Thema: Lernerfahrung

  1. #1
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    Lernerfahrung

    Wer denkt, er lernt durch die Erfahrung,
    der sollte dazu dann bedenken.
    Nur Mühe schafft die Offenbarung
    und kann auch Dir Erkenntnis schenken.
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  2. #2
    Tincatinca Guest
    Leider ist das ein rechter Unsinn.

    Die Erfahrung ist ein Produkt allerlei Lernprozesse. Sie steht als solche nicht am Anfang, sondern am Ende eines Weges.

    Sprachlich Gewandte unterscheiden zwischen dem umfassenden Begriff der „Erfahrung“, die erworbener Bestandteil von Wissen und Weisheit ist, und den Erfahrungen, die man ohne großes eigenes Zutun „machen“ kann – wenn man die Haustür von außen zuwirft, ohne den Schlüssel dabeizuhaben, Salz statt Zucker in den Kuchen rührt oder beim Rechtsabbiegen mit dem Lastwagen nicht in den Rückspielgel schaut. Auch der dabei überfahrene Radfahrer macht eine Erfahrung – wenn er denn überlebt.

    Und auch das mit der Mühe kann man so nicht stehenlassen – wie oben dargestellt, braucht’s gar keinen großen Aufwand, um etwas zu erfahren und sich anschließend zu merken. Es soll Schüler geben, die gern zur Schule gehen, Musiker, die gern üben, Arbeiter, die ihren Beruf lieben.

    Wer erfahren werden will, sollte Zeit haben. Viel Zeit. Man muss eine Menge guter und schlechter Erfahrungen machen können, um erfahren zu werden oder erfahren zu sein. Ich glaube, die guten und die schlechten halten sich in etwa die Waage, wenn ich mich so umblicke. Kein Grund also, hier gleich mit der klobigen Moralkeule anzukommen, Hans Plonka: Das Leben kann durchaus schön sein!

    tinca

  3. #3
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    Hallo Hans,
    das gefällt mir. Ein interessantes DenkMuster, aber ich mühe mich...
    zwischen Gras und Heu suche ich scheu, die Brücke... das Große,
    zwischen "erworbener Bestandteil" und "eigenes Zutun" .
    ...man kann auch von den Fensterscheiben, statt von den Lippen ablesen/-hören.
    Hoffentlich sind meine Gedankensprünge nicht zu Klafterhaft.
    BGl
    Geändert von lautmaler (05.05.2019 um 12:24 Uhr)

  4. #4
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    Lb. Tincatinca, lb. lautmaler,

    wir lernen aus Erfahrung, dass die Menschen nicht aus Erfahrung lernen. ------George Bernard Shaw

    wer sich nicht bemüht seine Erfahrungen zu verstehen (zu bedenken), wird nichts aus ihnen lernen.
    Durch Erfahrungen ist noch nie Weisheit entstanden. Ohne die Mühe alles in rechter Weise zu bedenken wird nicht daraus gelernt.

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  5. #5
    Tincatinca Guest
    Bei Herrn Shaw solltest du ein bisschen Obacht geben, Hans Plonka - der hat zeitlebens nicht nur furchtbar viel geschrieben, sondern auch jede Menge Blödsinn verzapft. Er war ein glühender Stalinist, Antisemit und Verfechter der Rassenlehre mitsamt ihrer fatalen Eugenik. Sich auf ihn zu berufen, wenn man wie du in unreflektierten Reimen die Empirie in Frage stellen möchte, bringt nichts, sondern löst allenfalls Bedauern aus.

    Gewiss, es gibt Unglücksraben, die nie ein Ziel treffen und die aus ihren Fehlern nie etwas lernen, aber diese armen Tröpfe gleich (und überheblich!) als pars pro toto anzusehen wie du, geht gar nicht. Es gibt das angeborene learning by doing sehr wohl. Wenn man Pech hat, gerät man dabei an einen Lehrer wie deinen Herrn Shaw und nimmt ihm ab, dass ein vegetarischer Herrenmensch mehr Rechte habe als ein kleiner, koscheres Fleisch fressender Jude. Aber dann lässt man sich nicht von Erfahrungen leiten und wird am Ende erfahren, sondern glaubt solch törichten Behauptungen und stirbt am Ende als Dummkopf.

    Das ist eine Erkenntnis, die u. a. auf dem fußt, was die Menschen während des Dritten Reichs erfahren haben. Besser: was ihnen widerfahren ist. Im Gegensatz zu dir, Hans Plonka, halte ich den Menschen nicht für unverbesserlich. Ganz im Gegenteil. Es ist halt nur nicht alles so einfach gestrickt, dass man es mit ein paar Verschen schon erklären kann. So wie die deutsche Sprache halt auch - je tiefer man in sie eindringt, desto komplizierter spricht sie sich. Nichts für verbale Grobmotoriker!

    tinca
    Geändert von Tincatinca (05.05.2019 um 16:04 Uhr)

  6. #6
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    Hans macht das immer so, dass man erst Bahnhof versteht, damit der Zug die zu weit Vorgebeugten mal was zurechtrasiert damit die dann vom Fahrplan der Ideen einfach unter Reisedauer schauen und dann den Zug von Erfahrung nach Erkenntnis nicht so theatralisch zu verpassen brauchen wie manch einer hier so gerne es tut.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  7. #7
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    Lb. Tincatinca,

    Herr Shaw ist mir weiter nicht bekannt. Auf sein Zitat bin ich nur zufällig gestoßen und wollte damit nur zeigen, dass ich mit meiner Aussage nicht alleine bin.
    Im Gegensatz zu dir, Hans Plonka, halte ich den Menschen nicht für unverbesserlich.
    Doch der größte Teil der Menschen ist unverbesserlich, was uns die Geschichte beweist.
    Durch Hirnstrommessungen wurde bewiesen, dass bei schlechten Nachrichten und Erfahrungen bei 80 % der Menschen sich die Hirnaktivität reduziert. Sie lernen nicht daraus. Dies nennt man "unrealistischen Optimismus".
    Das negative Bild von Shaw und das was Du davon hältst, sind keine Argumente, die meine Aussage widerlegen.

    LG Hans
    Geändert von Hans Plonka (05.05.2019 um 19:42 Uhr)
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  8. #8
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    Hallo zusammen!

    Also ich persönlich finde die Zeilen in meinem Leben wieder, und finde, dass die Zeilen kurz und knapp auf den Punkt gebracht sind,
    wenn man sie denn "richtig" verstehen möchte.

    Sprachlich Gewandte unterscheiden zwischen dem umfassenden Begriff der „Erfahrung“, die erworbener Bestandteil von Wissen und Weisheit ist, und den Erfahrungen, die man ohne großes eigenes Zutun „machen“ kann
    Sprachlich Gewandte sollten aber auch auch ohne ein "en" an der "Erfahrung" erkennen, welche der beiden Bedeutungen gemeint ist.

    Die Erfahrung ist ein Produkt allerlei Lernprozesse. Sie steht als solche nicht am Anfang, sondern am Ende eines Weges.
    Wer denkt, er lernt durch die Erfahrung,
    der sollte dazu dann bedenken.
    Nur Mühe schafft die Offenbarung
    und kann auch Dir Erkenntnis schenken.

    Auch, wenn die "Erfahrung(en)" hier relativ zu Beginn aufgeführt wird.. steht sie dennoch - zumindest meiner Ansicht nach - am Ende als Erkenntnis.

    Wer erfahren werden will, sollte Zeit haben. Viel Zeit. Man muss eine Menge guter und schlechter Erfahrungen machen können, um erfahren zu werden oder erfahren zu sein.
    Auch das ist für mich im Prinzip ein Teil dessen, was Hans hier aussagt.
    Dazu muss man aber in der "Mühe" auch die Zeit erkennen.

    Wer denkt, er würde lernen, indem er einfach nur irgendetwas macht,
    der sollte dazu bedenken, dass wahre Erkenntnis nur durch mühe/zeit erreicht werden wird.
    Wer also einfach nur was macht, ohne darüber nachzudenken.. wie den schlüssel vergessen..
    wird keine Erkenntnis darüber erlangen, warum er den schlüssel vergessen hat.. wenn er z.B. nicht darüber nachdenkt ^^

    Klar gibt es sicher Ausnahmen.. aber wo gibt es die nicht

    Als Vorschlag für V1 noch: "Wer denkt, er lerne aus/durch Erfahrung".

    LG, Lightning
    Geändert von Lightning (06.05.2019 um 02:56 Uhr)
    Des langen Tages Arbeitslohn
    ist die Nacht - ich schlafe schon.

  9. #9
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    Lb. Lighning,

    oft wird Erfahrung als ein Vorgang verstanden, der das Bedenken und Verstehen mit einschließt. Dies ist aber sehr oft nicht der Fall und meist auch nur dann wenn dafür eine zwingende Notwendigkeit erkannt wird, deshalb verstehe ich den Vorgang des Erfahrens getrennt vom Erkennen, Verstehen und Speichern.

    LG Hans

    Lb Terrorist,

    Deine Analyse gefällt mir.

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  10. #10
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    Hallo Hans!

    Jepp.. das wollte ich eigentlich mit folgendem Kommentar ausdrücken:

    Auch, wenn die "Erfahrung(en)" hier relativ zu Beginn aufgeführt wird.. steht sie dennoch - zumindest meiner Ansicht nach - am Ende als Erkenntnis.
    Anders ausgedrückt:

    Die von Tinca beschriebenen "Erfahrungen" sind in der Erfahrung versteckt.. und die "Erfahrung" in der Erkenntnis.
    Damit wollte ich sagen, dass das "kritisierte" eigentlich schon "passend" ist, wenn man es verstehen möchte.
    Ich persönlich hatte dich schon so verstanden, wie du es meinst, daher finde ich die Zeilen auch gelungen.
    Verwirrend.

    Trotzdem Danke, dass du es nochmal so schön geschildert hast

    LG, Lightning
    Geändert von Lightning (07.05.2019 um 00:56 Uhr)
    Des langen Tages Arbeitslohn
    ist die Nacht - ich schlafe schon.

  11. #11
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    Lb. Lightning,

    das unterschiedliche Verstehen von Wörtern, sowie die Perspektive können das Verstehen der Aussage auch in beeinflussen. Als grundsätzlich falsch sollte deshalb eine Aussage erst nach der Frage nach dem Verständnis beurteilt werden. Danke für Deine einfühlsame Lesung.

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

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