1. #1
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    Die missbrauchte Erato

    Ach, so trüb sind deine einstmals klaren, blauen Augen,
    Sorgenfalten prägen hässlich deine hohe Stirn,
    krumm gewachsen springt die große Nase wie ein Erker
    aus dem früher edlen, oft geküssten Antlitz vor.
    Deine Lippen, schief verzogen - nur ein tumber Tor
    preist die Fratze, und zu meinem allergrößten Ärger
    fehlt im Oberstübchen leider manches Gramm Gehirn.
    Sprich! Wie solltest du zu meiner Heißgeliebten taugen?

    Schieren Kummer künden Hals und Haltung, tief gebeugt
    stehst du wie ein welkes Mauerblümchen in der Ecke.
    Deine Brüste baumeln in der ausgebleichten Bluse,
    schlaff der Bauch, als hätten sieben Kinder wir gezeugt.
    Venus schenkte dir zwecks Lustgewinn die schönste Schnecke,
    deine Stimme klang wie Engelsang - es blieb ein Krächzen.
    Zeig dich wieder schön wie einst und küss mich, holde Muse,
    lass mich, Poesie, nicht länger Höllenqualen leiden.

  2. #2
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    Lieber Heinz,

    Du kommst bestimmt aus der Schaffenskrise heraus, indem Du einfach mal aus Deiner Bildungsbürger-Mottenkiste fliehst - und Deinen Alltag in klaren, ehrlichen Worten schilderst.
    Keine Philosophie treiben und dem Tod die Macht nehmen Aron Manfeld

  3. #3
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    Lieber Aron,
    der Inhalt und die Ausführung dieser Bildungsbürger - Mottenkiste sind überaus wohltuend gegenüber dem, was heute wieder sprachlich verzapft wurde.
    Und wenn Festival klar und deutlich in einer Alltagssprache seine Meinung sagen würde, würde er wieder wegen Unbotmäßigkeit getadelt werden.
    Nach meinem Dafürhalten schreibt er auch nicht von einer Schaffenskrise, sondern beklagt, dass er Höllenqualen leide, weil er sprachlich derart verhunzte Werke in einem Dichterforum lesen müsse.

  4. #4
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    Lieber Aron,
    bisher wusste ich nicht, dass ich mich in einer Bildungsbürgermottenkiste befinde.
    Du willst eine Schilderung meines Alltags in klaren, ehrlichen Worten?
    Wieder reißt Du eine Bildungslücke bei mir auf: Du interessierst Dich für meinen Alltag. Das ehrt mich.
    Aber glaubst Du, es könnte noch einen geben, der an meinem Alltag Interesse hat? Von der Sorte "Gedichte" gibt es doch zuhauf. Ein Rätsel gibst Du mir auf, wenn Du von einer Schaffenskrise bei mir redest.

    Liebe Cara,
    ich bin wegen Unbotsmäßigkeit getadelt worden? Nee, ich habe das freche Maul gestopft bekommen, derweil die personifizierte Ursache weiter labert und für das Senkrechtstehen meiner Zhennägel verantwortlich ist.
    Völlig richtig ist, dass ich bei der Verhunzung der Sprache Höllenqualen leide und diese Verhunzungen als Beschmutzung Eratos oder ihres Gewandes empfinde.
    Liebe Grüße,
    Festival

  5. #5
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    Hallo Festival,
    gut geschrieben, lass Dich nicht irre machen!
    Überall trifft man leider auf "Fratzen", nicht nur Erato
    wurde entsetzlich "ent"stellt und missbraucht,leider.
    "HerzensBildung" ist sowas von tot, leider. Und Müdigkeit stellt sich dafür ein.
    Beste Grüße
    lautmaler

  6. #6
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    Lieber Lautmaler,
    vielen Dank für Deinen Zuspruch. Mach Dir keine Sorgen um mich.
    Liebe Grüße,
    Festival

  7. #7
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    Lieber Heinz,
    wir müssen uns eben damit abfinden, dass die Verhunzung der Sprache hier geduldet , ja sogar unterstützt wird, indem man Kritikern den Mund
    verbietet !

    LG, Cara

  8. #8
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    at.all,Sorry!
    Wer Was Wem - "verhunzt"?

  9. #9
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    Lieber Lautmaler,

    ich will Cara nicht vorgreifen, nur eine Frage stellen: Du suchst Verhunztes?

    Des Sängers Höflichkeit verhindert deutliche Antwort,
    doch lausche nur, du wirst an manchem Ort
    bald hören, wie sie schändlich grunzen,
    mit Klapperreimen unsre Sprache arg verhunzen.
    Ich möchte gern, doch ists noch nicht gelungen,
    für eine kurze Zeit so sein wie Francoise Villon,
    dann könnte ich mit mit freiem, frischem Ton
    sie schmoren lassen, diese Lästerzungen.

    Liebe Grüße,
    Festival
    Geändert von Festival (01.05.2019 um 09:10 Uhr)

  10. #10
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    Lieber Festival.
    deine Antwort findet meine volle Zustimmung., die ich mit meinem kleinen Gedicht noch untermauern will.

    Wer seine Sprache liebt,
    der sieht mit Grausen,
    dass es wohl Sprachbanausen gibt,
    die ohne Sprachgefühl hier hausen.
    Der Sprache Schönheit ist perdu,
    man dichtet ohne jede Müh!
    Wortstümperei heißt diese Sucht ,
    da bleibt dem Leser nur die Flucht!

    LG,

    Cara1963

  11. #11
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    Liebe Cara,
    d'accord!
    Liebe Grüße,
    Festival

  12. #12
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    Lb. Heinz,

    Du schreibst von der Last, die der Starke bei der Betrachtung von Schwachem und Hässlichem ertragen muss. Jeder sollte jedoch bedenken, dass die meiste Last doch die Schwachen und Hässlichen selbst tragen. Sie sind schuldlos, müssen sich aber dafür verantworten. Mitleid und Toleranz (Duldung) für ein friedliches Mit- und Nebeneinander ist angebracht. Auch wenn es manchmal schwerfällt.

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  13. #13
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    Hallo Hans,
    jedem steht es frei, ein Gedicht so zu interpretieren, wie er es möchte.
    Aber wo schreibe ich von der Last, die der Starke bei der Betrachtung von Schwäche und Hässlichkeit tragen muss?
    Mitleid und Toleranz, die Du weiter unten erwähnst, haben ihre Grenzen, vor allem da, wo Dummheit und Gewalttätigkeit versuchen die Herrschaft zu übernehmen. (Und gewalttätig kann man auch im Umgang mit der Sprache sein. Wenn Du Beispiele brauchst, hilft Lesen einiger "Gedichte" in diesem Forum).
    Gruß,
    Festival

  14. #14
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    Lb. Heinz,

    folgendes aus Deinem Gedicht habe ich als Last interpretiert

    und zu meinem allergrößten Ärger
    lass mich, Poesie, nicht länger Höllenqualen leiden.
    Mitleid und Toleranz, die Du weiter unten erwähnst, haben ihre Grenzen, vor allem da, wo Dummheit und Gewalttätigkeit versuchen die Herrschaft zu übernehmen.
    Bei Mitleid muss es keine Grenze geben. Bei Toleranz sehe ich eine zwingende Grenze dort wo die Ethik verletzt wird.
    Dummheit ist die Unfähigkeit zielgerichtet vorteilhaft zu entscheiden. Dies gibt es auch bei intelligenten und wissenden Menschen auf Grund von Abhängigkeiten, sowie auch wegen unrealistischem Optimismus (gibt es bei 80% der Menschen). Leider müssen unter solchen Herrschaften viele leiden.

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

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