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  1. #16
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    Hallo MimusPolyglotos,

    danke für Deine konstruktive Kritik, die mich veranlasste, mein Gedicht nochmal zu überarbeiten. Ich nehme einige Deiner Vorschläge gerne an und habe noch ein paar Änderungen vorgenommen.

    Für den Vers „ein Rehbock wird beim Unfall umgebracht“ habe ich bisher keine passende Lösung gefunden. Dieser Vers gefiel mir auch von Anfang an nicht so gut, finde aber weder einen Ersatz für den 2. Vers in der 2. Strophe, um ein anderes Reimwort für den 4. Vers zu finden. Hm, sehr schwierig …

    Das Unfallopfer
    Und der ist doch der Verursacher mehr als dass er das Opfer ist.
    Unfallopfer sind beide und zwar Rehbock und der Harley-Fahrer, wobei der Harley-Fahrer in meinem Gedicht mehr Schuld auf sich geladen hat, weil er als Mensch leichtsinnig die Sichtverhältnisse in dieser Nebelnacht unterschätzte, mit hohem Tempo ein Tier tödlich verletzte und am Ende sich selbst …

    Hier mein überarbeitetes Gedicht:

    Vollmond-Nebel

    Der Vollmond schaut durch Nebelschwaden nieder.
    Im Schleierlicht ruht einsam Feld und Wald.
    Zwei Käuzchen rufen klagend immer wieder:
    „Kuwitt, Kuwitt …“ vom Wipfel mystisch schallt.

    Ein Harley-Fahrer rast mit 100 Sachen
    im Vollmond-Nebel durch die graue Nacht.
    Auf der Chaussee ertönt von fern ein Krachen,
    ein Rehbock wird beim Unfall umgebracht.

    Erst leis, dann heulen dröhnend die Sirenen.
    Der Rettungswagen hat das Ziel erreicht.
    Im Krankenhaus dramatisch, wüste Szenen.
    Das Unfallopfer fühlt sich frei und leicht.

    Freund Hein lässt sich auf seiner Trage nieder:
    „Hab keine Angst, ich nehme Dich jetzt mit.“
    Zwei Käuzchen rufen klagend immer wieder.
    Vom Wipfel mystisch schallt: „Kuwitt, Kuwitt …“

    Liebe Grüße
    Dabschi
    Man trägt das vergangene Schöne wie ein kostbares Geschenk in sich.
    (Dietrich Bonhoeffer)

  2. #17
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    Hallo Dabschi,

    du könntest ja in der Richtung probieren:

    Dann folgt ein Knall bei dem das Blut gefriert,
    die Harley ist mit einem Rehbock kollidiert.

    Dabei verlierst du natürlich den "toten Rehbock" aber die Frage ist, ob du den brauchst. Falls nein, dann ginge vielleicht auch was in der Richtung mit "Straße abkommen, Baum kollidiert".

    Auch die Inversion in S1 Z 4 , falls die dich überhaupt stört, kann angegangen werden:
    Man hört zwei Käuzchen rufen, immer wieder:
    Kuwitt- Kuwitt, das durch die Bäume schallt.

    Da sind eine Menge Möglichkeiten drin, z.B. auch hier:

    das Martinshorn jault, leise, lauter und heran:
    der Sanka jagt zur Notaufnahme hin,
    vom Chaos dort dringt zum verletzten Mann,
    nicht viel hindurch, der Schock dämpft Schmerz und Sinn.

    Der Sensenmann schaut ohne Mitleid auf ihn nieder:
    Kein Arzt kann dir mehr helfen, du kommst mit.
    Durchs offne Fenster aus dem Wald tönt wieder
    stets leiser werdend ein "Ku-Witt Ku-Witt".

    Sry, konnte meinen Spieltrieb grad nicht bremsen.

    lG

    mp
    ........
    whiskey's getting deeper
    and I use it like a moat
    there's a blues man in the distance
    and he's lost inside his note
    ........
    (Savatage)

  3. #18
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    Hallo mp,

    es freut mich, dass Du Deinen Spieltrieb in meinem Gedicht ausleben konntest.

    Ich freue mich auch über Deine weiteren Vorschläge, welche mich nicht alle überzeugen, aber auf jeden Fall werde ich diesen hier übernehmen:

    „Kuwitt- Kuwitt, das durch die Bäume schallt.“
    Den toten Rehbock, der umgebracht wurde, möchte ich, nachdem ich nochmal darüber nachdachte, im Gedicht belassen. Es soll kein erhobener Zeigefinger sein, aber trotzdem an die Vernunft appellieren, sich den Sichtverhältnissen mit dem Tempo anzupassen. In meinem Gedicht wurde der Rehbock also fahrlässig umgebracht.

    Chaotische Fahrer gibt es zur Genüge. Vor Kurzem erst … Wir fahren mit zulässiger Höchstgeschwindigkeit auf einer Landstraße. Der Fahrer hinter uns überholt uns vor einer Kurve, die nicht einzusehen war, mit hoher Geschwindigkeit. Wäre der Fahrer aus dem Gegenverkehr nur Sekunden schneller gewesen, wäre er jetzt vermutlich nicht mehr am Leben und der Unfallverursacher wahrscheinlich auch nicht mehr …

    Hier mein verändertes Ergebnis:

    Vollmond-Nebel

    Der Vollmond schaut durch Nebelschwaden nieder.
    Im Schleierlicht ruht einsam Feld und Wald.
    Zwei Käuzchen rufen klagend immer wieder:
    „Kuwitt- Kuwitt, das durch die Bäume schallt.“

    Ein Harley-Fahrer rast mit 100 Sachen
    im Vollmond-Nebel durch die graue Nacht.
    Auf der Chaussee ertönt von fern ein Krachen,
    ein Rehbock wird beim Unfall umgebracht.

    Erst leis, dann heulen dröhnend die Sirenen.
    Der Rettungswagen hat das Ziel erreicht.
    Im Krankenhaus dramatisch, wüste Szenen.
    Das Unfallopfer fühlt sich frei und leicht.

    Freund Hein lässt sich auf seiner Trage nieder:
    „Hab keine Angst, ich nehme Dich jetzt mit.“
    Zwei Käuzchen rufen klagend hin und wieder,
    was durch die Bäume schallt: „Kuwitt, Kuwitt …“

    Vielen Dank und liebe Grüße
    Dabschi
    Man trägt das vergangene Schöne wie ein kostbares Geschenk in sich.
    (Dietrich Bonhoeffer)

  4. #19
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    Hallo Dabschi,

    Ich habe die Kommentare nur kurz überflogen, deshalb hoffe ich, dass ich jetzt nichts sage, was schon besprochen wurde.

    Ich schreibe auch nur, weil ich das Gedicht auch komisch finde - wie ich jetzt weiß war das nicht beabsichtigt. Ich habe mich beim ersten Lesen gewundert, ob ich wirklich in der richtigen Rubrik bin und habe noch einmal noch oben gescrollt, aber tatsächlich es ist die düstere.

    Also beim ersten Lesen dachte ich, es fehle die Pointe, also so ähnlich: Der Harley-Fahrer - (Warum ausgerechnet Harley-Fahrer? Das sind meist ältere Herren, die ihre sündteuren, schwer zu fahrenden Maschinen, am Sonntag auf Hochglanz polieren und damit dann - ausschließlich bei Sonnenschein - ausfahren und das möglichst gemütlich, damit auch jeder ihr gutes Stück bewundern kann.) - springt von der Bahre auf, klopft Freund Hein dankbar auf die Schulter und die beiden gehen auf ein Bier ... und im Hintergrund sieht man den Rehbock auf dem einsam ruhenden Feld im Schleierlicht äsen, oder so ähnlich

    Freund Hein lässt sich auf seiner Trage nieder:
    „Hab keine Angst, ich nehme Dich jetzt mit.“
    Zwei Käuzchen rufen klagend hin und wieder,
    was bis ins Wirtshaus schallt: „ein Pitt?, ein Pitt!*"



    Lieben Gruß
    albaa

    * ob er das dann allerdings überlebt?

  5. #20
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    Hallo albaa,

    da unterbreche ich doch gerne meinen Osterhausgroßputz, wenn ich auf so lustige Zeilen stoße …

    Ich habe die Kommentare nur kurz überflogen, deshalb hoffe ich, dass ich jetzt nichts sage, was schon besprochen wurde.
    Och, das macht doch nix.

    Ich schreibe auch nur, weil ich das Gedicht auch komisch finde - wie ich jetzt weiß war das nicht beabsichtigt. Ich habe mich beim ersten Lesen gewundert, ob ich wirklich in der richtigen Rubrik bin und habe noch einmal noch oben gescrollt, aber tatsächlich es ist die düstere.
    Jepp, es war düster gemeint. Aber ich lache auch gerne über mich selbst.

    Der Harley-Fahrer - (Warum ausgerechnet Harley-Fahrer? Das sind meist ältere Herren, die ihre sündteuren, schwer zu fahrenden Maschinen, am Sonntag auf Hochglanz polieren und damit dann - ausschließlich bei Sonnenschein - ausfahren und das möglichst gemütlich, damit auch jeder ihr gutes Stück bewundern kann.)
    Hab extra meinen Mann gefragt: „Sag mal, kann ich es so darstellen, dass ein Harley-Fahrer mit 100 km/h in einer Nebelnacht viel zu schnell unterwegs ist?“ Mein Mann meinte: „Ja, für eine Harley sind 100 km/h schon ziemlich schnell.“ Ich hab ja davon leider keine Ahnung. Über 100 km/h kam für die Metrik nicht in Frage.

    Der Knackpunkt – ich wollte unbedingt mitmachen und mir fiel nichts Anderes ein.

    Freund Hein lässt sich auf seiner Trage nieder:
    „Hab keine Angst, ich nehme Dich jetzt mit.“
    Zwei Käuzchen rufen klagend hin und wieder,
    was bis ins Wirtshaus schallt: „ein Pitt?, ein Pitt!*"
    Wenn schon, dann nehme ich lieber ein Bit, ach nö – Bier mag ich nicht. Ich nehme einen Osaftsekt. Oder ist es noch zu früh dafür?

    Hab schöne Ostern im Kreise Deiner Lieben.

    Ich muss jetzt weiterputzen.

    Liebe Grüße
    Dabschi
    Man trägt das vergangene Schöne wie ein kostbares Geschenk in sich.
    (Dietrich Bonhoeffer)

  6. #21
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    Hallo Dabschi

    als Nachtwanderer habe ich nun Zeit mich mit deinem Text etwas intensiver zu befassen. Mich interessiert vor allem der Aspekt warum dein Text eher als "lustiges" Gedicht beim Leser ankommt...obwohl ganz anders von dir gemeint - denn unter diesem Gesichtspunkt bist Du mit deinem Text "gescheitert"...weshalb es sich lohnen könnte da nochmal einen Blick drauf zu werfen.

    Vers 2...der das Unglück schildern soll...ist wohl auch hauptverantwortlich für den literarischen Unfall. Das fängt schon mit der Harley an...die für untertouriges Cruisen steht. Unabhängig davon nennt man besser keine Marken...sondern bleibt allgemein (Biker, Motorradfahrer). Verantwortlich sind aber auch Begriffe wie "rasen", Sachen, krachen,.....das erinnert eher an die Reime von Paulchen Panther.

    ein Rehbock wird beim Unfall umgebracht
    das klingt nach einer Zeile aus der Polizeiakte. Du wirst vom Erzähler zum Berichterstatter...distanzierst dich von deiner eigenen Geschichte. Wenn Du schon deinen eigenen Text nicht "fühlen" kannst...wird auch der Leser kein Mitgefühl entwickeln können. Mehr mit dem Bauch und weniger mit dem Kopf erzählen.


    Im Krankenhaus dramatisch, wüste Szenen.
    Das Unfallopfer fühlt sich frei und leicht.
    Auch dieses Stelle ist dir total misslungen - das gleich mehrere Gründe.

    "das Unfallopfer"...man könnte es "kälter" und distanzierter wohl kaum formulieren

    Ich verrate dir mal ein Geheimnis...das eigentlich kein Geheimnis (mehr) ist: große Filme und Weltliteratur haben etwas gemeinsam: die Autoren ermöglichen den Zuschauern und Lesern eine Beziehung zu den Protagonisten aufzubauen - die Einleitung hat mit der eigentlichen Geschichte nur am Rande zu tun...ist ab er notwendig...damit sich ein Mitfühlen...über das Mitleid hinaus...entwickeln kann. Du bist als Leser/Zuschauer kein Außenstehender...sondern Teil der Familie/Geschichte.

    Wir reden jetzt hier "nur" von einem Gedicht...da ist es kaum möglich in aller Kürze eine solch intensive Beziehung aufzubauen...aber da wo es möglich ist...da sollte man es auch tun.

    Dann sind da noch solche Formulierungen wie "wüste Szenen"...die überhaupt nicht ins Bild passen.

    Du redest vom Unfallopfer...und meinst den Motorradfahrer damit...doch ist bis zu diesem Zeitpunkt der Rehbock das einzige Opfer. Der Motarradfahrer...als Opfer...kommt sozusagen aus dem Nichts. Da fehlt m.E. mindestens ein Vers.

    Bis hierher rede ich von den "groben Schnitzern"...und noch gar nicht vom Handwerk.

    Der Vollmond schaut durch Nebelschwaden nieder.
    Sein Schleierlicht ergraut im Eichenwald.
    Zwei Aussagen..jeweils ein Punkt dahinter. Das hätte man besser lösen können. Davon mal abgesehen: man darf in alle Richtungen schauen (nach oben, nach unten, zur Seite, nach hinten)...ohne ein Ziel benennen zu müssen-doch schaust Du "nieder"...dann kommt die Frage "wohin/zu wem oder was nieder?" Und man schaut nicht nieder...man "blickt" nieder...denn blickt...das sagt schon das Wort....bezieht sich auf den Blick- und der hat ein Ziel. Was heißt das jetzt?

    Der Vollmond schaut durch Nebelschwaden nieder.
    Der Nebel taucht nochmal in V2 auf (im Vollmond-Nebel durch die finstre Nacht)...weshalb Du in V1 auf ihn verzichten könntest. Und auch die Schwaden finden sich im Schlerlicht und in ergraut wieder. Für dich die Möglichkeit zu beschreiben "wohin nieder".....

    nur als Beispiel:

    Der Vollmond blickt zur feuchten Erde nieder,
    sein Schleierlicht ergraut im Eichenwald


    Und wenn Du Mut zur Poesie hast...dann darf der Mond auch niederknien

    Der Vollmond kniet zur feuchten Erde nieder,
    sein Schleierlicht ergraut im Eichenwald

    ....so sorgst Du gleich am Anfang für eine gewisse Dramatik und Dynamik...

    Goethe saß nicht selten (dokumentiert) Tage und Wochen an einem einzigen Satz. Was uns heute so "leicht" erscheint...ist oft das Ergebnis von harter Arbeit- sich das nicht anmerken zu lassen ist die eigentliche Kunst in der Lyrik. Ein eingängiges Lied braucht keine fünf Oktaven...es reicht eine...wenn die Noten/Töne miteinander harmonieren.


    Zwei Käuzchen singen mystisch Klagelieder:
    Kann man mystisch singen? Nein- aber wenn Du mystisch statt mystische schreibst...dann bezieht sich das auf das Singen...und nicht auf die Lieder.

    ...gefolgt von einer....

    „Kuwitt, Kuwitt …“ vom hohen Wipfel schallt.
    ....Inversion

    Und dann noch der "Freund Hein"...in Verbindung mit Kuwitt Kuwitt. Kein Fehler, erinnert aber mehr an ein Kinderlied...das die Oma den Enkeln singt - aber nicht an eine traurige Geschichte...



    Mein Kommentar soll dich bitte nicht verunsichern...oder glauben lassen Du hättest einen miserables Gedicht verfasst. Dein Text ist solide Hausmannskost - nicht weniger, aber auch nicht mehr.

    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  7. #22
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    Hallo A.D.,

    vielen Dank für die Zeit und Mühe, die Du nochmals meinem Gedicht widmetest. Deine kompetenten und sachlichen Kommentare, die für mich sehr hilfreich sind, nehme ich immer ernst. Sie enthalten nie eine Spur von Spott oder Überheblichkeit, was ich in einem Literaturforum als sehr angenehm empfinde.

    Zunächst ein paar allgemeine Worte zu meinem bescheidenen Talent. Mir ist bewusst, dass ich noch viel lernen muss, um mich in der Dichtkunst zu verbessern. Mein Ziel ist es nicht in Goethes Fußstapfen zu treten. Deshalb werde ich auch niemals, so wie er, wochenlang an einem Satz sitzen. Dafür bin ich viel zu ungeduldig und dafür fehlt mir auch die Zeit. Ich könnte ja nie an einem Wettbewerb teilnehmen, wenn ich wochenlang an einem Satz säße. Natürlich bin ich aber im Rahmen meiner Möglichkeiten bemüht, mich weiterzuentwickeln. Wenn ich heute meine Gedichte lese, die entstanden, als ich mit dem Schreiben begann, dann stehen mir oft die Haare zu Berge. Manchmal picke ich mir ein Gedicht heraus und überarbeite es mit neu erlerntem Wissen.

    Deine Kritiken sind nicht unbegründet. Ich habe inzwischen auch andere Vorschläge, die ich gut fand, gerne übernommen. Meine letzte Fassung war diese:

    Vollmond-Nebel

    Der Vollmond schaut durch Nebelschwaden nieder.
    Im Schleierlicht ruht einsam Feld und Wald.
    Zwei Käuzchen rufen klagend immer wieder:
    „Kuwitt- Kuwitt, das durch die Bäume schallt.“

    Ein Harley-Fahrer rast mit 100 Sachen
    im Vollmond-Nebel durch die graue Nacht.
    Auf der Chaussee ertönt von fern ein Krachen,
    ein Rehbock wird beim Unfall umgebracht.

    Erst leis, dann heulen dröhnend die Sirenen.
    Der Rettungswagen hat das Ziel erreicht.
    Im Krankenhaus dramatisch, wüste Szenen.
    Das Unfallopfer fühlt sich frei und leicht.

    Freund Hein lässt sich auf seiner Trage nieder:
    „Hab keine Angst, ich nehme Dich jetzt mit.“
    Zwei Käuzchen rufen klagend hin und wieder,
    was durch die Bäume schallt: „Kuwitt, Kuwitt …“

    Nach Deinen Denkanstößen habe ich mich heute nochmal ran gesetzt und ein paar Änderungen vorgenommen. Hier meine neuste Fassung:

    Vollmond-Nebel

    Der Vollmond blickt durch Nebelschwaden nieder.
    Im Schleierlicht ruht einsam Feld und Wald.
    Zwei Käuzchen rufen klagend immer wieder:
    „Kuwitt- Kuwitt“, das durch die Bäume schallt.

    Ein Bikerfahrer rast mit 100 Sachen
    im Vollmond-Nebel durch die graue Nacht.
    Auf der Chaussee ertönt von fern ein Krachen,
    ein Rehbock hat die Augen zugemacht.

    Erst leis, dann heulen dröhnend die Sirenen.
    Der Rettungswagen hat das Ziel erreicht.
    Das Krankenhaus wird Schauplatz banger Szenen,
    der Bikerfahrer fühlt sich frei und leicht.

    Gevatter Tod kniet langsam vor ihm nieder:
    „Hab keine Angst, ich nehme Dich jetzt mit.“
    Zwei Käuzchen rufen klagend hin und wieder,
    das durch die Bäume schallt: „Kuwitt, Kuwitt …“

    Besser kann ich nicht …

    Mein Kommentar soll dich bitte nicht verunsichern...oder glauben lassen Du hättest einen miserables Gedicht verfasst. Dein Text ist solide Hausmannskost - nicht weniger, aber auch nicht mehr.
    Alles gut.

    Gruß
    Dabschi

    PS: kleine Anmerkung: Ein Unfallopfer muss nicht zwingend tot sein, um als solches benannt zu werden. Ich gebe Dir aber insofern recht, dass meine Darstellung mit dem Unfallopfer verwirrend war, weil es ja bereits schon ein totes Unfallopfer gab, nämlich den Rehbock.
    Man trägt das vergangene Schöne wie ein kostbares Geschenk in sich.
    (Dietrich Bonhoeffer)

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