Thema: Vergangen

  1. #1
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    Vergangen

    Der Herbst schüttelt sein
    dünnes Blätterhaar
    in die angegraute Zeit

    Tage drehen sich kokett
    im bunten Kleid
    des Abschieds

    Der letzte Schmetterling
    liebkost die Blume
    Vergänglichkeit

    Ein kalter Duft
    folgt der Ahnung auf dem
    Weg zur Erinnerung

  2. #2
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    4.281
    Hallo Ena Ira,

    Sehr gern habe ich deinen Text gelesen. Der Text ist ungereimt, arbeitet aber sehr intensiv mit Bildern, die mich überzeugen.
    Die Beziehungsebenen in den Bildern greifen dabei für mein Empfinden sehr gekonnt ineinander.

    In Strophe 1 wird die Vergänglichkeit mit dem Herbst begonnen. Die Personfikation des Herbstes und das Bild der Blätterhaare gefällt mir hier sehr gut. Die angegraute Zeit kann auch überzeugen, und verdichtet über das Bild der angegrauten Haare deine Botschaft.
    Strophe 2 wird von einer gewissen Leichtigkeit und Unschuldigkeit getragen, knüpft aber über das bunte Kleid, das in der Vorstellung an die Herbstblätter erinnern mag, an die vorhergehende Strophe an. Dieses Aufgreifen und Verändern, dieses Weiterspinnen eines Bildes, eines Gedankes gelingt dir hier mit spielerischer Leichtigkeit. Gefällt mir.
    Strophe 3 geht aus dem Allgemeinen (Herbst, ...) hin ins Detail. Inhaltlich passt aber auch dies zum Herbst und fügt dem Bestehenden Ganzen einen weiteren Aspekt, ein kleineres, feineres Detail hinzu.
    Strophe 4 gibt nun den Ausblick - die Kälte als Vorbote des Winters, des Vergessens.

    Gerne gelesen.
    LG
    Nightfury
    Geändert von MisterNightFury (26.04.2019 um 21:44 Uhr)

  3. #3
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    Es freut mich, dass es dir gefällt. Du beschreibst sehr gut, was ich vermitteln möchte.

    Vielen Dank

  4. #4
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    763
    Hallo Ena Ira,

    ich kann mich dem Lob von MisterNightFury leider nicht anschließen, obwohl Du viele schöne Bilder in Deinem Gedicht aufgerufen hast. Aber schon die zweite Strophe fällt aus der Gesamtstimmung des Gedichts heraus. Die Tage drehen sich jungmädchenhaft und kokett und bewundern sich in ihrem bunten Kleid. Diese jugendliche Vitalität bekomme ich mit dem Vergänglichkeitstopos, der sonst des Gedicht beherrscht, nicht zusammen. Eine Lösung wäre vielleicht, die zweite Strophe an den Anfang zu stellen. Dann hätte man eine durchgehende Entwicklung von einem einigermaßen frohgemuten, bunten Beginn zu immer mehr Trauer und Tristesse.

    Wendungen wie "Blume der Vergänglichkeit" oder "buntes Kleid des Abschieds" finde ich zudem generell ungeschickt, weil in ihnen die rein bildliche Ebene verlassen wird und das Gedicht seine eigene Metaphorik zu erklären beginnt. (Pass auf Leser: Hebstblume ist ein Vergänglichkeitssymbil). Aber keine Angst, so doof ist der Leser nicht, der kommt schon von alleine darauf.

    Insgesamt fehlt es dem Gedicht an Konkretion. Von wessen Vergänglichkeit ist die Rede, vergeht die Natur oder das LI, wie sieht das aus, was genau macht der Hebst eigentlich. Besonders deutlich wird das in der letzten Strophe. Da wird noch einmal die Vergängllichkeit beschworen. Von der Ahnung (Zukunft) geht es zur Erinnerung (Vergangenheit). Ja, Zeit vergeht. Im Herbst, aber auch im Winter, Frühling und im Sommer. Es handelt sich also bei diesen Versen um eine Art lyrische Steckblume, die in jedes Bouquet passt. Übrigens, wieso schreibst Du eigentlich etwas von einem "kalten Duft". Kommen Herbst und Winter denn parfümiert? Ein "kalter Hauch" wäre vermutlich die etwas bessere Variante.

    Fazit: Du hast in diesem Gedicht zwar viel empfunden aber nur wenig gesehen und da steckt für das Gedicht das Problem. (Ich geb zu, die Kritik war jetzt heftig.)

    Next time definitely better

    Regards Onegin
    Geändert von Onegin (29.04.2019 um 02:25 Uhr)
    Love´s not Time´s fool W. S.

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