1. #1
    Registriert seit
    Apr 2017
    Beiträge
    325

    Hommage an Joseph von Eichendorff (1788-1857)

    Wenn alle Brunnen springen,
    beginnt mein Herz zu singen.
    Des klaren Wassers Kühle,
    lindert Mittags dumpfe Schwüle.

    Bunt sind jetzt des Rebstocks Blätter,
    die Traube wandert in den Kelter.
    Im Fasse reift der Rebensaft,
    verheißend Glück und Lebenskraft.

    Es regiert nun starrer Frost.
    Des Lenzes Kommen gibt mir Trost.
    Wenn sacht die Wälder wieder rauschen,
    will ich mit Inbrunst ihrer lauschen.

    Durch Busch und Wipfel säuselt Föhn,
    die Sonn' erstrahlt auf Bergeshöhn.
    Zum Blühen rüstet sich Natur,
    es sprengt mein Herz, es jubelt nur!

    *****************************
    Der Schluss des Gedichtes à la Friederike Kempner,
    genannt 'Die schlesische Nachtigall' (1828-1904):

    Zum Blühen rüstet sich Natur,
    der Zecher fährt zur Frühjahrskur.
    Geändert von Alfredo (11.05.2019 um 08:53 Uhr)

  2. #2
    Registriert seit
    Mar 2019
    Beiträge
    804
    Hallo Alfredo

    das sind einigermaßen holperfreie Verse im Biedermeier-Stil mit einem recht wirkungsvollen Schluss.

    Aber eine Hommage an Eichendorff? Ich weiß nicht. Der Freiherr hatte unter den Dichtern seiner Zeit ein ganz eigenes Profil, von dem ich bei Dir nichts widergespiegelt finde. Zu den Eichendorff-Themen zählt die metaphysische Gefährdung des Menschen. die Natur wird auch als zum Bösen verlockend gesehen. Das so häufig bei ihm vorkommende Wandern und Schweifen ist letzten Endes religiöser Sehnsucht geschuldet. Musik als Mittel poetischer Verzauberung. Heimatlosigkeit als Kehrseite des romantischen Aufbruchs. usw usw Eichendorff ist ein ganz Großer, aber man hat nicht den Eindruck, dass Du diese Größe in Deinen Versen in den Blick nimmst.

    Im am sorry

    Beste Grüße Onegin
    Love´s not Time´s fool W. S.

  3. #3
    Registriert seit
    Apr 2017
    Beiträge
    325
    Hallo Onegin,
    also diese Verse sind holperfrei und das nicht nur einigermaßen.
    Und natürlich ist es eine Hommage an Eichendorff. Auch bin ich nicht so vermessen, mit Eichendorffs Profil zu wetteifern. Aber ich bin gerne bereit, Anregungen entgegen zu nehmen, überhaupt wenn sie so klug formuliert sind wie Deine. Was soll das 'Im (sic) sorry'. Ich glaube nicht, dass Dir irgendetwas leid tut, es ist also eine ganz unnütze Floskel.
    Übrigens, mein letztes gepostetes Gedicht heißt 'Die Westentaschenkritiker'.
    Mit den allerbesten Grüßen
    Alfredo

  4. #4
    Registriert seit
    Mar 2019
    Beiträge
    804
    Lieber Alfredo,

    du magst es glauben oder nicht. Ich würde viel lieber loben und schwärmen als negative Kritiken. abgeben.Ich weiß, das fühlt sich nicht so gut an, wenn die eigenen, mit Herzblut geschriebenen Sachen so eine kühle Aufnahme.erfahren. Habe ich selber schon so erlebt. Allerdings ist auch bittere Medizin auf längere Sicht manchmal hilfreich.

    Falls ich direkt oder indirekt Anlass für den Westentaschenkritiker bin, werde ich das Poem mit besonderem Interesse lesen.

    Beste Grüße

    Onegin

    PS Der Holperer steckt in S1V4 Lindert Mittags....
    Love´s not Time´s fool W. S.

  5. #5
    Registriert seit
    Sep 2017
    Ort
    am Ende der Welt
    Beiträge
    58
    Lieber Alfredo,
    ich bin keine so gute Kritikerin, aber du hast mich drum gebeten, so versuch ich's.
    Du wanderst hier reimend durch die Jahreszeiten, wobei du für jede ein ansprechendes Bild gefunden hast. In Vers vier kommt das Gedicht aus dem Rhythmus. Da gibt's eine Silbe mehr als in den vorangegangenen Versen. Vielleicht gibt's da noch eine bessere Variante.
    Mein Empfinden ist auch, dass die Übergänge zwischen den Jahreszeiten und den Strophen etwas abrupt daherkommen. Aber da das Gedicht insgesamt kurz gehalten ist, ist auch kein Raum für großartige Übergänge.
    Ob das Gedicht zum Titel passt kann ich leider nicht beurteilen, da mir Werke von Joseph von Eichendorff nicht so bekannt sind, da ich sehr wenig zum Lesen komme.
    Ich habe dein Gedicht dennoch gern gelesen, weil ich deine Gedichte mag und ich werde mich mal mit Joseph von Eichendorff beschäftigen.
    Liebe Wochenendgrüße
    Wilhelmine
    Geändert von Wilhelmine (04.05.2019 um 21:59 Uhr)

  6. #6
    Registriert seit
    Apr 2017
    Beiträge
    325
    Hallo Wilhelmine, ich erhebe ja keinen Anspruch auf Vollkommenheit. Da ich viele Gedichte von Eichendorff gelesen habe, wollte ich mit seinen
    Lieblingswörtern etwas aufs Papier bringen, so wie es gefühlsmäßig aus mir strömt und den Geist Eichendorffs atmet. Wenn das jemand nicht versteht und in seinem Irrtum beharrt, kann man auch nichts machen!!!

    Alfredo

    PS. Ich warte schon auf ein neues Gedicht von Dir!

  7. #7
    Registriert seit
    Sep 2017
    Ort
    am Ende der Welt
    Beiträge
    58
    Hallo Alfredo,
    ich sag ja, ich bin keine gute Analytikerin. So und gleich gibt's für dich das versprochene Gedicht.
    LG Wilhelmine

  8. #8
    Registriert seit
    Apr 2017
    Beiträge
    325
    Hallo Wilhelmine,
    Das mit dem nicht verstehen und im Irrtum beharren, ist nicht auf Dich gemünzt. Da war ich in Gedanken bei einem anderen Kommentator.
    Verzeih.
    LG Alfredo

  9. #9
    Registriert seit
    Nov 2008
    Beiträge
    11.048
    Lb. Alfredo,

    ein sehr schönes Gedicht mit kleinen Mängeln.

    Wenn alle Brunnen springen,
    xXxXxXx
    beginnt mein Herz zu singen.
    xXxXxXx
    Des klaren Wassers Kühle,
    xXxXxXx
    lindert Mittags dumpfe Schwüle.----—hier bist Du zu betontem Auftakt gewechselt
    XxXxXxXx

    Bunt sind jetzt des Rebstocks Blätter,
    XxXxXxXx
    die Traube wandert in den Kelter.-----hier wieder Auftaktwechsel
    xXxXxXxXx
    Im Fass(e) reift der Rebensaft,----------Im Fass, da reift der Rebensaft
    xXxXxXxX
    verheißend Glück und Lebenskraft.
    xXxXxXxX

    Es regiert nun starrer Frost.
    XxXxXxX
    Des Lenzes Kommen gibt mir Trost.----Trost und Frost wird unterschiedlich betont.
    xXxXxXxX
    Wenn sacht die Wälder wieder rauschen,
    xXxXxXxXx
    will ich mit Inbrunst ihrer lauschen.
    xXxXxXxXx

    Durch Busch und Wipfel säuselt Föhn,
    xXxXxXxX
    die Sonn' erstrahlt auf Bergeshöhn.
    xXxXxXxX
    Zum Blühen rüstet sich Natur,
    xXxXxXxX
    es sprengt mein Herz, es jubelt nur!
    xXxXxXxX

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  10. #10
    Registriert seit
    Apr 2017
    Beiträge
    325
    Hallo Hans,
    danke, dass du dir die Mühe gemacht hast, mein Gedicht zu analysieren. Als Hobbydichter kann ich noch viel von dir lernen,
    darum lese ich deine Sachen sehr gerne.
    LG Alfredo

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Joseph von eichendorff Abschied Betonung
    Von Ichbinabc im Forum Metrikfragen
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 11.01.2018, 00:18
  2. Joseph von Eichendorff: Abschied
    Von ambrosia im Forum Bibliothek - Interpretationen und Gespräche
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 04.04.2006, 17:12
  3. Joseph v. Eichendorff: Der Blick
    Von Frostbringer im Forum Bibliothek - Interpretationen und Gespräche
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 24.05.2004, 15:10
  4. Joseph von Eichendorff: Mondnacht
    Von twinklingstar im Forum Bibliothek - Interpretationen und Gespräche
    Antworten: 8
    Letzter Beitrag: 20.02.2003, 18:48
  5. Joseph von Eichendorff: Wuenschelrute
    Von twinklingstar im Forum Archiv
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 07.02.2002, 07:49

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden