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  1. #1
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    Die Probleme unserer Zeit - Zwischen Hysterie und berechtigter Sorge

    Schönen Abend und Hallo zusammen!

    Ich möchte hier eine kleine Diskussion ansto?en, da mich eure Meinungen interessieren.

    Wir leben in einer paradoxen Zeit: Objektiv ging es uns aka der Menschheit nie besser - die Medizin hat uns ein unbeschwerteres und längeres Leben in Gesundheit ermöglicht, die Technisierung hat uns mühsame körperliche Arbeiten erleichtert oder gar abgenommen, die Telekommunikation hat uns global vernetzt und jeden einzelnen mit einer zu früheren Zeiten undenkbaren Menge an Informationen versorgt. Und dennoch - sei es berechtigt oder nicht - haben wir Ängst vor der Zukunft und vor der Gegenwart. Die Flüchtlingsbewegung 2015 hat - berechtigte und unberechtigte - Sorgen hervorgebracht, die aber auch davor schon unter der Oberfläche schwelgten: Nationalismus gewinnt an Bedeutung, Links- und Rechtsextremismus verschärft sich. Trotz einer nie so niedrigen Kriminalitätsrate steigt die Sorge vor Verbrechen, Strafrecht wird verschärft, Bürgerrechte, Privatsphäre und Datenschutz unter Jubel der Bevölkerung beschränkt. Religiöse Fundamentalisten sind im Aufwind. Rechte von Frauen, Minderheiten wurden zwar stets verbessert, doch wird dies mittlerweile immer lauter hinterfragt oder gar abgelehnt. Die Ansichten der jüngeren Generation stoßen bei Themen wie Arbeit (Work-Life-Balance, Brexit, ...) immer häufiger mit jenen der Älteren zusammen. Trotz der unbestreitbaren Fortschritte der Medizin und der Wissenschaft steigt die Anzahl derer, die diese Ergebnisse bezweifeln oder offen Ablehnen - seien es die Impfgegner oder die Warnungen vor dem Weltuntergang ob der Experimente im CERN. Andere Probleme, insbesondere Umweltprobleme angefangen bei dem Bienensterben, der Verschmutzung des Ozeans oder dem Klimawandel, erfordern zunehmend globale Anstrengungen und Lösungen, die mit zunehmendem Nationalismus erschwert werden.


    Was sind eurer Meinung die größten globalen Probleme? Welche Probleme haltet ihr für über- oder unterschätzt? War die Angst immer schon ein Begleiter der Menschheit? Hat die Menschheit gar ihren Aufstieg ihrer Angst zu verdanken? Welche Themen schätzt ihr dringlicher ein - den gesellschaftlichen Wandel oder die Umwelt? Welcher gesellschaftliche Wandel wird stattfinden (müssen) und was ist die Folge?

    Impulszitate:
    Hier als Anregung zur Diskussion eine Zitate:

    "In dem Maße, in dem das Handwerk durch die Konkurrenz der Industrie ausgerottet wird und in dem der kleinere Unternehmer, einschließlich des Bauern, existenzunfähig wird, sind wir alle ganz einfach gezwungen, uns in unserer Lebensführung den Wünschen der Großproduzenten zu fügen, die Nahrungsmittel zu fressen und die Kleidungsstücke anzuziehen, die sie für uns für gut befinden, und was das Allerschlimmste ist, wir merken kraft der uns zuteil gewordenen Konditionierung gar nicht, daß sie dies tun." - Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit (1973), zitiert nach 29. Aufl., München 2002, ISBN 3-492-20050-8, S. 96

    "Jeder Tag weiter bestehenden exponentiellen Wachstums treibt das Weltsystem näher an die Grenzen des Wachstums. Wenn man sich entscheidet, nichts zu tun, entscheidet man sich in Wirklichkeit, die Gefahren des Zusammenbruchs zu vergrößern." - Dennis L. Meadows, Die Grenzen des Wachstums. Ãœbersetzer: Hans-Dieter Heck. Stuttgart 1972. ISBN 3-421-02633-5
    "Wir haben ein System, das zunehmend Arbeit besteuert und Erwerbslosigkeit bezuschusst." - Milton Friedman, [U.S. News and World Report, 7. März 1977
    "Denn nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein." - Kurt Tucholsky, "Die Verteidigung des Vaterlandes", in "Die Weltbühne", 6. Oktober 1921, S. 338f
    "Man muss sich der Zeit anpassen." - Seneca d.J., Medea
    "Sind die Zeiten schlecht, wächst die Sehnsucht nach Luxus." - Wolfgang Joop, Stern Nr. 52/2008 vom 17. Dezember 2008, S. 126
    "Sie litten alle unter der Angst, keine Zeit für alles zu haben, und wußten nicht, daß Zeit haben nichts anderes heißt, als keine Zeit für alles zu haben." - Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften. In: Robert Musil, Gesammelte Werke in Einzelausgaben, herausgegeben von Adolf Frisé, Rowohlt Verlag, Hamburg 1957, S. 1077, Internet Archive
    "Aber wer bewacht die Bewacher?" - Juvenal, Satiren (Satirae, Satyrae) VI, 347f
    (Original lat.: "sed quis custodiet ipsos custodes?")
    "Große Dinge sind immer mit großen Gefahren verknüpft." - Xerxes I., überliefert von Herodot, Historien
    "Mir ist die gefährliche Freiheit lieber als eine ruhige Knechtschaft." - Jean-Jacques Rousseau, Vom Gesellschaftsvertrag, Band III, Kapitel 4
    "Ein Philosoph hat einmal behaupet: "Naturwissenschaft setzt notwendig voraus, dass gleiche Umstände immer auch gleiche Auswirkungen haben." Nun, dem ist nicht so." - Richard Feynman zitiert in Tony Hey und Patrick Walters: Das Quantenuniversum, Spektrum, Heidelberg 1990, ISBN 3-8274-0315-4 Kapitel 2 "Heisenberg und die quantenmechanische Unbestimmtheit" "Seite 33.
    "Nicht neuer Kontinente bedarf es auf der Erde, sondern neuer Menschen!" Jules Verne, 20.000 Meilen unter dem Meer
    "Gerne glauben die Menschen das, was sie wollen." - Julius Caesar, Der Gallische Krieg, 3, 18, 6
    "O Zeiten! O Sitten!" - Cicero, In Catilinam (Catilinarische Reden) I, I, 2 (und anderen Stellen), übersetzt von Büchmann, Seite 372
    "Jedem Menschen unterlaufen Fehler, doch nur die Dummen verharren im Irrtum." - Cicero, Philippica (Philippische Reden gegen M. Antonius) XII, II, 5
    "Wir haben die Geschwindigkeit entwickelt aber innerlich sind wir stehen geblieben. Wir lassen Maschinen für uns arbeiten und sie denken auch für uns. Die Klugheit hat uns hochmütig werden lassen, und unser Wissen kalt und hart. Wir sprechen zu viel und fühlen zu wenig." Filmzitat aus Der große Diktator
    Geändert von MisterNightFury (23.04.2019 um 23:52 Uhr)

  2. #2
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    Hallo MisterNightFury

    Interessante Zitate, die du da anbringst, man könnte wohl noch hunderte davon hinzufügen. Das Thema finde ich super, denke auch ab und zu darüber nach. Zum momentan untersten Zitat aus Der große Diktator
    Wir lassen Maschinen für uns arbeiten und sie denken auch für uns.
    würde ich hinzufügen: Wir verstehen unsere Maschinen nicht. Mir wurde neulich gesagt, dass im Gegensatz zum Beispiel zum Mittelalter die Leute zwar nicht unbedingt mehr wissen müssen, sich aber Informationen einfach beschaffen können. Kochrezepte, Lebensdaten etc. Alles ist auffindbar. Aber wenn ich beispielsweise wissen möchte, wie ein Computer genau funktioniert, so komme ich wohl bald an Grenzen. Das aber nur so nebenbei.

    Wenn du mich fragst, ist eines der heutigen Probleme der aufgeblähte Verwaltungsapparat, der Papierkrieg, die Bürokratie. Hier wäre Veränderungsbedarf. Man müsste es schaffen können, dass jedem Menschen auf der Erde die Grundlagen zur Verfügung stehen, dass er oder sie leben kann, und zwar ohne grosse Abklärungen. Wenn ich bedenke, wie viel Energie darauf verwendet wird, finanzielle Mittel zu verwalten, sei das in Banken oder Versicherungen oder was weiss ich, dann sehe ich hier ein Problem. Ich fände es sinnvoller, jedem Menschen die Lebensgrundlagen zur Verfügung zu stellen und in Kauf zu nehmen, dass einige Ferien machen, als den Papierkrieg noch weiter zu dulden. Dies ist meine Meinung. Ich habe zwar schon lange darüber nachgedacht, sie aber noch nie offen diskutiert. Ich denke also, dass hier einige Einwände möglich sind. Hinweise sind gerne willkommen...

    LG

    Ali

  3. #3
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    Hallo MisterNightFury

    ja, ein interessantes Thema...aber gerade deshalb sollte man es so weit es geht versachlichen. Du gehst es...ohne dir dessen bewusst zu sein...linkspopulistisch an. Beispiel:

    Trotz einer nie so niedrigen Kriminalitätsrate steigt die Sorge vor Verbrechen, Strafrecht wird verschärft,
    Wie kommst Du zu so einer Aussage? Erstens ist "niedrig" relativ....und zweitens ist die Kriminalitätsrate im Vergleich zum Vorjahr zwar leicht gesunken...aber von einem sehr sehr hohen Level ausgehend. Ich kenne viele Polizisten...und die werden dir etwas ganz anderes erzählen. Viele Straftaten werden (ganz bewusst) statistisch njicht erfasst...z.B. Messerattacken gegenüber Polizisten - die tauchen in keiner Statistik auf. Die Polizei fordert seit Jahren...und das sehr energisch...dass solche Straftaten statistisch erfasst werden.


    Ich will das nicht weiter vertiefen und komme zum nächsten Punkt:

    Objektiv ging es uns aka der Menschheit nie besser - die Medizin hat uns ein unbeschwerteres und längeres Leben in Gesundheit ermöglicht,
    Das ist eine Behauptung, bestenfalls eine These. Fakt ist...wir leben länger...aber was hat das mit "unbeschwert" zu tun? Die Studien dazu sagen etwas ganz anderes aus...

    Gerade weil wir so gut vernetzt und über alles informiert sind...beschwert das den ein oder anderen. Vor zwanzig Jahren wusstest Du nicht so genau was da in Afrika und anderswo abgeht. Vielen geht es potentiell gut, aber da sie an jeder Ecke vom Leid anderer erfahren...bedrückt sie das.

    die Technisierung hat uns mühsame körperliche Arbeiten erleichtert oder gar abgenommen, die Telekommunikation hat uns global vernetzt und jeden einzelnen mit einer zu früheren Zeiten undenkbaren Menge an Informationen versorgt. Und dennoch - sei es berechtigt oder nicht - haben wir Ängst vor der Zukunft und vor der Gegenwart
    Vorweg: Angst vor der Zukunft hatte man zu jeder Zeit - das liegt in der Natur des Menschen. Wir kennen die Zukunft nicht, egal was uns diese auch verspricht - und vor dem, das wir nicht kennen, hatten wir schon immer Angst.

    Wohl ist es richtig, dass die Technik uns vieles erleichtert und abnimmt - aber richtig ist auch, dass wir gerade damit...dieses nZeit zu füllen...die größten Probleme haben. Soziologen und Zukunftsforscher sagen, dass die Freizeitgestaltung die größte Herausforderung der Zukunft sein wird. Unabhängig davon: Aktuelle Studien zeigen, dass wir heute gestresster sind denn je...obwohl uns theoretisch mehr Zeit zur Verfügung steht...uns Maschinen vieles abnehmen. Ob ich nun mit Freunden, Familie oder Kollegen am Tisch sitze...ausser mir ist jede/mit seinem Handy beschäftigt- sie merken das gar nicht...und ich nur...weil ich mit meinem Handy ausschließlich telefoniere...oder es als Wecker benutze. Alle anderen sind gestresst...weil sie permant Nachrichten bekommen...auf die sie in irgend einer Form reagieren müssen.

    Die Ansichten der jüngeren Generation stoßen bei Themen wie Arbeit (Work-Life-Balance, Brexit, ...) immer häufiger mit jenen der Älteren zusammen.
    Ein alter Hut...einen solchen Generationenkonflikt gab es zu jeder Zeit-nur der Stein des Anstoßes ist dann jeweils ein anderer.


    Trotz der unbestreitbaren Fortschritte der Medizin und der Wissenschaft steigt die Anzahl derer, die diese Ergebnisse bezweifeln oder offen Ablehnen - seien es die Impfgegner oder die Warnungen vor dem Weltuntergang ob der Experimente im CERN. Andere Probleme, insbesondere Umweltprobleme angefangen bei dem Bienensterben, der Verschmutzung des Ozeans oder dem Klimawandel, erfordern zunehmend globale Anstrengungen und Lösungen, die mit zunehmendem Nationalismus erschwert werden.
    Das ist auch gut so! Betrachte anderslautende Meinungen als eine Art Kontrolle...oder Revision. Empirisch gesehen war die Mehrheit in der Nachbetrachtung nur selten im Recht. Gerade in der heutigen Zeit...wo man sich auf die Journalisten nicht mehr verlassen kann...sollte man sehr kritisch mit Informationen umgehen. Auch unsere Studenten kannst Du in der Pfeife rauchen - ein unkritischer, egoistischer Sauhaufen...mit wenigen Ausnahmen. Ist doch ein Schande, dass ein vierzehnjähriges Mädchen namens Greta die eigentliche Aufgabe der Studenten übernehmen muss - die klagen lieber über zu schwere Matheaufgaben. Für unsere Studenten schäme ich mich fast jeden Tag.

    -------------------------Schluß für heute, vielleicht später mehr-------------------------

    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  4. #4
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    Das grösste Problem ist dass alle darüber diskutieren was das grösste Problem ist und keiner was macht. So wie in Lightnings Videohinweis auf die Rede des kleinen Mädchens vor der UNO? Und dabei vergessen wir die ganzen kleinen Probleme an denen es mehr hakt, weil wir daran schon gewöhnt sind. Und dass ich überhaupt noch was sagen darf ist auch ein ziemlich globales Problem.
    Geändert von Terrorist (09.05.2019 um 20:17 Uhr)
    Der Roman: "Verballistik"
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  5. #5
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    @ AndereDimension

    Empirisch gesehen war die Mehrheit in der Nachbetrachtung nur selten im Recht.
    Ist doch ein Schande, dass ein vierzehnjähriges Mädchen namens Greta die eigentliche Aufgabe der Studenten übernehmen muss
    Wenn NightFury ein Linker ist, bist du wohl ein Grüner... Ist es die Mehrheit, die den Klimawandel für real hält? Ich denke schon... Nach deiner Logik könnte die Mehrheit aber hier falsch liegen... Gleichzeitig hast du eine grosse Meinung von Greta Thunberg... obwohl sie vielleicht falsch liegt? Versteh mich nicht falsch, ich freue mich über Greta Thunberg und denke, dass der Klimawandel ein grosses Problem werden könnte... aber wer weiss?

    Dass die Studenten vielleicht weniger kritisch sind, als sie meinen, das denke ich auch. Die holen sich mit möglichst geringem Aufwand möglichst viele ECTS-Punkte. Dieses Punkte-System soll verbürgen, dass alle Leute denselben Aufwand haben, um ein Studium abzuschliessen. Ich selber denke nicht, dass das funktioniert, denn erstens werden so die talentierten Studierenden nicht anerkannt. Zweitens gibt es hier überall Schlupflöcher, weil nicht alle Dozierenden genau dieselben Anforderungen stellen. Diese ganze ECTS-System ist vor allem eine Frage der Verwaltung, führt zu einem aufgeblähten Verwaltungsapparat. Womit wir wieder bei meinem Thema sind: Bürokratie. Wie viel Papier geht für ein Studium durch die Drucker? Keine Ahnung, ein kleiner Hügel, würde ich sagen. Im Mittelalter gab es noch keine Prüfungen. Da musste man schwören, dass man einen Text gelesen hatte, jedenfalls in gewissen Fächern. Ich sage nicht, dass das eine gute Lösung ist, aber man kann vielleicht mal darüber nachdenken...

    Ali
    Geändert von Ali (10.05.2019 um 09:30 Uhr)

  6. #6
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    Und dass noch nicht alle Kritiker mundtot gemacht wurden ist auch ein sehr schlafraubendes Dinx!
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  7. #7
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    Hallo Ali

    Ist es die Mehrheit, die den Klimawandel für real hält? Ich denke schon... Nach deiner Logik könnte die Mehrheit aber hier falsch liegen..
    Ob wir gerade einen Klimawandel durchleben...das müssen wir gar nicht diskutieren...denn seit es die Erde gibt...wandelt sich das Klima. Sorgen müssten wir uns dann machen...gäbe es keinen Klimawandel(mehr). Streiten kann man sich also "nur" über die möglichen Folgen/Auswirkungen des derzeitigen Klimawandels. Aber mal ganz ehrlich: brauchst Du das Szenario eines vernichtenden Klimawandels...um möglichst auf Plastik zu verzichten?!? Es wäre doch auch ohne Klimawandel wichtig umweltschonend zu agieren...oder etwa nicht? Das ist kein "grüner Gedanke", das sagt einem der gesunde Menschenverstand.

    Nein, ich bin kein Grüner - nicht nur ich halte Grüne für Oberlehrer, Besserwisser...Leute, die meinen anderen vorschreiben zu müssen wie diese zu leben haben. Dabei sind gerade die Wähler der Grünen die schlimmsten Umweltsünder...was viele Statistiken (wer fliegt am meisten usw...) beweisen.

    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  8. #8
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    Hallo A.D.

    Es wäre doch auch ohne Klimawandel wichtig umweltschonend zu agieren...oder etwa nicht? Das ist kein "grüner Gedanke", das sagt einem der gesunde Menschenverstand.
    Ja, da hast du wohl recht. Plastikmüll am Strassenrand ist mit oder ohne Klimawandel nicht sehr schön. Mir ist nur aufgefallen, dass du behauptest, Greta Thunberg erledige eine "Aufgabe". Darunter verstehe ich etwas Bedeutsames. Gäbe es keinen Klimawandel, so könnte man auch nicht behaupten, Thunberg erledige eine Aufgabe, denn dann wären die Demonstrationen vollkommen sinnlos, sie wären dann ein blosses Ritual der Grünen, um auf sich aufmerksam zu machen. Deshalb habe ich mir gedacht, dass du einen Sinn in den Aktivitäten der Klimaschützer siehst und somit möglicherweise ein Grüner bist...

    Gruss

    Ali
    Geändert von Ali (10.05.2019 um 09:33 Uhr)

  9. #9
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    Hallo Ali.

    G.T. ist sicherlich nicht angetreten um eine Aufgabe zu erfüllen, sondern aus "Leidenschaft". Ich teile die meisten ihrer Ansichten nicht...bin aber weit davon entfernt das Thema...oder die Person selbst ins Lächerliche zu ziehen. Diese Leidenschaft fehlt unseren Studenten...das sind blutleere Zombies...die nur dann aktiv werden...wenn es um ihr eigenes Wohl geht - also bei den Themen Bafög, Erasmus und Interrail. Wobei sie da gar nicht aktiv werden müssen...sie bekommen all das ohne Aufforderung und frei Haus geliefert.

    Ich wohne in einer kleinen Universitätsstadt und lebe wohl oder übel mit dieser Spezie. Letzte Woche gab es hier eine angemeldete Demo gegen Rechts - auf die ich nur deshalb aufmerksam wurde...weil schwer bewaffnete Sondereinheiten der Polizei vor meinem Haus parkten. Ich war schon dabei zu überlegen...was ich denn in der letzten Zeit so alles verbrochen habe, das eine Verhaftung rechtfertigen könnte. Lange Rede...kurzer Sinn; es waren keine Studenten...sondern überwiegend alte Hausmütterchen zu sehen...die tapfer gegen die Rechten anschrien. Um diese Zeit (Sonntag Vormittag)liegen die Studenten natürlich noch im Bett -vor 16 Uhr (wenn sie dann den veganen Auflauf vom Vortag aufwärmen) gehen bei denen keine Rolläden hoch.

    Deshalb habe ich mir gedacht, dass du einen Sinn in den Aktivitäten der Klimaschützer siehst und somit möglicherweise ein Grüner bist...
    Ja, ich sehe einen Sinn darin...auch wenn ich kein Grüner bin, denn Klimawandel hin oder her...es gibt tausend andere gute Gründe...die einen achtsamen Umgang mit unserem Planeten rechtfertigen.

    Gruß, A.D.
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  10. #10
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    Hallo A.D.

    Ich halte wie schon angedeutet auch nicht besonders viel von den heutigen Studenten, aber nicht weil sie nichts tun, sondern weil sie nichts Sinnvolles tun. Und es ist meiner Ansicht nach heute gar nicht so einfach, etwas Sinnvolles zu tun. Dies liegt zum Einen daran, dass es immer mehr Geld gibt und sich deshalb das Sparen nicht mehr lohnt. Man muss das Geld anlegen, damit man etwas davon hat. Und das führt wiederum dazu, dass neue Geschäfte entstehen. Wie entstehen Geschäfte? Indem Bedürfnisse erzeugt werden. So sind die Leute ständig daran, Bedürfnisse zu befriedigen, die erst künstlich erzeugt worden sind. Wenn nun die Studenten nichts tun oder nur das tun, was ihnen selber etwas bringt, so sehe ich darin keine Besonderheit der Studenten, sondern ein Problem unserer ganzen Gesellschaft.

    Bei den Studenten kommt noch hinzu, dass sie mit der Wissenschaft zu tun haben. Nun gibt es brauchbare wissenschaftliche Errungenschaften, aber zum Teil wirft die Wissenschaft auch Fragen auf, nur weil die Wissenschaftler nichts Besseres zu tun haben. An den Universitäten gibt es lauter Spezialisten und die Studenten haben dann keine andere Wahl, als nach deren Pfeife zu tanzen. Wenn sich zum Beispiel Professor XY an der Universität Z für Johann Wolfgang Goethes Wahlverwandtschaften interessiert, so kann man Gift darauf nehmen, dass irgendwelche Studenten dazu verdammt sind, Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten zu irgendeinem Thema, das mit Goethes Wahlverwandtschaften zu tun hat, zu schreiben. Und so kommt es, dass die Wissenschaftler die Wissenschaft für andere Wissenschaftler betreiben. Und das, mein Freund, ist der Papierkrieg.

    LG

    Ali
    Geändert von Ali (10.05.2019 um 19:33 Uhr)

  11. #11
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    Klima ist auch nur eine Gedankenspiegelung, um nicht alles komplett in Gänze wahrnehmen zu müssen. Und deswegen ist es auch zu sich selbst relativ. Weil wir eben glauben irgendwas mit Zustand ist besser als irgendwas ohne Einschätzbarkeit. Ausserdem gibt es auch keine Probleme sondern nur Lösungen. Ausser man fühlt sich mit seiner Betroffenheit in guter Gesellschaft.
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  12. #12
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    Hi all!

    Zitat Zitat von Ali
    Wenn du mich fragst, ist eines der heutigen Probleme der aufgeblähte Verwaltungsapparat, der Papierkrieg, die Bürokratie. Hier wäre Veränderungsbedarf. Man müsste es schaffen können, dass jedem Menschen auf der Erde die Grundlagen zur Verfügung stehen, dass er oder sie leben kann, und zwar ohne grosse Abklärungen. Wenn ich bedenke, wie viel Energie darauf verwendet wird, finanzielle Mittel zu verwalten, sei das in Banken oder Versicherungen oder was weiss ich, dann sehe ich hier ein Problem. Ich fände es sinnvoller, jedem Menschen die Lebensgrundlagen zur Verfügung zu stellen und in Kauf zu nehmen, dass einige Ferien machen, als den Papierkrieg noch weiter zu dulden. Dies ist meine Meinung. Ich habe zwar schon lange darüber nachgedacht, sie aber noch nie offen diskutiert. Ich denke also, dass hier einige Einwände möglich sind. Hinweise sind gerne willkommen...
    Interessanter Einwand. Ich verstehe ja nach wie vor nicht, warum das Bedingungslose Grundeinkommen eine linke Forderung sein soll. Eigentlich müssten da die rechten und neoliberalen doch aufspringen. Antstatt mit Arbeitslosengeld, Pension, Mindestpension, Invalidenpension, Witwenpension, Kindergeld, Notstandshilfe, Wohnzuschuss, Wohnbauförderung und sonstigem einen riesigen Dschungel aus unterschiedlichen Mascherl fürs Geld zu schaffen, kann man das auf einmal abschaffen. Dann gibts das BGE. Das spart Verwaltungsaufwand. Aber ja, das Problem ist ja, dass im Nationalrat (in Österreich) Beamte überdurchschnittlich vertreten sind. Also darf es einen nicht wundern, wenn der Beamtenapparat immer aufgeblähter wird.

    Zitat Zitat von AD
    ja, ein interessantes Thema...aber gerade deshalb sollte man es so weit es geht versachlichen. Du gehst es...ohne dir dessen bewusst zu sein...linkspopulistisch an.
    Ich nehme mir halt auch die Freitheit, im Eingangspost zu polemisieren. Ich hab mich eigentlich bemüht, unterschiedliche Ansichten und Meinungen im meinem Post zu Wort kommen zu lassen. Fakt ist, ich wäre gerne links, aber es gibt keine vernüftige linke Partei.
    Zitat Zitat von AD
    Wie kommst Du zu so einer Aussage? Erstens ist "niedrig" relativ....und zweitens ist die Kriminalitätsrate im Vergleich zum Vorjahr zwar leicht gesunken...aber von einem sehr sehr hohen Level ausgehend.
    Ich hatte mir nur die Kriminalstatistik von 2018 angesehen, und da war ein Rückgang von 7.4 % gegenüber dem Vorjahr. Ich habe mir aber Mittlerweile eine Statistik bis in die 80er Jahre angeschaut und damn! damals gabs ja quasi echt kein Verbrechen. Punkt für dich, da hast du recht.
    Dennoch ist für mich die Sache irgendwie irrational. Ich bin in den letzen 15 Jahren nie Opfer eines Verbrechens geworden, ich kenne auch niemanden, der es geworden wäre, von dem Fahrraddiebstahl bei meiner Tante einmal abgesehen. Da kommt die Angst davor, Opfer eines Verbrechens zu werden, halt einfach nicht nachvollziehbar vor. Aber wahrscheinlich bin ich da in meiner gut behüteten Blase.

    Zitat Zitat von AD
    Das ist eine Behauptung, bestenfalls eine These. Fakt ist...wir leben länger...aber was hat das mit "unbeschwert" zu tun? Die Studien dazu sagen etwas ganz anderes aus...
    Gerade weil wir so gut vernetzt und über alles informiert sind...beschwert das den ein oder anderen. Vor zwanzig Jahren wusstest Du nicht so genau was da in Afrika und anderswo abgeht. Vielen geht es potentiell gut, aber da sie an jeder Ecke vom Leid anderer erfahren...bedrückt sie das.
    Ich kenne eine Handvoll 90 Jähriger. Die wirken sehr fit, sehr rüstig und sehr unbeschwert. Weil heute 3. Zähne, neue Hüfte und sonstiges medizinsch möglich sind. Wenn ich in dem Alter so fit bin, wunderbar. Tatsächlich sagt die Statistik auch, dass die Zufriedenheit im Alter wieder steigt und die Zufriedenheit der 30Jährigen teils sogar überholt. Das würde ich unbeschwert nennen.
    In der Phase dazwischen hast du schon recht, dass da der Stresslevel deutlich höher ist, BurnOut und Depression keine Seltenheit sind. Prinzipiell glaube ich nicht, dass da aber die Vorgänge auf anderen Kontinenten die Psyche der Menschen plagt. Das mag wohl in der Flut an Schreckensmeldungen untergehen und sich als Reizüberflutung äußern.

    Zitat Zitat von AD
    Wohl ist es richtig, dass die Technik uns vieles erleichtert und abnimmt - aber richtig ist auch, dass wir gerade damit...dieses nZeit zu füllen...die größten Probleme haben. Soziologen und Zukunftsforscher sagen, dass die Freizeitgestaltung die größte Herausforderung der Zukunft sein wird. Unabhängig davon: Aktuelle Studien zeigen, dass wir heute gestresster sind denn je...obwohl uns theoretisch mehr Zeit zur Verfügung steht...uns Maschinen vieles abnehmen. Ob ich nun mit Freunden, Familie oder Kollegen am Tisch sitze...ausser mir ist jede/mit seinem Handy beschäftigt- sie merken das gar nicht...und ich nur...weil ich mit meinem Handy ausschließlich telefoniere...oder es als Wecker benutze. Alle anderen sind gestresst...weil sie permant Nachrichten bekommen...auf die sie in irgend einer Form reagieren müssen.
    Guter Punkt. Ich sehe es auch so, dass es schwierig sein wird, diejenigen, die durch Maschinen ihren Job verlieren, zu beschäftigen. Ich selbst habe zwar hundertausend Dinge, mit denen ich mir meine Freizeit gern füllen würde, wenn ich die Zeit hätte. Aber ich seh das auch als großes Problem, weil es sehr viele Menschen gibt, die nicht wirklich wissen, was sie mit ihrer Zeit machen sollen.

    Zitat Zitat von AD
    Ein alter Hut...einen solchen Generationenkonflikt gab es zu jeder Zeit-nur der Stein des Anstoßes ist dann jeweils ein anderer.
    Schon klar, mir ging es eingangs tatsächlich nur, ein paar Ansätze für Diskussion hier zu lassen.
    Mir ist schon klar, dass auch schon bei den Römern die Jugend furchtbar war und faul und überhaupt. Das was ich nur interessant finde, ist, dass das irgendwie immer so ist.
    Zitat Zitat von AD
    Das ist auch gut so! Betrachte anderslautende Meinungen als eine Art Kontrolle...oder Revision. Empirisch gesehen war die Mehrheit in der Nachbetrachtung nur selten im Recht. Gerade in der heutigen Zeit...wo man sich auf die Journalisten nicht mehr verlassen kann...sollte man sehr kritisch mit Informationen umgehen.
    Kritisch hinterfragen - ja, gern. Aber bei so Sachen wie Impfungen ist es wissenschaftlich sehr eindeutig. Und da ist es wirklich gefährlich, wenn man dann auf Egoismus setzt und sich auf den Herdenschutz verlässt, der eben nicht mehr gegeben ist, wenn das zu viele so machen. Was ich da empfehlen würde, ist eine Risikoanalyse. Wahrscheinlich und Folge mit einer Zahl bewerten, Multiplikation und fertig. Dann ist es so, dass der Klimawandel prinzipiell sehr extreme Folgen hat. Selbst wenn man nicht daran glaubt und die Wahrscheinlichkeit als gering annehmen würde, sind es die prinzipiellen Folge, die einen dennoch handeln lassen sollten. Ähnlich wie bei einer Reiseversicherung - auch wenn mir in den letzten Jahrzehnten nichts auf Reisen passiert ist, kann mir prinzipiell etwas passieren, das so schlimm ist, dass es es wert ist, dafür Vorkehrungen zu treffen. Selbst wenn es unwahrscheinlich ist.

    Zitat Zitat von Ali
    Wie viel Papier geht für ein Studium durch die Drucker? Keine Ahnung, ein kleiner Hügel, würde ich sagen.
    Ja. Ein nicht ganz so kleiner Hügel.

    Zitat Zitat von AD
    treiten kann man sich also "nur" über die möglichen Folgen/Auswirkungen des derzeitigen Klimawandels. Aber mal ganz ehrlich: brauchst Du das Szenario eines vernichtenden Klimawandels...um möglichst auf Plastik zu verzichten?!? Es wäre doch auch ohne Klimawandel wichtig umweltschonend zu agieren...oder etwa nicht? Das ist kein "grüner Gedanke", das sagt einem der gesunde Menschenverstand.
    Ja. Das verstehe ich an der Debatte auch nicht. Wäre ja ganz furchtbar, wenn wir saubere Luft haben, die Meere nicht vermüllt sind und wir Energie und Ressourcen sparen.

    Zitat Zitat von Ali
    Bei den Studenten kommt noch hinzu, dass sie mit der Wissenschaft zu tun haben. Nun gibt es brauchbare wissenschaftliche Errungenschaften, aber zum Teil wirft die Wissenschaft auch Fragen auf, nur weil die Wissenschaftler nichts Besseres zu tun haben. An den Universitäten gibt es lauter Spezialisten und die Studenten haben dann keine andere Wahl, als nach deren Pfeife zu tanzen. Wenn sich zum Beispiel Professor XY an der Universität Z für Johann Wolfgang Goethes Wahlverwandtschaften interessiert, so kann man Gift darauf nehmen, dass irgendwelche Studenten dazu verdammt sind, Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten zu irgendeinem Thema, das mit Goethes Wahlverwandtschaften zu tun hat, zu schreiben. Und so kommt es, dass die Wissenschaftler die Wissenschaft für andere Wissenschaftler betreiben. Und das, mein Freund, ist der Papierkrieg.
    Zum einen finde ich Grundlagenforschung super spannend. Wissenschaft muss auch nicht immer einen Zweck haben - weil er Zweck oft erst später kommt. Ein hervorragendes Beispiel dazu ist Hertz, der nach dem Nachweis der Radiowellen auf die Frage nach der Anwendung antwortete: "Es hat keinen Sinn. Das war nur ein Experiment, das beweist, dass der Maestro Maxwell Recht hatte." Der praktische Nutzen wurde erst später gefunden. Darum ist die Grundlagenforschung wichtig. Wenn wir uns damit begnügen, nur wirtschaftlich zu forschen und bestehendes verbessern, würden wir jetzt in sehr gemütlichen Laubhütten hausen, was zwar auch seinen Reiz hätte...
    Geändert von MisterNightFury (11.05.2019 um 10:03 Uhr)

  13. #13
    Registriert seit
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    Hallo NightFury

    Zum einen finde ich Grundlagenforschung super spannend. Wissenschaft muss auch nicht immer einen Zweck haben - weil er Zweck oft erst später kommt. Ein hervorragendes Beispiel dazu ist Hertz, der nach dem Nachweis der Radiowellen auf die Frage nach der Anwendung antwortete: "Es hat keinen Sinn. Das war nur ein Experiment, das beweist, dass der Maestro Maxwell Recht hatte." Der praktische Nutzen wurde erst später gefunden. Darum ist die Grundlagenforschung wichtig. Wenn wir uns damit begnügen, nur wirtschaftlich zu forschen und bestehendes verbessern, würden wir jetzt in sehr gemütlichen Laubhütten hausen, was zwar auch seinen Reiz hätte...
    Dass es in der Geschichte der Wissenschaft zufällige Entdeckungen gab und man oft nicht wusste, was der Nutzen einer neuen Entdeckung ist, das bezweifle ich nicht. Auch würde ich behaupten, dass man das wissenschaftliche Arbeiten erlernen kann, indem man irgendwelche Fragen aufwirft und dann zu beantworten versucht, ohne dass diese Fragen relevant sind. Man hat dann eben den Nutzen, das wissenschaftliche Arbeiten erlernt zu haben und man findet vielleicht auch nützliche Sachen heraus. Wenn man aber betrachtet, dass zumindest in der Geisteswissenschaft vor allem die Leute gute Wissenschaftler sind, welche viele Texte lesen, zusammenfassen und mit eigenen Schlussfolgerungen ausstatten können, dann frage ich mich, was genau das soll. Um auf mein Beispiel mit Goethes Wahlverwandtschaften zurückzukommen: Es gibt hier wohl hunderte von Arbeiten, die sich mit dem Thema befassen, und auch wenn jemand eine neue und richtige Interpretation des Werkes liefert, ist der Aufwand doch zu gross. Nun kann man natürlich auch Themen wählen, zu denen es noch nicht so viele Publikationen gibt. Hier läuft man aber schnell Gefahr, irgendwelche sinnlosen Themen auszuwählen. Es handelt sich hier um bürokratischen Aufwand ohne grossen Nutzen. Natürlich muss nicht immer alles einen Nutzen haben, aber wenn man sich stundenlang abquält, um eine Arbeit zu schreiben, dann wünscht man sich doch einen Nutzen, weil man sonst lieber etwas anderes tun würde, das vielleicht keinen Nutzen hat, aber wenigstens Spass macht. Und dies hat dann wieder mit dem Umweltschutz zu tun: Wenn jene Wissenschaftler, die für nichts und wieder nichts Energie und Ressourcen verschleudern, den ganzen Tag nur am Strand liegen oder anderen Hobbys fröhnen würden, dann hätten sie hoffentlich mehr Spass und auch der bürokratische Aufwand wäre wohl geringer. Erst kürzlich besuchte ich an der Uni ein Seminar, das von einem Schriftsteller geleitet wurde, und es war eine nette Abwechslung, wieder einmal einen Dozenten zu haben, der aus blossem Spass Bücher liest. Dass man nur wirtschaftlich forschen sollte, das habe ich nie behauptet. Im Gegenteil: Die Wissenschaft müsste unabhängig von der Wirtschaft forschen können, sodass sie nicht zur blossen Dienerin der Wirtschaft wird und lediglich die wirtschaftlichen Strukturen aufrechterhält. Ich selber versuche gerade, dafür zu argumentieren, dass man die Wirtschaft verkleinern sollte, indem man bürokratische Vorgänge verringert. Tatsächlich sind ja Banken, Versicherungen sowie Universitäten Teil der Wirtschaft. Ich gebe mein Geld den Banken, die es für mich aufbewahren – eine Dienstleistung. Diese investieren es irgendwo, wo das Geld arbeitet, was auch ein wirtschaftlicher Vorgang ist. Die Versicherungen bezahle ich, damit sie mich bei Unglücksfällen unterstützten. Eine Dienstleistung, die Jobs generiert, was wiederum mit der Wirtschaft zusammenhängt. Den Universitäten zahle ich als Student Geld, um ausgebildet zu werden. Das Bildungswesen ist ein Wirtschaftszweig. Mein wiederholter Vorschlag, die Bürokratie zu verringern, zielt darauf ab, auch die Wirtschaft einzudämmen. Das ganze ECTS-System, das sicherstellt, dass alle Studierenden genau dieselben Leistungen erbracht haben und nun für diese Leistungen gerecht benotet wurden, dient letztlich der Wirtschaft. Irgendwelche Arbeitgeber können dank diesem System sicher sein, dass sie jemanden einstellen, welcher kompetent ist. Ihr Risiko wird minimiert. Das ECTS-System dient somit den Arbeitgebern in der freien Wirtschaft. Der riesige Aufwand, um sicherzustellen, dass alle Studierenden dieselben Leistungen erbracht und für dieselben Leistungen benotet wurden, dient der Erforschung der Welt nur sehr wenig. Obwohl die Universitäten eigentlich neue, nützliche Forschungen anstellen sollten, nutzen sie das Potential der Studierenden gar nicht. Diese müssen erst einmal lernen, wie man wissenschaftlich arbeitet, was letztlich darauf hinausläuft, dass sie irgendwelche von Dozierenden aufgeworfenen Fragen beantworten müssen. Dass alle Studierenden dasselbe tun müssen und aufgrund dieser Tätigkeit benotet werden, erleichtert der Wirtschaft die Auswahl. Eine Wissenschaft, welche neue Aspekte der Welt erforscht, wird dadurch leider eingeengt. Vielleicht sollte man an den Universitäten wieder unabhängig von internationalen Richtlinien arbeiten und mehr Experimente wagen, sodass die Wirtschaft zwar nicht so einfach die geeignetsten Mitarbeiter einstellen kann, die Universitäten aber wieder mehr neue Ideen ans Tageslicht befördern.

    LG

    Ali

  14. #14
    Registriert seit
    Nov 2009
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    10.266
    Und dass alle das selber machen was sie kritisieren ist natürlich ein besseres Beispiel dagegen. So nach dem Motto Nur die Einstellung wäre falsch.
    Methode und Umsetzung interessiert uns gar nicht mehr. Und dass das geile Europa so ein schöner Gedanke ist, hat am allerwenigsten etwas mit dem dadurch entstehenden Binnenmarkt zu tun.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  15. #15
    Registriert seit
    Feb 2012
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    Zitat Zitat von Terrorist Beitrag anzeigen
    Und dass alle das selber machen was sie kritisieren ist natürlich ein besseres Beispiel dagegen. So nach dem Motto Nur die Einstellung wäre falsch.
    Ich sehe kein allzu grosses Problem darin, irgendwelche Forderungen zu stellen, und sie selber nicht zu erfüllen. Man muss hier einfach wieder zwischen Wort und Tat unterscheiden. Nicht immer, wenn etwas gesagt wird, muss das auch getan werden. Es ist vielleicht unehrenhaft, ein Grossmaul zu sein, aber Wort und Tat sind nicht dasselbe. Was aber hat die Einstellung damit zu tun? Meinst du damit, dass es Leute gibt, die wissen, dass sie etwas Falsches tun, und es trotzdem tun, und solche, die nicht wissen, dass sie etwas Falsches tun? Hier würde ich sagen, dass eine schlechte Tat den gleichen schlechten Effekt hat, ob der Täter nun weiss, dass die Tat schlecht war oder nicht...

    Gruss

    Ali

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