Drei Zeiten des Dichters

Den jungen Dichter treibt der Mut,
Auch Übermut als Möglichkeit.
Er ist dabei kaum auf der Hut,
Findet für Sprache alle Zeit.

Bisweilen trägt ihn auch die Liebe –
Verquer steh'n junge Leidenschaften.
Manchmal will er, dass sie ihm bliebe,
Doch er muss weiter, kann nicht rasten.

Im Mittalter glänzt dann der Dichter
Mit Worten, die nun wohl gesetzt,
Vermittelt Werte, es wird dichter,
Der Wortsinn mit Feinheit benetzt.

Mitunter findet er auch Worte,
Die unsere Sprache nicht gekannt,
Weil er so tief hinein sich bohrte,
Wie kaum jemand im ganzen Land.

Viel Wissen ist jetzt eingeflossen
In diese mittlere Dichterzeit,
Wo alles wird vom Wort begossen,
Was zu Sprachkünsten frei bereit.

Und Sanftmut erst im Alter wirkt,
Die Schöpfung weise ihm erscheint:
Je weiter die Zeit sich entbirgt,
Desto mehr sie ein Sehnen eint.

Das späte Schreiben dient ihm jetzt –
Gegen den Tod wild anzuschreiben.
Doch sind die Zeiten längst gesetzt,
Die unaufhaltsam weitertreiben...


©Hans Hartmut Karg
2019

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