1. #1
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    Der Tag bricht an

    Durch das Dunkel
    rumpeln Güterzüge
    sirren Warmwasserboiler
    rollen Pendlerströme
    einer ungewissen Zukunft entgegen

    In dem Dunkel
    quaken Froschkönige
    schleichen Schneckenhausträger
    platzen Krötenleiber
    unisono auf dem Weg ins Glück

    Unbekümmert steigt hell
    danach die Sonne
    über dem Schlachtfeld auf
    Weit ab sträubt sich
    ein Kinderlachen

    Der Tag bricht an
    Geändert von kaspar praetorius (23.04.2019 um 07:49 Uhr) Grund: Divese Kritiken, s.u.

  2. #2
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    Die Sonne geht über allem und allen gleichermassen auf. Zunächst las ich hier drei Schauplätze. Jetzt frage ich mich, ob es an ein und demselben wirklich so widersprüchlich wäre. Ich mag die Art, wie du den Morgen beschreibst. Wenn du noch das einsame Komma und das 3. R bei "sirren" entfernst, ist das ein formal rundes Ding mit inhaltlich interessanten Kanten. LG gugol

  3. #3
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    Lieber kaspar,

    Ja, das gefällt mir auch sehr gut. Das Leben ist meist banal, und wenn es nicht banal ist, ist es überwiegend leidvoll, vor allem wenn man das "große Leid" in die Waagschale wirft, müsste man eigentlich verzweifelt. Der normale Mensch verdrängt, der Dichter auf seinem Logenplatz schreibt sich den Ekel von der Seele.

    In S1 wird die (beruhigende) alltägliche Banalität geschildert, aber die "ungewisse Zunkunft" lässt nichts Gutes ahnen.

    Das tierisiche Verhalten in S2 ist dann wohl "den Menschen im Dunkel" (wegen der ungewissen Zukunft) zuzuschreiben. Der Ekel entlädt sich raffiniert (zynisch) über die "platzenden Warzenleiber", als Überleitung zum Kriegsleid, das wohl auch die quakenden und schleichenden Könige zu (mitzu)verantworten haben; es trifft sie letztlich aber auch selbst ("unisono" wie die Lemminge).

    Noch was vielleicht:
    S2V2: "Krötenkönige"
    S3V1, 2: "hell" oder "brennend" - eher das zweite - weglassen oder überhaupt beide, oder "unbekümmert / steigt die Sonne / über dem Schlachtfeld / sträubt sich ein Kinderlachen"
    S3V4: jedenfalls "leise" weg, damit wäre auch der Bezug zu unbekümmert deutlicher


    Lieben Gruß
    albaa
    Geändert von albaa (18.04.2019 um 10:02 Uhr)

  4. #4
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    Hallo Kaspar,
    mir gefällt die doppelung der könige nicht, weiss nicht ob majestäten oder kaiser nicht auch passen könnte.

    ist aber nicht wichtig (die sonne lacht auch in ge, meine tochter überstand grade eben ihre op)
    und unbekümmert fahre ich gleich zum arbeitsberg;

    lg vom GE-wicht
    " wir stehen noch am anfang, alles ist möglich, wir träumen nur nicht groß genug." - noel fizpatrick-
    (24 std. nachdem cockerpoo henry den genickbruch operiert, einzementiert überstanden hatte und gassi auf der wiese machte)

  5. #5
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    danke, leute, so viel resonanz macht nachdenklich
    kp
    Kinder, jetzt gilt's ernst!
    Sie quatschen im Cybertalk
    über Cybersex.

    (StadtHaiku)

  6. #6
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    sachte? ist das dein ernst? danach? schade um die gleichzeitigkeit.
    die lösung in s2 ist genial.
    Geändert von albaa (18.04.2019 um 11:05 Uhr)

  7. #7
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    nein, ist es nicht. aber was stört denn am "leise"?
    kp

  8. #8
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    weil mir, also mir wohlgemerkt, der bezug zu unbekümmert wichtig erscheint, und leise oder sacht oder was auch immer bildet eine panzersperre zu diesem bezug. ich erkenne auch sonst keine grund für so ein adjektivisches füllsel an dieser stelle, oder übersehe ich einen metrischen grund?



    später edit: also wenn dir die art wie das lachen von den kämpfern am schlachtfeld (?) wahrgenommen wird ( also jedenfalls dann nicht sachte) wichtig ist, dann stell leise nach; gefiele mir auch.
    Geändert von albaa (18.04.2019 um 11:27 Uhr)

  9. #9
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    Hallo kp,
    die "ungewisse" Stimmung spricht mich an, auch wenn Pendlerzüge, wie der Name schon sagt, immer zwischen gleichen Orten hin und her fahren. "Platzende Frösche" gehören wohl mehr in den Bereich von Märchenfantasien, auch wenn der Bogen zum "verstörten Kinderlachen" auch irgerndwie passt. Das "Schlachtfeld" ist mir persönlich als Schlussbild zu marzialisch, auch weil es ja nur ein Morgenstimmungsbild ist, wenn auch ein etwas beängstigendes.
    Insgesamt regt der Text die Fantasie an und erfüllt deshalb seinen Zweck gut.
    LG
    Perry

  10. #10
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    Ein Schlachtfeld im Dreissigjährigen Krieg hat wohl nicht viel anders ausgesehen als eine Landstrasse heute an einem frischen Morgen. Danke aber für diesen Hinweis.
    KP

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