Thema: der Tod

  1. #1
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    der Tod

    Heimtückisch hast du uns umschlichen,
    wie ein Raubtier seine Beute.
    Gleich wie die Spinne ihre Netze
    weit umspannt,
    damit die Opfer sich darin verkleben.
    So hast auch du, Tod, dich herangepirscht;
    dich fortzuschreien war vergebne Müh'!
    Und wie der Fischer seinen Fang
    im Netze stolz nach Hause trägt,
    führtest auch du die eine Seele
    heim in dein Reich der tausend Lieder...
    von weit her hör' ich den Gesang -
    mein Herz droht zu zerreissen -
    denn in diesem grossen Chor der Stimmen,
    entnehm' ich zarte Töne meines Liebsten...
    ach Tod, warum? warum?
    Geändert von e.horat (29.05.2019 um 14:05 Uhr)

  2. #2
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    Hallo E.horat,

    Es fällt mir schwer, bei einem Gedicht, das wie Deines den Tod mit barocker Wucht bei den Hörnern nimmt, mich auf rein ästhetische Erwägungen zu beschränken. Aber da Du es öffentlich zur Debatte gestellt hast, sei es drum: Ich glaube, das Gedicht wird besser, je weiter man in es hineinliest. Der Tod sls Raubtier, das ist vielleicht nicht das originellste Bild, auch wird zunächt nicht ganz klar, wer eigenlich hier vom Tode bedroht wird. Das LI oder "der Liebste". Dass der Tod aber ein Reich der tausend Lieder regiert, habe ich ich noch nicht gelesen, das ist innovativ und dass das LI in diesem Chor die Stimme des Liebsten vernimmt, ist sehr anrührend. Vielleicht hat das LI auch Angst, dass diese Stimme in dem vielstimmigen Chor bald untergeht?
    Der letzte Vers mit verkürzter Silbenzahl bringt das metaphysische Rätsel auf den Punkt, warum, warum? Darum endet das Gedicht wirkungsvoll auf seinem Höhepunkt, nämlich bei der Frage, die aller Beschäftigung mit dem Tode zugrund liegt.

    Wie schon angedeutet, das Gedicht hat in meinen Ohren barocke Wucht und baockes Pathos, allerdings ohne den Trost der Religion herbeizurufen. Es hält trotzdem in seiner Durchgeformtheit und dem klaren Aufbau dem Tode stand. Das ist doch kein kleines Verdienst

    Gruß Onegin.
    Love´s not Time´s fool W. S.

  3. #3
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    Danke Dir, Onegin!

    Ich bin sehr dankbar um jede gute Kritik..Ich werde es mir überlegen, wie ich den Tod anders als ein Raubtier benennen könnte. Auch, wie ich es anders gestalten kann, damit klar herausgeht, wer (anfangs) gemeint ist. Für Vorschläge bin ich sehr empfänglich.

    Danke nochmals und liebe Grüsse
    Esther

  4. #4
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    Hallo Esther,


    für die Aufgabe zwei musst Du nur das "mich" in Zeile 1 durch ein "uns" oder "ihn" ersetzen. Vielleicht liegt der Trick mit den Raubtierbildern darin, diese nicht mit allzu erwartbaren Attributen auszustatten und sie so konkret wie möglich zu formulieren. Also Löwe statt Raubtier. Dann nicht über Pranken und Zähne sprechen, weil zu naheliegend und damit zu langweilig. Aber wie sah das Auge des Löwen beim Anschleichen aus, wie war sein Gang, Oder Du denkst bei Raubtier an ein Kätzchen. Ein Kätzchen, das Du jeden Tag auf Deiner Terrasse siehst (konkret) und das eines Tages ein Amselküken im Maul hat....

    (Ich musste mich beruflich mal mit dem Schreiben von Reportagen beschäftigen. Da hat man mir so etwas beigebracht.)

    Lieber Gruß
    Onegin
    Geändert von Onegin (24.04.2019 um 12:15 Uhr)
    Love´s not Time´s fool W. S.

  5. #5
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    Hallo Onegin,

    ich habe mein Gedicht "der Tod" verändert. Wie findest Du es jetzt? Dein Kommentar wäre mir sehr hilfreich. Danke
    Esther Horat

  6. #6
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    Hallo Esther,

    leider ist mir die ursprüngliche Version nicht mehr präsent. Ich glaube, dass es immer noch so ist: Je mehr man in das Gedicht hineinliest, um so besser wird es. Es gibt ein paar kleinere sprachliche Fehler, die leicht zu beheben sind
    Die Spinne spannt ihr Netz auf nicht um.

    Die Opfer verkleben sich kann man, will mir scheinen, nicht sagen. Sie verfangen sich...


    Wichgiger: Du hast zwi Bilder über den Tod ineinandergefügt, die nicht zueinander passen. Die Spinne stellt ihre Netze, sie ist aber keine Pirschjägerin. Das ist der Jäger und vielleicht noch der Löwe

    Mit dem Tod sls Jäger hast Du den Tod auch wieder ein Stück weit humanisiert und ihm etwas von seinem Schrecken genommen. Das lag aber wohl nicht in Deiner Absicht. Ich würde das Spinnenbild weiter ausbauen.Die Spinne hat sechs oder acht gruselige Augen, denen wie dem Tod nichts entgeht.Vielleicht kannst Du einen Vers in dieser Art machen....

    Ich bin gespannt, ob ind wie sich das Gedicht noch verändern wird.

    Liebe Grüße

    Onegin
    Geändert von Onegin (30.05.2019 um 01:25 Uhr)
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  7. #7
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    danke, werde mal schauen... vielleicht hats sichs für mich aber schon zu sehr "verheddert".
    mit Guten wünschen
    Esther

  8. #8
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    Hallo Esther,

    diese kleingehäckselten Argumentationen über die Stimmigkeit oder Nichtstimmigkeit von Vergleichen können einen aber auch ganz mutlos machen. Im Grunde geht es meiner Ansicht nach darum, das Raubtier laufen zu lassen und dem Jäger die Entlassungspapiere auszuhändigen. Wir erinnern uns, viele Spinnen haben acht Augen.

    Heimtückisch hast du uns umschlichen,
    wie ein Raubtier seine Beute.
    Gleich wie die Spinne ihre Netze
    weit umspannt,
    damit die Opfer sich darin verkleben.
    So hast auch du, Tod, dich herangepirscht;
    dich fortzuschreien war vergebne Müh'!
    Und wie der Fischer seinen Fang
    im Netze stolz nach Hause trägt,

    Aufgelauert hast du uns, achtäugiger Tod,
    dem niemand entkommt
    denn wie die Spinne verborgen
    ihr Netz den Arglosen webt
    so hast Du, Gefräßiger,
    uns die Falle gestellt
    Dich fortzuschreien war vergebne Müh
    Und wie der Fischer den Fang
    stolz nach Hause trägt....


    Vielleicht gefällt Dir mein Vorschlag, vielleicht findest Du auch eine viel bessere Version...

    Tod, wo ist dein Stachel?

    Liebe Grüße Onegin
    Geändert von Onegin (06.06.2019 um 00:35 Uhr)
    Love´s not Time´s fool W. S.

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