1. #1
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    Der Stuhl auf dem Dach

    In der Ferne steigen Rauchwolken auf.
    Vereinzelte Stimmen werden laut,
    Schall und Rauch in einem brennenden Inferno.
    Wahre Werte sind plötzlich im hellen Schein
    drohender Vergänglichkeit erkennbar.

    Eine altehrwürdige Dame schwebt über Paris,
    die Stadt der Liebe.
    Sie raucht und schwelgt einsam in Erinnerungen.
    Sofort wird sie von tausenden von Fotographen umringt
    und sie zeigt ihr letztes Leuchten und Strahlen.

    Die Wirklichkeit erscheint als Idee dahinter,
    und der Friede ist längst in die Jahre gekommen.
    Er fällt vielen zunehmend schwerer.
    Stühle rücken gefährlich nach rechts,
    und viele Gesäße rutschen sich in stiller Ungeduld wund.

    Ein Minarett muss erst einknicken,
    um die fragile Idee in allen wachzurufen.
    Bilder gehen um die Welt,
    und Politiker surfen plötzlich auf einer Monsterwelle
    des Mitgefühls und der tiefen Ergriffenheit.

    Die beherzte Rauchentwöhnung war sichtlich erfolgreich,
    und die Alte Dame ist nach einer feurigen Anstrengung
    etwas in sich zusammengesunken.
    Sie stand vielen mutigen Männern mit ihren langen Schläuchen gegenüber.
    Noch ist sie oben ohne, abgespritzt. Man wird ihr ein Deckchen umhängen müssen.

    Schnell ist alles wieder geregelt. Neue Helden sind geboren.
    Die Glut wurde gelöscht und der Stuhl hat sich verdünnflüssigt.
    Der Termin für die Schönheitsoperation wurde bereits festgelegt,
    staatsmännisch. Man kann getrost auf den Katastrophentourismus bauen,
    der sofort eine neue Stilikone gefunden hat.

    Schon ist ein neuer Glanz entstanden, im Aufbaugeist,
    denn die Konkurrenz der Ablassspenden ist entflammt.
    Sie hat lichterloh Feuer gefangen,
    alles kann in vollem Umfang abgesetzt werden.
    Fromme Gesänge werden angestimmt:

    Je suis ma grand dame,
    je suis Paris, mon espoir, mon amour,
    je suis Madame Notre Dame.
    Geändert von Anjulaenga (22.04.2019 um 09:30 Uhr)

  2. #2
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    Ja, Stühle rücken leider nach Rechts, weil der soziale Unmut in der Bevölkerung anschwillt. Aber warum? Weil Vetternwirtschaft und Korruption das soziale Miteinander immer mehr erschweren.
    Und dann verbrennt eine alte Dame. Und noch eh die Flammen erloschen sind regnet es Hass weil Vermutungen von Vorurteilen entsendet werden. Und es regnet Geld, um sich selbst auf die Brust klopfen zu können. Und natürlich darf man die einstudierte Betroffenheit nicht vergessen, welche machtpolitisch instrumentalisiert wird.

    Mir gefällt dein Werk gut!
    © Ralf Rutz

  3. #3
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    Lieber Ralf Rutz,

    danke für deinen Kommentar und deine ergänzenden Ansichten zu dem großen Brand. l.G.A

  4. #4
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    Hallo Anjulaenga,
    mir gefällt es auch, gut, den angespitzten Finger draufgelegt. Leidvoll war es, den Dachreiter fallen zu sehen, die "Alte Dame"hat ja schon viel mitgemacht. In der Vergangenheit R -war es aber bedeutend drastischer. Profunder Kommentar von Ralfrutz, dem ich mich vollkommen anschließe.
    Frohe Ostern&Beste Grüße
    lautmaler

  5. #5
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    Lieber lautmaler,

    dem Kommentar an Ralfrutz schließe ich mich vollkommen an,
    frostern zurück,

    L.G.A.

  6. #6
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    Hallo Anjulaenga,
    ich bin traurig, dass die"WSituation" einem SpielCasino in Las Vegas gleicht. Auch die Aufteilung ist es. Sind wir alle wirklich noch nicht bereit, um zu erkennen, wie schlimm es um UnsereErde "bestellt" ist?
    Beste Grüße
    lautmaler

  7. #7
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    Hallo Lautmaler!

    Um die Erde ist es nicht schlimm bestellt, allenfalls um unsere Überlebenschancen und in erster Linie um unser bequemes Leben... wir können uns nur schwerlich neuen Bedingungen anpassen.
    © Ralf Rutz

  8. #8
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    Hallo Ralfrutz,
    danke für die Konkretisierung, ja, kann man so sehen.
    Mein Kommentar gehört allerdings an andere Stelle, da ging was schief, habe ich hier versehentlich eingeschrieben, sorry.
    Beste Grüße
    lautmaler

  9. #9
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    Ihr Lieben.

    ja, um diese Welt ist es wirklich schlecht bestellt.
    und wir schreiben eifrig, damit sie sich erhellt / erhält.
    und stecken dazu in der Notre Dame irgendwann
    auch mal ein kleines Kerzchen für uns an.

    L.G.A.

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