Zwei Knaben schrieben einmal ein Gedicht,
und der Gedanke, der zugrunde lag,
war etwas Schönes für den Muttertag;
das eine reimte sich, das andre nicht.

Der eine war ein kleiner, übler Wicht,
weil er den Ehrentag schlichtweg nicht mag,
traf sein Gedicht die Mutter wie ein Schlag.
Der andre Knabe war im Denken schlicht,

so schrieb der eine seiner Mutter dann,
dass es doch manchmal gut bei ihnen läuft,
vor allem wenn sie nicht mehr so viel säuft
so dass er auch mal etwas trinken kann.

Der andre aber dichtete ganz fein:
Geliebte Mutter, danke für die Last,
die du für mich auf dich genommen hast,
ich werd dir ewig dankbar dafür sein.

Dann gingen beide Knaben aus dem Haus,
der eine stieg in seinen Porsche ein,
der andre hinkte fort auf einem Bein-
nicht immer sieht das Leben rosig aus.

© Curd Belesos