #3
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    hallo kuoka (und herzlich willkommen ),

    vielleicht ist das kein gedicht im klassischen sinne, aber durchaus verdichtet, sehr intensive, bewegende bilder. die ambivalenz der tochter, welche den vater hasst und doch eigentlich lieben möchte, der es ihr aber durch sein verhalten unmöglich macht, ist gut herausgearbeitet.

    ein starker text, den ich sehr gern gelesen habe.

    lg
    lilisarah
    kinder, hört auf, euch zu streiten!
    mama, wir streiten uns nicht, wir hauen uns nur.

  4. #4
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    Hallo lilisaurus,)

    scheint als konntest du etwas daran finden. schön =)

    Mich würde freuen, ohne etwas von dir verlangen zu wollen, wenn du mir schildern könntest (per pn wenn du magst), um meine perspektive zu erweitern, wie/wo dieses Liebenwollen und das Hassen das du erwähntest nach deinem empfinden aus dem Text herrauskommen.
    Das würde mir sicher helfen.

    ps: es geht ja weder ums backen noch um kleinanzeigen

  5. #5
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    hallo kuoku (diesmal richtig ),

    die tochter stellt sich die in klammern gesetzten fragen. das lässt mich vermuten, dass sie diese interaktionen mit dem vater wünscht, vielleicht sogar herbeisehnt, sonst würde sie sich nicht fragen. wem der andere gleichgültig ist, stellst sich solche fragen nicht mehr. dann kleine details wie das *leider* im achten absatz. bedauern ist, wenn es nicht ironisch gemeint war, auch ein zeichen dafür, dass die tochter es doch möchte, dass der vater mit ihr spricht. außerdem ist es wohl genetisch so vorgesehen, dass kinder ihre eltern lieben (zumindest bis sie ein gewisses maß an selbstständigkeit erreichen), sie können sie fürchten, vielleicht sogar hassen und trotzdem lieben. das ist das grausame daran.

    dass die tochter den vater hasst für sein tun und sein nichttun, kommt mit dem rest des gedichtes deutlich rüber. oder vielleicht ist hass auch nicht das richtige wort. verachtung trifft es vielleicht besser.

    lg
    lilisarah
    kinder, hört auf, euch zu streiten!
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