1. #1
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    Dein loderndes Haar

    Um dein loderndes Haar
    habe ich dich geliebt
    um dein süchtiges Auge

    Dein Hungerkleid
    zog ich dir aus
    und schenkte ein schöneres neues

    Und du warfst die blauen
    Brandsätze
    unter die Stände am Markt

    Und wir leerten
    Unsre Taschen voll Erde
    aneinandergeschmiegt

    Und dein Hungerherz
    verlangte
    nach süßeren Trauben

    Und nach den mühsam
    gewilderten Rehen
    im Ostpark

    Am Brückenpfeiler berührte ich Dich
    Am Bahndamm
    Haben wir uns geliebt

    Mein Haar so weiß
    wie die Nacht. Dein Haar
    im brennenden Rot
    Geändert von Onegin (17.04.2019 um 17:49 Uhr)
    Love´s not Time´s fool W. S.

  2. #2
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    Hallo Onegin,

    Wieder ein so ein schönes! Ich weiß jetzt eigentlich gar nicht, was sich sagen soll. Die "gewilderten Rehe" erinnern mich an irgendein Gedicht, aber ich weiß nicht mehr an welches (?).

    Lieben Gruß
    albaa

  3. #3
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    Halllo albaa,

    schön, dass Dir das Gedicht so gut gefällt. LI und LD sind zwei Freaks außerhalb der Ordnung der bürgerlichen Gesellschaft, die einander verfallen sind...

    Lieben Gruß

    Onegin
    Love´s not Time´s fool W. S.

  4. #4
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    @Onegin



    Grüße.
    Hmm, kann vieles deuten, aber eben nicht alles.




    Um Dein loderndes Haar /“ loderndes“ füllt mir nicht so richtig die Augen
    Habe ich Dich geliebt
    Um Dein süchtiges Auge

    Dein Hungerkleid / Hungerkleid ? nach was? Wird mit keiner Silbe im Gedicht erklärt.
    zog ich Dir aus
    Und schenkte ein schöneres neues

    Und wir warfen die blauen /blaue Brandsätze?, was für ein „Blau“ ist so beliebt?
    Brandsätze
    unter die Stände am Markt

    Und leerten
    Unsre Taschen voll Erde / wenn dann: mit Erde
    aneinandergeschmiegt

    Dein Hungerherz
    nährte sich dort
    von süßen Trauben

    Und von den mühsam
    gewilderten Rehen
    im Ostpark

    Am Brückenpfeiler berührte ich Dich
    Am Bahndamm
    Haben wir uns geliebt

    Dein Haar stand in flammendem Rot
    Mein Haar
    war weiß wie die Nacht ??/ wurde weiß wie die Nacht?


    Return:

    das Haar findet im oberen Teil Beachtung und im Unteren, genauso, einmal Hungerkleid und Hungerherz, liegt vom Sinne her fast gleich, demzufolge würde ich hier auch einen andere Sinnrichtung, entweder Oben, oder Unten einschlagen.


    ja paar Fragen, wobei, vieles ist sehr Gut.

    Tschüss.
    Geändert von horstgrosse2 (16.04.2019 um 10:13 Uhr)

  5. #5
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    Hallo horstgrosse2

    Du konntest nicht alles deuten? So soll es auch sein. Das Gedicht ist so geschrieben, dass es sich dem schnellen Verständnis entzieht. Die Sprachbilder sollen letztlich einen unendlichen Raum eröffnen, der deswegen auch nicht vollkommen auslotbar ist. Das Dunkel, auf das sie verweisen, ist ein Teil ihrer Faszination (wenn diese sich denn beim Leser einstellt). Es handelt sich hier also um etwas, was die Literaturwissenschaftler als hermetisches Gedicht bezeichnen. Und das ist eigentlich ein alter Hut. Elisabeth Borchers 1961:

    eia wasser regnet schlaf/eia abend schwimmt ins gras/wer zum wasser geht wird schlaf/wer zum abend kommt wird gras/
    weißes wasser grüner schlaf/großer abend kleines gras

    (Das hätte ich verdammt noch mal gerne selbst gedichtet!) Was die Farben in meinem Gedicht betrifft, die blauen Brandsätze, die weiße (nur ja nicht dunkle oder schwarze ) Nacht, so kann man vielleicht an expressionistische Malerei denken, wo die Rehe blau sind und die Hunde gelb usw.) Die Farben stehen vor allem für seelische Intensität. Es handelt sich beim LI und LD um zwei Freaks, zwei Außenseiter, außerhalb der bürgerlichen Gesellschaft die in destruktiver, rauschhafter erotischer Energie einander verfallen sind (Brandsätze, Brückenpfeiler, Bahndamm, Erde, Wilderei, das sind keine biederen Bewohner einer Dreizimmerwohnung mit Balkon. Hungerkleid und Hungerherz stehen beide für eine Sucht nach Liebe jenseits der Norm. Das Hungerkleid kann man ausziehen und da soll eine konkret erotische Note mitschwingen.

    Das sind so ein paar Andeutungen. Betonen will ich noch, dass ich das Gedicht nicht methodisch-systematisch nachträglich verschlüsselt habe, sondern es ist mir mehr oder weniger so aus der Feder geflossen.

    Gruß Onegin
    Love´s not Time´s fool W. S.

  6. #6
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    @Onegin

    Grüße.

    Bei Gedichten, die sich mir nicht gleich öffnen, bin ich oft skeptisch. Ich frage meistens nach. (Ich will ja nachempfinden).

    Hier, Elisabeth Borchers Gedichte sind sehr eigen konstruiert.

    Zitat: eia wasser regnet schlaf/eia abend schwimmt ins gras/

    übersetzt:
    Wenn Wassertropfen gleichmäßige Töne von sich geben (hörbar auf dem Dach, dem umgestülpten Garteneimer usw.
    , wird man müde, Der Abend netzt das Gras. (Tau)

    Sie denkt und schreibt in anderen Sphären.
    Return:

    Zitat:
    „handelt sich beim LI und LD um zwei Freaks, zwei Außenseiter, außerhalb der bürgerlichen Gesellschaft „

    Ja, die denken manchmal auch anders. Und deren Gedichte hast du versucht rüber zubringen.
    Ist gelungen würde ich mal behaupten, wobei, die blauen Brandsätze (erotische (Potenz?) Pillen), blauer Likör usw.
    Hungerherz und Kleid, war erkennbar.
    Naja,

    dann mach mal weiter,
    tschüss.


    Das sind so ein paar Andeutungen. Betonen will ich noch, dass ich das Gedicht nicht methodisch-systematisch nachträglich verschlüsselt habe, sondern es ist mir mehr oder weniger so aus der Feder geflossen.

    Gruß Onegin

  7. #7
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    Hallo horstgrosse2

    die Farben stehen für seelische Intensität, in diesem Fall (blaue Brandätze) für die Intensität der destruktiven Energie (Da rot durch die Haare schon besetzt war, musste ich auf blau gehen )

    Und was schrieb eigentlich Borchers selbst zu dem eia-Gedicht?

    Gedichten ist es erlaubt, „der Realität – dem, was wir Realität zu nennen gewohnt sind und was doch nur unser Dahinleben und Daherreden ist – zu entfliehen, ihre eigene unnütze Realität zu finden und sei es die des Traums, in dem sich alles auf den Kopf stellt, und in dem doch alles geborgen ist in einer süßen Surrealität“.

    Deine Interpretation ihres Textes wird dieser Einlassung glaube ich nicht ganz gerecht.

    Nichts für ungut

    Beste Grüße

    Onegin
    Love´s not Time´s fool W. S.

  8. #8
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    Zitat Zitat von Onegin Beitrag anzeigen
    Hallo horstgrosse2


    Deine Interpretation ihres Textes wird dieser Einlassung glaube ich nicht ganz gerecht.


    Onegin
    Grüße


    Also kennst du die Wahrheit? Das wiederum müsstest du beweisen, und das wiederum kann ich mir nicht vorstellen.


    Und das Gedicht, war ein Teil Phantasie, aber eben eine Nachvollziehbare. (Mein Denken)

    Es bleibt Fantasie.

    Ich glaube es gibt reale, surreale,utopische und nicht Vereinnehmbare.




    Jule Verne: Ein teil seiner Phantasie ist Wirklichkeit geworden, und ich glaube, das sogenannte "Seher" (da gibts ne Menge) irgendwo ihre Inspiration herziehen, oder beziehen, aus "Strömungen" die uns momentan unbekannt sind. Ähnlich verhält es sich mit Geschichten und natürlich Gedichten.

    return:


    Über das Thema könnte man ganze Abhandlungen fertigen, sogar nachweißbare.
    Aber auf Erden wird man ja belächelt, wenn man Dinge beschreibt, die nicht ins Weltbild passt. Typisch Einzeller-Denken.
    Aber ich versuche schon wieder davon zuziehen. Deshalb tschüss.

  9. #9
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    Hallo horstgrosse2

    auf dem Felde, auf dem wir uns befinden, ist nichts beweißbar, aber gute Argumente zöhlen trotzdem. Borchers hat für für das Gedicht eine eigene Realität reklamiert, die Du verleugnest, wenn Du ihre Verse schlankerhand in "realistische" Prosa auflöst. Um da weiterzukommen, müsste man auch auf den Rythmus und die Musikalität dieser Verse achten, auf das Wechselspiel von kommen und gehen, auf die Personifizierungen und Verwandlungen (wer zum abend kommt wird gras) kurz auf deren süßen Zauber. Dieser Zauber müsste auch in die Interpretation des Gedichts eingehen. aber in Deiner Auslegung, so denke ich darüber, hast Du Dich als großer Entzauberer gezeigt

    Beste Grüße
    Onegin
    Love´s not Time´s fool W. S.

  10. #10
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    Zitat Zitat von Onegin Beitrag anzeigen
    Hallo horstgrosse2

    . aber in Deiner Auslegung, so denke ich darüber, hast Du Dich als großer Entzauberer gezeigt

    Beste Grüße
    Onegin

    Möglich, dass du recht hast. (Vielleicht bin ich ein ständiger Unruheherd, Sucher, Gedankenspringer?


    Aber alles hat einen Ursprung, sogar der Gedanke. natürlich auch jede Philosophie.

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