Du, Mutter, sahst mein Auge trinken
Des ird'schen Tages erstes Licht;
Auf dein erblassend Angesicht
Sah ich den Strahl des Himmels sinken.

Ein Grab, o Mutter, ist gegraben dir
An einer stillen, dir bekannten Stelle,
Ein heimatlicher Schatten wehet hier,
Auch fehlen Blumen nicht an seiner Schwelle.

Drin liegst du, wie du starbest, unversehrt,
Mit jedem Zug des Friedens und der Schmerzen;
Auch aufzuleben ist dir nicht verwehrt:
Ich grub dir dieses Grab in meinem Herzen.

Verwehn, verhallen ließen sie
Den frommen Grabgesang;
In meiner Brust verstummet nie
Von dir ein sanfter Klang.

Du warst mit Erde kaum bedeckt,
Da kam ein Freund heraus,
Mit Rosen hat er ausgesteckt
Dein stilles Schlummerhaus.

Zu Haupt zwei sanft erglühende,
Zwei dunkle niederwärts,
Die weiße, ewig blühende,
Die pflanzt' er auf dein Herz.

Zu meinen Füßen sinkt ein Blatt,
Der Sonne müd', des Regens satt;
Als dieses Blatt war grün und neu,
Hatt' ich noch Eltern lieb und treu.

O, wie vergänglich ist ein Laub,
Des Frühlings Kind, des Herbstes Raub!
Doch hat dies Laub, das niederbebt,
Mir so viel Liebes überlebt.

Die Totenglocke tönte mir
So traurig sonst, so bang;
Seit euch geläutet ward von ihr,
Ist sie mir Heimatklang.

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Ludwig Uhland denkt in diesem Gedicht über den Tod seiner Eltern nach. Wenn auch teilweise etwas schwer verständlich, finde ich den Text doch schlicht und schön. Meiner Meinung nach handelt es sich hierbei um das beste Gedicht, in welchem über den Tod geliebter Menschen nachgesonnen wird.