Thema: Überflieger

  1. #1
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    Überflieger

    Ich habe kein zuhause,
    ich bin überall und nirgendwo,
    leb mit dem Koffer in der Hand,
    doch mein Herz brennt lichterloh.
    Manchmal fang ich Sonnenstrahlen.
    Manchmal red ich mit dem Mond,
    mit Blumen, Bäumen und mit Steinen,
    dem Gesicht, das in der Pfütze wohnt.

    Zieh durch Orte Jahr für Jahr,
    leb mein Leben nur für mich,
    wander über tausend Stufen,
    doch nirgendwo traf ich auf dich.
    Manchmal tanz ich mit den Sternen,
    nachts, wenn alle Lichter gehn
    in den Häusern, in den Straßen,
    dann, wenn Menschen Menschen sehn.

    Steh am kühlen Fluss und lausche
    auf Lieder, die vorüberziehn,
    geheimnisvoll, mit leisen Worten,
    bevor sie mit den Wellen fliehn.
    Manchmal heul ich mit den Wölfen,
    schreie laut: "Was macht das schon!"
    Heut falt ich mir einen Flieger
    aus Papier und flieg davon.

    (Songtext)

  2. #2
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    378
    Hallo Liara

    Dein Text gefällt mir sehr gut. Das Ende gefällt mir am besten.

    Interessant ist das Verhältnis dieses Überfliegers oder dieser Überfliegerin zu den anderen Menschen. Es handelt sich bei ihm oder ihr eher um ein einzelgängerisches Wesen, so scheint es. Nur in der zweiten Strophe kommen überhaupt andere Menschen vor, zum einen das lyrische Du, das nur in einer Zeile auftaucht oder eben nicht auftaucht, weil das lyrische Ich ja nirgendwo auf das lyrische Du traf. Zum anderen tanzt das lyrische Ich auf Sternen, dann wenn Menschen Menschen sehen. Auch hier wird eine gewisse Distanz zur übrigen Menschheit sichtbar, da die Sterne weit entfernt sind von den Menschen.

    LG

    Ali

  3. #3
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    Hallo Liara,

    auch mir gefällt dein Songtext sehr gut. Ähnlich wie Ali finde ich, dass eine Einsamkeit spürbar wird die jedoch "in vollen Zügen" befüllt wird.
    Jede Strophe hat für mich ein Highlight in den gewählten Worten/Bildern/Stimmungen.
    In S1 gefällt mir besonders gut:
    dem Gesicht, das in der Pfütze wohnt.
    In S2 ist es
    dann, wenn Menschen Menschen sehn.

    Die dritte Strophe gefällt mir insgesamt am besten.
    Die Stimmung die du erschaffst ist voller Sehnsucht und es scheint als wäre das wonach das LI sich sehnt oder wonach es sucht unerreichbar bzw. vielleicht sogar auf der Flucht.
    Der Titel ist auch interessant gewählt. Zum Einen der Flieger der "über" all das hinweg fliegt..
    und zum Andern kann man den "Überflieger auch so verstehen, dass er/sie in seiner Welt einfach allen anderen weit voraus ist.. und aus diesem Grunde einsam...

    Schöner Text.. gerne gelesen

    Liebe Grüße
    question

  4. #4
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    @Liara


    Grüße,

    Also die Metrik geht eigene Wege. Wenns aber als Songtext funktioniert, ok, habe davon keine Ahnung.
    Zitat:
    dem Gesicht, das in der Pfütze wohnt.
    Und dem Mensch, der da in der Pfütze wohnt.

    Zitat:
    Steh am kühlen Fluss und lausche
    den Liedern, die vorüberziehn,

    Zitat:
    Heut falt ich mir einen Flieger
    Jetzt falt ich mir nen Flieger /
    aus Papier und flieg davon.

    Ok return.
    Flieg nicht sonnenwärts, Papier brennt schnell.

  5. #5
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    Hallo Ali, hallo question, hallo horstgrosse,

    schön, dass ihr (nicht) vorbeigeschaut habt. Ich mag die Zweideutigkeit. Man kann ganz allein sein und doch nicht einsam. Man kann etwas lieben, auch wenn Welten trennen. Man kann ein leeres Leben mit Freude füllen.

    Es freut mich sehr, dass es euch gefällt. Der Rhythmus ist nach einer Melodie, die mir im Kopf herumschwirrt, aber noch nicht den endgültigen Weg auf Notenzeilen gefunden hat. Kann sein, wenn ich mir da eins werde, dass sich an Wortstellungen oder einzelne Worte im Text noch was ändert.
    Ich habe jetzt schon lange keinen Song mehr geschrieben, deshalb liegt er mir sehr nahe.

    Ich danke euch sehr
    Liara

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