1. #1
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    Am besten fickt man in der Frühe

    .


    Am besten fickt man in der Frühe.
    Im Halbschlaf bist du nah, zum Greifen.
    Setz ich mich auf den Morgensteifen,
    füllt er mich aus, verblasst die Mühe

    alltäglicher Galeerenmorgen.
    Frühmorgens kann die Lust noch reifen,
    die Fantasie kann ruhig schweifen.
    Bacchantisch sollst du‘s mir besorgen:

    Mein Sklave sei und heiß mich Luder!
    Als wärs für YouPorn lass uns pudern,
    ja, ungezügelt koitieren.

    Laut will ich sein, mich auch nicht zieren,
    dein Sperma auf die Brust zu schmieren -
    bevor um acht wir weiterrudern.






    .
    Geändert von albaa (15.04.2019 um 07:27 Uhr)

  2. #2
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    Liebe albaa,
    das ist herzerfrischend offenherzig und ich begreife endlich, warum spätesten um 9.00 Uhr auf weichen Knien der Gang in die NATO-Pause angetreten wird.
    Ob der Leistungshöhepunkt bereits am frühen Morgen erreicht ist, wage ich zu bezweifeln. Aber - man (Mann) tut was er kann.
    Schau mal, ich habe es um 10.10 Uhr geschafft, mich zu neuen Taten aufzuraffen.
    Liebe Grüße,
    Heinz

  3. #3
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    Hallo albaa

    da ist also das Thema von Frühllingserwachen noch einmal aufs Papier gebracht. ohne Abschweifungen und Sentimentalisierungen.Ich bab nur zwei kleine Einwände. "coitieren" ist die nüchterne, "klinische" Spache der medizinischen Wissenschaft. Passt das zu lustvoller Ungezügeltheit?

    Dann der allerletzte Vers: "bevor um acht wir wieder rudern." Das ans Ende zu stellen, ist etwas matt (will heißen: Achtung Freunde, der Spaß ist vorbei, die Galeere hat uns wieder) Vielleicht bringt es etwas, den Ruder-Vers an die erste Stelle in der letzten Strophe zu stellen und das Gedicht im zieren/verschmieren enden zu lassen.

    (Über die Frage, wie man ein Gedicht beendet, könnte man ein eigenes Buch schreiben. Ein Gedicht darf nicht einfach so versickern, daher müssen die Schlusverse sitzen. Bei Heine endet das oft in einer Pointe. Gottfried Benn gibt in dem Gecicht "Jena" eine Art Fazit, in dem das Geschehen im Gedicht generalisiert wird. So ähnlich macht das auch Goethe in den Schlussversen von "An den Mond": "Selig, wer sich vor der Welt, ohne Hass verschließt...". Sehr originell die Lösung, die meine große Freundin Ingeborg Bachmann in "Die gestundete Zeit" gefunden hat. Die im Gedicht aufgerufenen BIlder werden verkürzt in einer Art Reprise noch einmal durchgespielt.

    In moderner amerikanischer Lyrik habe ich auch schon die Methode entdeckt, die im Gedicht zuvor aufgebaute Illusion am Schluss zerbrechen zu lassen.aber nicht in Witz und Ironie wie bei Heine, sondern in Bitternis und verhaltenem Schmerz (life is hard, my son )

    Hear from you
    Onegin
    Geändert von Onegin (14.04.2019 um 13:56 Uhr)
    Love´s not Time´s fool W. S.

  4. #4
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    Lieber Heinz,

    Mit "herzerfrischend" habe ich nicht wirklich gerechnet.
    Ob morgenaktiv oder nicht, Sex erleichtert das Leben (zumindest so ähnlich
    wie eine Droge ). Vielen Dank für deinen erfrischenden Besuch .

    Lieber Onegin,

    Eigentlich habe ich diesen Text wegen Perrys Kommentar zu (Frühlings)Erwachen geschrieben; weil er die sexuellen Andeutungen dort "mittelmäßig" fand.

    Und plötzlich hatte ich ein intellektuelles Paar vor Augen, das Lyrik liest und (heimlich) YouPorn schaut. Und dann war da eben noch Brechts "pornografische Sachlichkeit" in seinem Gedicht "Sauna und Beischlaf", deshalb auch die Form des Sonetts. Diese Form lässt natürlich wenig Platz, sodass vermutlich meine Andeutungen bei meinen Möglichkeiten nicht reichten, meine Absicht ausreichend deutlich zu machen.

    Ich dachte aber doch, dass der Abschlussvers sitzt, weil Galeere und Sklave - ja bereits vorkommen.

    Das Spiel mit "pudern-koitieren" ist natürlich beabsichtigt. Es soll die Ironie (Lächerlichkeit) unterstreichen, dass sich hier zwei Kopfmenschen (die im übrigen auch statt "geil" auch "bacchantisch" sagen/denken) beim frühmorgendlichen Sex in die "Tiefen" der Pornografie begeben wollen, um für ein paar Momente ihre Zwänge/Rollen vergessen zu können.

    Danke für deine Besprechung, ich werde vermutlich nicht mehr an dem Text arbeiten, weil es einfach ein Spontangedicht war, aber ich werde mich bestimmt noch eingehend mit deinen interessanten Ausführungen zum Abschluss von Gedichten beschäftigen.

    Lieben Gruß
    albaa

  5. #5
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    Grüß dich albaa,

    der Schlusssatz sollte trotz deines erklärten Nicht-Mehr-Beschäftigen-Wollens abgeändert werden. Die Inversion lahmt.

    Mach hin . Um Acht heißts weiterrudern.

    oder so in der Art

    lG

    mp
    ........
    whiskey's getting deeper
    and I use it like a moat
    there's a blues man in the distance
    and he's lost inside his note
    ........
    (Savatage)

  6. #6
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    Hallo mp,

    Danke für deinen Hinweis, bei so sarkastisch/humoristischen Sachen stören mich Inversionen nicht wirklich und "lahm" ist auch ok, dagegen klingt in meinen Ohren "heißt's" zu "laut" zu "anpackend", und es fehlt auch eine Hebung, was zu verkraften wäre.

    Die Inversion gegen eine auch nicht sehr elegante Elision einzutauschen, erscheint mir auch nicht das Gelbe vom Ei zu sein. Ich wollte, dass an dieser Stelle ein bisschen kleinen Hex' anklingt: morgens früh um sechs / kommt die kleine Hex' //morgens früh um acht /wird Kaffee gemacht, also da fällt mir jetzt ein Vers ein:

    "Um acht Kaffee und weiterrudern." - davor ein Punkt; wir hier betonen kaˈfeː

    aber es ginge natürlich auch ganz einfach:

    bevor wir später weiterrudern.

    Ist was dabei?

    Lieben Gruß
    albaa

  7. #7
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    Hallo albaa,

    oder "ab Acht Kaffee, dann weiterrudern."

    lG

    mp
    ........
    whiskey's getting deeper
    and I use it like a moat
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