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Thema: Rückblick

  1. #1
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    Rückblick

    Rückblick

    Von Dämonen begleitet,
    von Engeln befreit,
    schicksalsgeleitet,
    seelenentzweit,
    auf dunkelsten Schatten
    durch Höllen geritten,
    oft ohne Erfolg
    mit Göttern gestritten,
    in fließenden Farben
    gefühlt neu geboren,
    war in Seelennarben
    das Denken verloren.

    -= Lightning =-
    Geändert von Lightning (05.05.2019 um 19:34 Uhr)
    Des langen Tages Arbeitslohn
    ist die Nacht - ich schlafe schon.

  2. #2
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    Wenn es weiter nichts ist hat man das auch schon zu oft gesehen , gehört und gefühlt. Erscheint sehr unmotiviert irgendwas anderes zu sein als ein Kuddelmuddel von losen Enden die unser aller Leben irgendwie nur andeuten ohne aber eben mal da reinzuschneiden wo Fleisch gewesen wäre. So als könnte eine Seelenentzweiung nicht schmerzhafter sein als sich sowas auszudenken. Nur als Beispiel was ich meine.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  3. #3
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    Guten Abend, Terrorist

    Ja. Der Titel lautet auch "Rückblick", und ist ein Rückblick hinsichtlich meiner Erkrankung. Somit ist in diesem Fall das LI auch mein eigenes Ich.. und es war nicht meine Absicht, auf einen bestimmten Schmerz direkt einzugehen, weil ich sonst wohl aus jedem der angedeuteten "Schmerzen" mehrere Einzelgedichte hätte machen "müssen". Die kommen vielleicht wann anders noch.. bzw.. sind schon "verarbeitet".. aber leider nicht in einer Form, die ich hier im Forum posten würde. Die Zeilen sind also bewusst nur Andeutungen, und eine grobe Zusammenfassung des "Erlebten". Zudem denke ich, dass man die Zeilen gerade dank der offenen Enden auch etwas anders interpretieren kann, als sie von mir selbst erlebt wurden. Man kann sie aber auch so sehen, wie ich sie erlebt habe.. wenn man sie einfach wortwörtlich nimmt. Rückblickend empfinde ich den Realitätsverlust auch nicht mehr als schmerzhaft, sondern eher als Bereicherung. Also macht auch aus dieser Sicht zu viel "Schmerz" keinen Sinn. Wer weiss schon, ob es überhaupt ein Realitätsverlust war ^^

    Um dein Beispiel auch noch aufzugreifen: Die von dir genannte Seelenentzweiung hier als Persönlichkeitsspaltung mit all ihren Schmerzen aufzuführen, war nicht meine Intention. Trotzdem hast du natürlich Recht, wenn ich die Schmerzen hätte verdeutlichen wollen.

    Beste Grüße,
    Lightning
    Geändert von Lightning (30.04.2019 um 22:51 Uhr)
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  4. #4
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    Hallo Lightning,

    das ist rhythmisch eine runde Sache und auch inhaltlich will mir das einiges sagen. Einzig der letzte Vers mag mir noch nicht so ganz gefallen. "Realität" ist irgendwie kein schönes Wort für ein Gedicht, und das "wohl" scheint mir überflüssig. Es geht doch um eine Gewissheit? Dass der Schlussvers in Abgrenzung zu den anderen Versen so betont prosaisch klingt, ist schon eine gute Idee. Könntest Du Dir noch eine andere Formulierung mit gleichem Effekt vorstellen?

    LG Claudi
    com zeit - com .com

  5. #5
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    Hallo Claudi!

    Hmm.. also auf die Schnelle würde mir jetzt nichts einfallen, was den letzten Satz ersetzen könnte. Gibt es denn viele Worte, die "Realität" ersetzen? Bin gerade noch nicht ganz fit im Kopf. Für Vorschläge bin ich natürlich offen, wobei ich auch sagen muss, dass es eben ein Rückblick ist, und der letzte Satz im Prinzip erst erklärt, dass es sich "wohl" um einen Realitätsverlust handelt. Wie im oberen Kommentar bereits geschrieben: "Wer weiss schon, ob es überhaupt ein Realitätsverlust war?"

    Somit.. habe ich das "wohl" in meinen Gedanken eingebaut, weil es sich eben nicht gänzlich um eine Gewissheit handelt. Ich meine.. vielleicht waren Teile des Erlebten ja auch "nur" eine erweiterte Wahrnehmung, mit der ich zu dieser Zeit nicht umgehen konnte, weil sie alle Vorstellungen übertraf. In manch anderen Kulturen hätte man mich während der akuten Phase evtl. auch als "erleuchtet" betrachtet, und nicht als verrückt. Das ist sicher auch ein Teil des Problems, warum viele Betroffene die "Krankheit" nicht loslassen können/wollen, weil sie sich fragen.. wieviel des Erlebten überhaupt Krankheit ist.. und was davon vielleicht doch real sein könnte.

    Aus diesem Grund habe ich die Zeilen auch im religiös/mythischen Bereich einsortiert.. weil ab dieser Frage auch die Frage aufkommen könnte, ob eine Art höhere, intelligente Macht/Energie existiert.. wie auch immer man sie nennen mag.. oder nicht. Das ist natürlich eine Frage, die keiner wirklich beantworten kann.. da kommt der Glaube ins Spiel.

    Also auch hier muss ich sagen, dass ich das Ende natürlich ändern könnte.. und für Vorschläge offen bin. Für mich selbst werde ich die Zeilen allerdings so stehen lassen, weil eben auch die Ungewissheit, die sich im Wörtchen "wohl" findet, Teil der "Krankheit" war/ist. Also die Zeilen habe ich auch hauptsächlich als Rückblick für mich selbst geschrieben, auch, wenn ich sie hier geteilt habe

    Wie gesagt.. wenn du mir einen Vorschlag machen kannst, wie das Ende evtl. besser klingen könnte, und mir dieser gefällt, ändere ich die "öffentliche" Version natürlich gerne. Da es sich um etwas von mir selbst Erlebtes handelt.. bin ich hier gedanklich etwas eingeschränkt ^^

    Liebe Grüße,
    Lightning
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  6. #6
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    Hallo Lightning,

    Hmm.. also auf die Schnelle würde mir jetzt nichts einfallen, was den letzten Satz ersetzen könnte. Gibt es denn viele Worte, die "Realität" ersetzen? Bin gerade noch nicht ganz fit im Kopf. Für Vorschläge bin ich natürlich offen, wobei ich auch sagen muss, dass es eben ein Rückblick ist, und der letzte Satz im Prinzip erst erklärt, dass es sich "wohl" um einen Realitätsverlust handelt.
    Wörter bzw. Umschreibungen für den ganzen Satz würden mir schon einfallen. Die Frage ist, ob Du das so ausdrücken möchtest. Da müsste ich weit ausholen ohne zu wissen, ob Du etwas damit anfangen kannst. Ein paar Begriffe, die mir spontan einfallen:

    Wirklichkeit, Wahrnehmung, den Boden unter den Füßen verlieren

    Wie im oberen Kommentar bereits geschrieben: "Wer weiss schon, ob es überhaupt ein Realitätsverlust war?"
    Ja, verstehe, damit erklärt sich auch schon das "wohl", das Du noch ausführlicher begründet hast. Ich kann hier nur sagen, was mir gefällt. Wenn Du Dich allerdings aus heutiger Sicht gar nicht so klar vom Vergangenen abgrenzen möchtest, ergibt für mich auch der metrische Wechsel keinen Sinn? Dann würde ich lieber den Rhythmus beibehalten. Was Du ausdrücken möchtest und wie, kannst aber nur Du wissen.

    LG Claudi
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  7. #7
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    Das war keine Krankheit. Aber bis du dich für Antwort oder Frage entscheidest, ist der Rückblick auch Vision.
    Der Roman: "Verballistik"
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  8. #8
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    Moin nochmal!

    Wenn Du Dich allerdings aus heutiger Sicht gar nicht so klar vom Vergangenen abgrenzen möchtest, ergibt für mich auch der metrische Wechsel keinen Sinn?
    Naja.. eine Abgrenzung zur Vergangenheit ist es auch aus heutiger Sicht. Die Grenze zwischen "akut" psychotisch und zurechnungsfähig, ist nicht zu gering einzuschätzen. "Akut" hätte ich gar keinen Rückblick verfassen können

    Was das Versmaß betrifft: Wenn ich es richtig erkannt hatte, müsste v1 jambisch sein.. der Rest bis auf den letzten Vers sollte im Daktylus stehen.. und die letzte Zeile ist trochäisch. 100% sicher bin ich mir aber nicht.
    Die erste Zeile wollte ich nach einigen Versuchen nicht ändern, weil es gefühlt gepasst hat.. und bei der letzten Zeile dachte ich mir, die Abweichung wäre nicht weiter tragisch, weil die Zeile sich vom Rest abgrenzt. Die Zeilen zuvor fassen eher damals Erlebtes zusammen.. und die letzte Zeile weisst darauf hin, dass es sich bei den vorherigen Zeilen um einen Realitätsverlust gehandelt haben könnte.

    "war ich in Wirklichkeit verloren" .. hm. Mit Wahrheit und Wirklichkeit könnte ich schon was anfangen, aber da würde ich wahrscheinlich so viel verändern, dass am Ende ein anderes Gedicht hier stehen würde. Wobei ich noch überlege, ob mir nicht auch diese kleine Änderung besser gefällt.

    Das war keine Krankheit. Aber bis du dich für Antwort oder Frage entscheidest, ist der Rückblick auch Vision.
    Ob es eine Krankheit ist/war.. muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Psychosen sind auch zu unterschiedlich, um sie zu verallgemeinern. Bei mir waren Teile der "Visionen" sicher krankhaft.. aber manche Teile sicher auch nicht. Daher muss ich mich auch nicht zwischen "Antwort oder Frage" entscheiden, weil dies die Antwort auf "meine" Frage ist. Rückblick ist somit auch Rückblick, und keine Vision. Aber ich verstehe, was du meinst.

    Beste Grüße,
    Lightning
    Geändert von Lightning (01.05.2019 um 21:06 Uhr)
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  9. #9
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    Hallo nochmal,

    Was das Versmaß betrifft: Wenn ich es richtig erkannt hatte, müsste v1 jambisch sein.. der Rest bis auf den letzten Vers sollte im Daktylus stehen.. und die letzte Zeile ist trochäisch. 100% sicher bin ich mir aber nicht.
    ah, Du betonst Dämonen anscheinend XxX? Im Singular wird der Dämon tatsächlich auf der ersten Silbe betont. Aber im Plural sagt man xXx? Ich ixe Dir mal Deine Verse. Der gute Klang ergibt sich nicht durch ein regelmäßiges Metrum, sondern dadurch, dass alle Verse zwei Hebungen mit einer Doppelsenkung dazwischen haben. Diese Kombination XxxX (Chorjambus) klingt stark heraus, und die Silben drumherum variieren das Muster sehr angenehm.

    Von Dämonen begleitet
    xxXxxXx
    von Engeln befreit,
    xXxxX
    schicksalsgeleitet,
    XxxXx
    seelenentzweit,
    XxxX
    auf dunkelsten Schatten
    xXxxXx
    durch Höllen geritten,
    xXxxXx
    oft ohne Erfolg
    xXxxX
    mit Göttern gestritten,
    xXxxXx
    in fließenden Farben
    xXxxXx
    gefühlt neu geboren,
    xXxxXx
    hatte ich wohl die Realität verloren.
    XxxXxXxxXxXx


    Ich denke, hier hast Du Dir durch die Reime wieder selbst die Fesseln angelegt, die Dich daran hindern, präzise auszudrücken, was Du sagen willst. Wenn Dir das nun aber so in den Sinn kam, lass Dich vielleicht einfach vom Reim weitertragen? Manchmal bestimmt das Gedicht, wo es hingeht, und der Dichter ist machtlos dagegen.

    Letztlich wird es wohl auf "verloren" als Schlusswort hinauslaufen. Ich könnte mir z.B. folgendes vorstellen:

    hab ich den Blick (den Sinn)
    für das Wahre verloren.

    ging mir die Klarheit
    im Denken verloren.

    habe ich mich
    aus den Augen verloren.

    hab ich vielleicht
    die Wahrheit verloren.

    LG Claudi
    Geändert von Claudi. (01.05.2019 um 23:11 Uhr)
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  10. #10
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    Hallo Claudi

    Vielen Dank, für die x-en!
    Ja, die Dämonen hatte ich dann "falsch" bzw. anders geixt.

    Ein unbewusster Chorjambus ist hier also versteckt. Das klingt ja fast nach Musik.
    Ich denke, da mir das Wörtchen "Chorjambus" nicht bekannt war, habe ich an dieser Stelle wieder was gelernt *g*

    Und ja.. durch Metrum und Reime lege ich mir des Öfteren seltsame Fesseln an. Auch die "tragenden" Reime kenne ich gut.
    Bei diesen ist mein Problem, dass sie häufig kein Ende finden, und Enden deshalb oft abgehackt wirken.

    "Ging mir die Klarheit im Denken verloren", finde ich gut
    Das werde ich wohl so übernehmen. Thx!

    Hmm.. ich überlege auch, statt mit "Von Dämonen begleitet, von Engeln befreit,"
    mit "Dämonengeleitet, engelsbefreit" zu beginnen. xXxxXx, XxxX müsste das dann sein.
    Das sollte sich dann rein theoretisch sogar etwas besser in den Chorjambus einfügen.

    Liebe Grüße,
    Lightning

    Nachtrag: Soo.. aufgrund des Hinweises auf den Chorjambus, habe ich noch ein paar kleine Änderungen vorgenommen.
    Ich hoffe, dass sich auch das Ende trotz Abweichung des Metrums im vorletzten Vers besser einfügt..
    nicht, dass es sich am Ende schlechter liest, als zu Beginn

    Um die Änderungen nachvollziehen zu können, hier nochmal die "Originalversion":

    Von Dämonen begleitet,
    von Engeln befreit,
    schicksalsgeleitet,
    seelenentzweit,
    auf dunkelsten Schatten
    durch Höllen geritten,
    oft ohne Erfolg
    mit Göttern gestritten,
    in fließenden Farben
    gefühlt neu geboren,
    hatte ich wohl die Realität verloren.
    Geändert von Lightning (02.05.2019 um 21:39 Uhr)
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  11. #11
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    Hallo Lightning,

    ne, ich glaube, jetzt fängst Du an zu verschlimmbessern. "Dämonenbegleitet" und "engelsbefreit" klingen nun sehr technisch, ähnlich wie "schadstoffbelastet" oder "gefriergetrocknet" und gar nicht mehr nach Lyrik, die das Gefühl anspricht. Außerdem hätte "engelsbefreit" eine andere Bedeutung als die von Dir beabsichtigte (das LI ist die Engel losgeworden). In Deiner ersten Fassung könnte man zwar auch auf diese Bedeutung kommen, aber da der erste Vers eindeutig ist, wird der Leser beim zweiten "von" in die gleiche Richtung denken wie in V1.

    Auch der Schluss gefällt mir noch nicht. Die Träume weisen inhaltlich wieder zurück in den Vergangenheitsteil. Besser fände ich hier eine Erkenntnis, die aus den Fantasien herausführt. Auch liest sich "war die Klarheit des Denkens" nicht so gut wie meine Beispiele. "Klarheit" ist ein etwas sperriges Wort, das am Versende besser aufgehoben ist als in der Mitte. Lies die Verse mal laut und versuch, auf den Rhythmus zu hören. Und schlaf am besten noch zwei Nächte drüber.

    LG Claudi
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  12. #12
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    Hehe.. ich dachte es mir fast x)

    Und ja.. "engelsbefreit" und "von Engeln befreit" ist beides zweideutig, wenn man so will.
    Also änder ich wieder zurück zum Beginn, und suche nur nach dem "anderen" Ende?

    Die Klarheit habe ich bestimmt eine Stunde ein- und ausgebaut.
    Du kannst doch nicht einfach mit sperrigen Worten herumwerfen *g*
    "War der klare Gedanke in Träumen verloren", "waren klare Gedanken in Träumen verloren"..
    "war das Klare des Denkens in Träumen verloren".. "War das Klar der Gedanken in Träumen verloren"
    hatte ich z.B. auch einige male hier stehen.. auch ohne "Träume", und ich fand auch fast alles einfacher zu lesen.

    "War die Klarheit des Denkens im Träumen verloren" gab mir dafür mehr zu denken,
    und "engelsbefreit" hatten die Zeilen auch schon den Drang zum bedenklich schreiben,
    daher waren die Gedanken auch "im" Träumen und nicht "in" Träumen verloren
    "Hatte ich die Gedanken verloren" war auch eine Version..

    Laut gelesen habe ich auch.. mir gefallen zu viele Enden, das ist das Problem *g*
    Und die sind ja alle erstmal nur auf "Klarheit" bezogen.. und noch nicht auf deine anderen Vorschläge.

    Ka, ob ich auf ein "Ende" komme, dass dir 100% gefällt,
    daher übernehme ich vorerst wohl doch die Version mit "Klarheit" am Ende, und lasse die Träume weg.
    Aber wie erwähnt: Es ist ein "Rückblick". Und dass die Klarheit des Denkens verloren "war", ist doch eine Erkenntnis?
    Wenn sie im Traum verloren war, ist das sogar noch eine zweite Erkenntnis.
    Im akuten Zustand weiss man jedenfalls nicht, wann, wie und ob man Gedanken verloren hat.
    Zudem kann man mit der Verbindung zum Traum die Zeilen auch abseits eines "Realitätsverlustes" betrachten.

    "War die Klarheit
    in Träumen verloren".. hm.. evtl. kommt das Ende auch ohne Denken aus?

    Wenn ich das Wörtchen "ging" aus deiner Version nehmen würde,
    deutet es eher an, dass die Gedanken vielleicht noch nicht wiedergefunden wurden.
    Das hatte ich auch eingebaut.. aber nur, weil es zu dem "g" im vorherigen Vers gepasst hat..
    dann wurde das "ging" doch wieder zum "war", weil ich dachte, das Ende dürfte ruhig etwas mehr für sich stehen.
    Also Gedanken dazu habe ich mir schon gemacht, aber wie du schon sagst.. vielleicht mit etwas Abstand nochmal drüber schauen.
    Wie gesagt, in meinen Dokumenten lasse ich sowieso die "Originalversion" stehen,
    hier versuche ich gerade nur, die Vorschläge umzusetzen

    Du hast wohl auch Recht mit dem Problem der Klarheit. "Wahrheit" klingt heute besser.
    Da kommt dein Vorschlag meiner Ursprungsversion inhaltlich auch am nächsten.
    "Habe ich vielleicht die Wahrheit verloren" .. ursprung: "hatte ich wohl die Realität verloren".
    Auch hier liest sich "Habe" wieder besser, als "hatte".. wobei "hatte" zutreffender wäre. Das "Vielleicht" raubt dem Unterschied aber auch die Wirkung. Wenn ich es richtig verstanden habe, stört dich auch gerade hier die Vergangenheitsform.

    "Waren Gedanken traumhaft verloren" wäre vielleicht auch was. Find ich im Moment sogar am besten.
    Würde dann zumindest das dich störende "Träumen" abmildern.
    Um im Traum zu bleiben: "Waren die Träume des Unsinns geboren"..
    zu viele Enden.

    Falls ich zu viel schreibe, und noch Vorschläge kommen sollten, dann evtl. ins Arbeitszimmer verschieben ^^

    LG, Lightning
    Geändert von Lightning (03.05.2019 um 08:11 Uhr)
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  13. #13
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    Hallo nochmal,

    ob mir Deine Verse gefallen, ist ja nun wirklich zweitrangig. Was ich versuche, Dir zu vermitteln, sind eigentlich eher allgemeine Vorstellungen von einem gelungenen Gedicht. Warum schreibst Du einen Text überhaupt in Gedichtform? In Prosa könntest Du das doch alles viel präziser ausdrücken. Im Gedicht, jedenfalls im lyrischen Gedicht (es gibt auch rhetorische, die wieder anders wirken) möchte man doch dem Leser nicht alles 1:1 im Klartext verklickern, sondern durch Bilder. Die Bilder, die Du hier zeigst, beschreiben ja alle in gewisser Weise eine Traumwelt. Der Leser kann das gut erspüren, ohne dass Du Worte wie "Träume", "Fantasie", "Hirngespinste" oder ähnliche, die das Gezeigte benennen, auch nur ein einziges Mal erwähnen musstest. Das ist die Kunst beim Dichten.

    Deswegen würde ich am Schluss nur benennen, was verloren ging. Verstehst Du?

    LG Claudi
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  14. #14
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    Huhu

    Ja.. dass das zweitrangig ist, ist mir klar.. daher sagte ich auch, dass das Gedicht für mich selbst so stehen bleibt, wie es zu Beginn war. Ich denke, dass es auch einfach Geschmackssache ist, welche Worte man für sich selbst lieber liest. "Hatte ich wohl die Realität/Wahrheit verloren", finde ich persönlich noch immer gut. Mit "Wahrheit" evtl. etwas besser. Ich mag wohl "r" und "t" und "a", daher gefiel mir wohl auch die Klarheit, und das "hatte". Ob ich jetzt lyrische oder rhetorische Gedichte schreibe.. müsste ich wohl einmal mehr ergoogeln. Kommt wohl aufs Gedicht an. Wenn ich das präzise in Prosa ausdrücken wollte.. lande ich meist eher bei Kurzgeschichten, als bei einem "Gedicht". Also auch da müsste ich gefühlt mehr "üben", und derzeit habe ich mehr Spass an Reimen. Zudem sollte es in diesem Fall auch nicht präzise werden. Um präziser zu werden, müsste ich wohl einfach mehr Wörter/Silben in den Versen verwenden, oder eine eigene Strophe für jeden "Traum" schreiben. Also ich denke, dass man auch in Reimen präzise werden kann.

    Gerade bei diesen Zeilen bin ich auch unschlüssig, wenn es um eine Änderung geht.. weil es für mich selbst eben noch immer ein Rückblick auf meine Krankheit ist, daher habe ich ein recht klares Bild vor Augen, das sich nur schwer ändern lässt. Ich hatte evtl. auch gehofft, einen Hinweis für ein gelungeneres Ende in den aufgezählten Versionen zu bekommen *g* Für mich selbst komme ich nach zig Versuchen immer wieder auf mein eigenes Ende zurück. Vielleicht passt das Ende auch nicht wirklich, weil das Reimschema durchbrochen ist.

    in fließenden Farben
    gefühlt/gefühlvoll verloren,
    ist/war aus Seelennarben/vielen Narben
    der/ein Glaube geboren.

    In den Varianten hätte ich das Reimschema drinn, auch wenn mir "in fließenden Farben gefühlt neu geboren" besser gefallen würde.
    Zudem hätte ich weder das Träumen, noch das Denken angesprochen.. und durch den gefundenen "Glauben", der individueller Natur ist, und den sich somit jeder selbst ausmalen kann (lyrische freiheit^^), wäre auch wieder klarer, warum die Zeilen hier einsortiert sind. Zudem würde es auch dem Bild meiner "Krankheit" nicht widersprechen.

    Somit stünde jetzt am Ende auch eine Erkenntnis, die du ja erst gut gefunden hättest. Die Erkenntnis, dass aus dem "Verlust" eine Art Glaube entstand. Jetzt ginge aber am Ende nichts mehr wirklich verloren, sondern es würde etwas gefunden werden.

    Also ich denke, ich verstehe schon, was du mir sagen möchtest.. daher liste ich hier auf, wie ich das "Problem" angehe.
    Evtl. gehe ich die Sache ja auch "falsch" an. Ich lerne ja gerne dazu, daher auch so ausführlich, wenn mir schon mal jemand sagt, wo evtl. Unstimmigkeiten zu finden sind. Und auch, wenn es mir bei den Zeilen hier schwer fällt.. werde ich das, was du mir mitgeben hast, sicher in anderen Zeilen auch bedenken

    LG, Lightning
    Geändert von Lightning (03.05.2019 um 14:32 Uhr)
    Des langen Tages Arbeitslohn
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  15. #15
    Tincatinca Guest
    Wer auf eine Krankheit zurückblicken kann, hat sie in aller Regel überstanden.

    Krankheiten pflegen nicht nur mit Verlusten einherzugehen, sondern bringen mitunter auch Zugewinn. Der wertvollste davon ist die Erkenntnis, dass man auch dann noch den Überblick haben und nach vorn gucken kann, wen man mit gebrochenem Flügel am Boden bleiben muss.

    Dass aus dem Siechtum selbst Glaube woran auch immer entstünde, halte ich für unwahrscheinlich. Es ist wohl eher so, dass dem Kranken oder dem für immer Gehandicapten schier nichts anderes übrigbleibt, als auf etwas „danach“ zu hoffen. Ob man das schon unter „Glauben“ verstehen kann? Besser wäre m. E. die Erkenntnis, dass man stets das tun sollte, was man noch tun kann, und ebendarin den Sinn sähe. Das muss keine religiöse Erkenntnis sein.

    Solche grundsätzlichen Gedanken als kurzes Gedicht verfassen zu wollen, das sich reimt und dem Rezipienten die Erkenntnisse vermittelt, die aus dem Leiden wachsen können, halte ich für schwierig bis unmöglich. Die vorgestellten Reime können es jedenfalls nicht. Sie bleiben im Selbstmitleid stecken; der letzte Vers ist keine Erkenntnis, sondern schlichte Behauptung, die im Vagen ruht. Wir erfahren ja nicht mal, woran das LyrIch glaubt. An die Auferstehung? An die physische Rehabilitation? An unser Krankenkassensystem? An Karl Marx, Mohammed oder Jesus Christus?

    tinca

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