Thema: Poetry-Bäm!

  1. #1
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    Poetry-Bäm!

    Neulich hatte ich mich bei einem Poetry-Slam in der Nähe angemeldet...

    Mein eigentlicher Plan war es,
    einen möglichst heruntergekommen Obdachlosen davon zu überzeugen,
    an meiner Stelle auf die Bühne zu gehen, um dort meine Texte vorzutragen.
    Leider exte er die Flasche Doppelkorn, die ich ihm dafür gab sofort
    und war anschließend nicht mehr in der Lage zu stehen.

    Also musste ich selbst auf die Bühne.

    Spontan entschied ich mich dazu,
    so zu tun als hätte ich eine schwere geistige Behinderung,
    was mir zugegebenermaßen nicht besonders schwerfiel
    - ich hatte es auf Mitleidsapplaus abgesehen.

    Ich betrat die Bühne mit offen stehendem Hosenlatz
    und einem leeren Blatt Papier,
    das ich verkrampft und zitternd in den Händen hielt.

    Beim Vorlesen stotterte ich erbärmlich
    und kam kaum über den ersten Satz hinaus.
    Ich wollte testen,
    wie lange das Publikum mir das durchgehen lassen würde.
    Es dauerte lange.
    Sehr lange.
    Länger als es mir und jedem Zuhörer liebgewesen wäre...
    Währenddessen erntete ich mitleidige, verwirrte Blicke
    wie ein Bauer Zuckerrüben.

    Als der Moderator nach quälend langen Minuten versuchte einzugreifen
    - wozu er sich sichtlich überwinden musste -
    und mir mein leeres Blatt aus der Hand nehmen wollte,
    kreischte ich ihn an wie eine wilde Harpyie,
    breitete meine Arme aus
    und sprang ins - spärlich besetzte - Publikum,
    das panisch zur Seite rückte.

    (Meines Wissens nach der erste Versuch eines Stagedivings bei einem Poetry-Slam)

    Auf allen Vieren krabbelte ich aus dem Saal
    und hinterließ verstörte Zuschauer,
    ein kleines bisschen Blut
    (glücklicherweise mein eigenes)
    und Visitenkarten.

  2. #2
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    Wie immer witzige Idee.

    Aber echt witzig, weil real, fände ich es, wenn das LI für seine Show zunehmend Beifall erhielte. Begründung: Wer Rapbattles kennt, weiß, daß es kein Ge- oder Verbrechen gibt, welches beim Publikum nicht für orgastischen Jubel sorgen könnte. Das widerspricht auch nicht den Hassausbrüchen, die tatsächliche, kriminelle Handlungen seiner "Ehrenmänner" ernten! Die Masse hat halt zwei Herzen: Eines für die Outsider, eines gegen sie. Nichts ist unmöglich.
    Wortfüsse, wohin ich auch seh!

  3. #3
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    Hi Artname!

    Ein paar reale Komponente hat die Story... 1. Habe ich wirklich mal versucht, einen Obdachlosen aufzutreiben der für mich auf die Bühne geht... und 2. Habe ich tatsächlich mal gesehen, wie ein geistig Behinderter versuchte, seine Texte (die von Jesus handelten) vorzutragen, was eine viertelstündige Qual für alle Beteiligten war... Da haben beide Herzen in der Brust des Publikums einfach nur versucht wegzukommen!

    LG
    k

  4. #4
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    Langsam aber sicher näherst du dich dir selber an. Über Umwege die mir sehr viel Aufschluss darüber hinterlassen was hinter der Fassade des Gedichtes von Belang ist. Und da ist so ein Poetry Bäm wirklich Kampf ums Überleben wenn man sich nicht selbst unter Kontrolle bringen kann, will, soll oder darf.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  5. #5
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    Langsam aber sicher näherst du dich dir selber an. Über Umwege die mir sehr viel Aufschluss darüber hinterlassen was hinter der Fassade des Gedichtes von Belang ist.
    Dann erzähl mal bitte! Ich selbst habe nämlich keine Ahnung...

    LG
    k

  6. #6
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    Ich glaube hier gilt es ein Missverständnis aufzuklären, denn auch ich saß im Publikum dieser Table-Dance Bar.......
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  7. #7
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    Ablenkung.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  8. #8
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    @ AnDi

    Der war gut!
    Aber was machst du in einer Schwulenbar!?

    @ Terrorist

    Ja, stimmt. Hinter der Fassade lauert: Ablenkung.

    LG
    k

  9. #9
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    @ klaatu

    zur Schwulenbar wurde sie ja erst nach deinem Auftritt erklärt
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  10. #10
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    Und warum bin ich überhaupt dort aufgetreten?? Ich sollte wirklich die Drogen sein lassen...

  11. #11
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    Du hast die Drogen vorher...das Publikum sie hinterher genommen. Die Drogen sind (in diesem Fall) nicht wirklich das Problem..sieht man mal davon ab, dass die intravitreale Injektion auf öffentlicher Bühne nicht jedermanns Sache ist.
    Also mir hat dein Auftritt gefallen - hatte sogar für einen Moment die Blondine auf meinem Schoß vergessen...die nebenbei bemerkt dem Huhn auf deinem Kopf sehr ähnelte...
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  12. #12
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    Also mir hat dein Auftritt gefallen - hatte sogar für einen Moment die Blondine auf meinem Schoß vergessen...die nebenbei bemerkt dem Huhn auf deinem Kopf sehr ähnelte...
    Sicher, dass es nicht andersrum war??

  13. #13
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    Sicher, dass es nicht andersrum war??
    Also Du auf dem Kopf des Ferderviehs?!? Kann schon sein, aber diese Frage kannst nur du selbst beantworten
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  14. #14
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    Ja wer zum Poetry Bäm geht dem hat die Poetry es ordentlich reingebämt wie man sieht.

    MFG!
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  15. #15
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    Wir sollten uns zusammentun, dann werden wir die Drei Stooges des Poetry Slams!

    Oder, noch besser, wir lassen es.

    LG
    k

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