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  1. #1
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    Fressefreiheit 3

    Käuflich, das ist die Malesse,
    ist am Kiosk teure Presse.
    Ich bin mündig, kanns entscheiden.
    Werbung mag ich gar nicht leiden.

    Weil ich kritisch und so gut bin,
    wie Herr Orban und Herr Putin,
    will ich offen es hier wagen
    euch beim Korn die Wahrheit sagen:

    Ich verachte die Schwachmaten
    ,,pressefreiheitlicher" Staaten,
    schreiben findet man dort toll,
    was man noch bezahlen soll.

    Jeder Stuss wird da beschrieben,
    bis sich alle Balken biegen.
    Ich weiß selbst, was gut und wichtig,
    das nur zählt, da lieg ich richtig.

    Mein Verstand ist kerngesund,
    ähnlich meinem Schäferhund.
    Steck beim Zeitungskauf ne Flasche
    Bier in meine Jackentasche,

    press die Zeitung voller Wonne
    ungelesen in die Tonne.
    Pressefreiheit gönn' ich mir,
    darauf Prost!, ein Schlückchen Bier?

    Ich komm knallhart gleich zur Sache.
    Kein Mensch braucht noch Meinungsmache!
    Kann mir denken, was die schreiben,
    brauch's nicht lesen, kann's nicht leiden.

    Mit der überspitzten Feder.
    zieh'n die fürchterlich vom Leder,
    durch'n Kakao und in'n Dreck!
    Nein, das steck ich nicht mehr weg!

    Diese Blut- und Speichellecker,
    Wortverdreher mit Gemecker...
    alles wird sich über Nacht
    für uns druckfrisch ausgedacht.

    Ich will lieber selbst klar Denken,
    muss mich dazu nicht verrenken.
    Wahrheit steht zum Glück gediegen,
    kostenlos im Netz beschrieben.

    Denken, frei und leicht gemacht,
    ehrlich bunt, mein Herz erwacht!
    Doch im Argen liegt die Presse,
    und die kriegt eins auf die Fresse.

    Kritisch bin ich, Menschenskinder!
    Manchmal wird mein Zustand schlimmer,
    und dann presse ich und drücke
    bis ich von mir selbst verzücke!

    Nehm auch nie ein Blatt vorn Mund,
    lesen scheint mir ungesund!
    Zeitung ist fürn Arsch und Po,
    schmeiß sie danach eh ins Klo.

    Journalisten sind Lakaien
    von den Lobbies und Parteien,
    aufgeblasen, sowie doof,
    kurzum, eine Katastroph'.

    Meine Plattform, das sind Seiten,
    die den Geist mir sinnfrei weiten,
    übersichtlich flach und platt.
    Zeitungsvielfalt? -bin ich satt!!
    Geändert von Anjulaenga (24.05.2019 um 12:30 Uhr)

  2. #2
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    Lb. Anjulaenga,

    Dein Gedicht steht unter Gesellschaft und ist durchaus auch ernst zu nehmen, wobei Ausnahmen die Regel bestätigen. Es liest sich sehr flüssig und klingt in teilweise satirisch humorvoll, was den Ernst der Aussage abschwächt. Diese gute Aussage in flüssiger Lesart sollte mehr beachtet und gelesen werden.

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  3. #3
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    Hallo Anju, lieber Hans,

    Zitat Zitat von Hans Plonka
    Es liest sich sehr flüssig und klingt in teilweise satirisch humorvoll, was den Ernst der Aussage abschwächt.
    Ich finde, es liest sich nicht immer ganz flüssig und klingt vollständig satirisch, was beides den Ernst der Aussage verstärkt.

    lg VC

    P.S.: "gut bin - Putin" gefällt mir prima
    Das System sagt, ich will das, aber ich will das nicht.
    Peter Arbeitsloser

  4. #4
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    Hallo Anjulaenga

    Dieses Werk deutet auf eine eher ambivalente Haltung der Pressefreiheit hin. In einer grossen Anzahl Strophen wird die Presse durch den Kakao gezogen. Einige Reime sind speziell, gewagt, wenn nicht sogar originell:

    Weil ich kritisch und so gut bin,
    wie Herr Orban und Herr Putin,
    Journalisten sind Lakaien
    von den Lobbies und Parteien,
    aufgeblasen, sowie doof,
    kurzum, eine Katastroph'.
    LG

    Ali

  5. #5
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    Lieber Hans,

    es ist schön, dass du das Gedicht ernst nimmst. Wo siehst du den Ernst der Aussage abgeschwächt? L.G.A.

    Lieber Verbalcarpaccio,

    das Problem des unrunden Leseflusses liegt vermutlich daran, dass man zu nahe dran ist, und die Kanten in Gedanken rundlutscht. Ich versuche die Gedichte in einem ständigen Bearbeitungmodus zu halten, weil ein zeitlicher Abstand manche Korrektur möglich macht. Danke für deine Draufsicht, A.

    Lieber Ali,

    eigentlich habe ich überhaupt kein ambivalentes Verhältnis zur Presse. Wenn Mist geschrieben wird, dann soll dieses benannt und kritisiert werden. Oftmals ist der Druck und Zeitfaktor enorm, unter welchem aktuelle Themen in der Tagespresse bearbeitet werden, sodass auch Fehler bei der Recherchearbeit entstehen. Meine Kritik/ Satire will sich vielmehr gegen Pauschalierer richten, die das Wort Presse schon wie ein Schimpfwort benutzen, und nur weil sie ihre eigene Überzeugung in der Presse nicht bestätigt und nicht ausreichend gewürdigt sehen, diese in die Tonne treten. Der Begriff "Lügenpresse" wäre z.B. solch eine Generalvorwurf, welche das real existierende Meinungsspektrum und den Wert der Vielfalt einer vitalen Presselandschaft einfach ignoriert und unterschätzt. Eine staatlich gelenkte Presse, die zahnlos zum Propaganda Sprachrohr geworden ist, halte ich für unakzeptabel. Von daher kann man nicht pauschalierend gegen Presse vorgehen. Dahinter verbergen sich viele Gesichter, Redaktionssitzungen und Arbeit. Noch fragwürdiger wird jemand für mich, der sich uns in seiner Pauschalkritik gleichzeitig als kritischer Geist oder Gralshüter der Demokratie oder gar Wahrheit präsentieren will. Pressedenunziationen sind eher Wesensmerkmale totalitärer Systeme. Presse gehört gleichwohl gelesen, interpretiert und kritisch hinterfragt. Der objektive Anspruch wird sich immer an der Subjektivität messen lassen müssen. Und bei der Recherchearbeit wird sich qualitativ hochwertige Pressearbeit von der Effekthascherei und der Fakenews- Berichterstatung unterscheiden lassen. Der eigene Faktencheck ist daher immer ratsam. Auch muss oft um die Wahrheit gerungen werden, besonders wenn sie sich uns nur in ihrer Vielschichtigkeit und Differenziertheit darstellen lassen will. Presse ist nicht generell käuflich, sie ist nicht per se die Interessenvertreterin einer Lobby, oder als einseitiges politisches Sprachrohr zu sehen, das ist eine unzulässige Verunglimpfung, auch wenn einige Redakteure ihre politische Coleur schwer verbergen können. Es sind mEa. ausgesprochene Dummköpfe, oder Diktatoren, die mit solch einer platten Formel und Haltung jegliche kritische Pressearbeit diskreditieren. Für mich stellt das höchstens die Fressefreiheit eines Maulhelden dar, Trump Erdogan, Orban & co in ihren Paraderollen. Presse gehört geschützt, um mir die Welt investigativ, aufklärend und informativ zu erklären. Eine freie Welt braucht eine freie, unabhängige Presse und einen differenzierten Blick. Eine generelle Verunglimpfung ist inakzeptabel. Das gilt im übrigen für alle Berufsgruppen.
    L.G.A.
    Geändert von Anjulaenga (30.05.2019 um 13:33 Uhr)

  6. #6
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    Deutet gut drauf hin wie man es selber besser macht. Und den Konsumenten an der Wurzel ausraeuchert. So muss Humbug sein.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  7. #7
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    Nein, lieber Terrorist, wie man es besser macht, weiß ich auch nicht. Ich empfinde aber gerade einen entscheidenden Veränderungsprozess in der Presselandschaft. Vielleicht bist du ja einer der sich von solch einem Gedicht angepisst fühlt, wie einer, der die Pressevielfalt sowieso nicht mag, oder auch nur die bloßen Gedanken dazu nicht aushält.
    Die Wahrheit des einen kann für den anderen gleichermaßen eine Lüge oder Diffamierung darstellen? Ist die Gerichtsbarkeit nun dafür zuständig? Bin gespannt, wie die CDU bzw. die Regierung auf der Grundlage von Art.5 GG noch mit den Rezos dieser Welt verfahren wird, wenn es plötzlich mehr davon werden, oder wenn fake news mit eingestreut werden.
    Ab wann und wie wird der Begriff "Presse" im Internet definiert werden vor dem Hintergrund von Influencern, You Tubern und Meinungsmachern. Da wird ja nichts mehr gepresst im eigentlichen Sinne, und jeder ist Journalist, wenn er einer sein will.
    Bin gespannt, wann, wie und ob der Staat die Pressefreiheit weiter schützen wird und kann, welche Regeln aufgestellt werden, ob die Presse für gezielte Fake- news straffällig wird oder ob Presse haftbar gemacht werden kann, was der andere womöglich als aufrechte Wahrheit begreift.
    Wie wird mit einem Alleinvertretungsanspruch von Presse umgegangen, die sich gegen die freiheitliche Grundordnung richtet, welche aber genau diese Presse schützen soll. Und das alles vor dem Hintergrund von ungeahnten Verbreitungsmöglichkeiten im Internet.
    Wer die Zensur in der Hand hält, hat die Macht. Wie wird sie gesichert, wer sichert sie?
    In der Quintessenz muss Presse für mich deshalb vielschichtig bleiben. Das Bindeglied zwischen zwei diametralen Meinungen hat viele Gesichter. Im Idealfall ist das Bindglied für mich die Toleranz, die Akzeptanz, oder der Respekt. Sobald jemand auf die absurde Idee des Alleinvertretungsanspruchs verfällt, tritt er dem Artikel 5 des GG vors Schienbein und versucht den Gedanken dahinter auszuräuchern. Und wenn das generalstabsmäßig von oben durchgezogen wird, entsteht sogar Humbug im großen Stile, da hast du Recht, Und das wollen wir gewiss beide nicht, oder? Lieber mal ein paar anständige Gedanken drüber machen, die uns weiterbringen. Eine Lösung habe ich nicht.

    L.G.A.
    Geändert von Anjulaenga (28.05.2019 um 21:35 Uhr)

  8. #8
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    "Denn wir machen eine freiheitliche Zeitung...und was Freiheit ist, bestimmt die Verlagsleitung" (Hans Scheibner)



    Pressefreiheit ist schon nicht gegeben,
    weil wir nach dem "Pressekodex" streben. (ich)
    Optimismus ist Pflicht (Sir Karl Raimund Popper)

  9. #9
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    Zum Glück sitzen wir keinem gezielt gestreuten Modethema auf, das unsere Realität nur noch unter Stoff aushält. Mit dieser Entrüstung werdet ihr doch bloss zu Nummern im Spiel der Mehrheiten und Minderheiten. Aber darauf sind manche ja nicht wirklich unstolz.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  10. #10
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    Liebe Zärtlichkeit,

    der Scheibner hat ja überhaupt keine Ahnung, wie das Geschäft mit der Pressefreiheit abläuft. Die Verlagsleitung wird immer noch durch den Eigner der Zeitung eingesetzt, und der bestimmt letztendlich, was Freiheit ist, aber auch nur dann, wenn es denn nur eine einzige freiheitliche Zeitung geben würde. Und wie man das professionell am besten bewerkstelligt, darüber gibt es jetzt ein sehr sehr schönes, mehrstündiges Aufklärungsvideo, hochaktuell von dem östereichischen Medien- und Politexperten Heinz- Christian Strache,
    L.G.A.

    Ups, und für dich ist das wirklich eine Frage der Mode, lieber Terrorist?
    Nun, welche Mode und welcher belastbare Stoff von den Mehrheiten oder Minderheiten in der Realität bevorzugt wird, der sie nicht wirklich unstolz werden lässt, hängt natürlich davon ab, welche Nummer sie spielen wollen. Aber mal ehrlich, würdest du dich z.B. in etwas hineinpressen, was dir gar nicht steht, trotz Pressefreiheit?
    Nein, siehste, hat sich die Frage doch schon von ganz alleine beantwortet, und keiner braucht sich mehr entrüsten.
    Danke für den Einwand.

    L.G.A.
    Geändert von Anjulaenga (29.05.2019 um 00:42 Uhr)

  11. #11
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    Habe ich das Gedicht etwa geschrieben?
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  12. #12
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    Gute Frage, weiß ich jetzt auch nicht so direkt, muss ich direkt mal oben nachschauen.

  13. #13
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    Oder sinnvolles Thema suchen.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  14. #14
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    Sehr gute Idee, dann schlag mal ein sinnvolles Thema vor.
    Muss aber irgendwie was mit Fressefreiheit zu tun haben, sonst biste off topic.
    L.G.A.

  15. #15
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    [QUOTE=Anjulaenga;1005856]Liebe Zärtlichkeit,

    "der Scheibner hat ja überhaupt keine Ahnung, wie das Geschäft mit der Pressefreiheit abläuft. Die Verlagsleitung wird immer noch durch den Eigner der Zeitung eingesetzt, und der bestimmt letztendlich, was Freiheit ist, aber auch nur dann, wenn es denn nur eine einzige freiheitliche Zeitung geben würde. Und wie man das professionell am besten bewerkstelligt, darüber gibt es jetzt ein sehr sehr schönes, mehrstündiges Aufklärungsvideo, hochaktuell von dem östereichischen Medien- und Politexperten Heinz- Christian Strache,
    L.G.A. "


    --------------


    Liebe Anjulaenga,


    denkbar wäre eine Zeitung, die nur freie Plätze hat, mit mal mehr, mal weniger Zeilenvolumen und diese Pätze werden unter Aufsicht eines Notars verlost, unter ALLEN, die sich darum beworben haben, sie zu füllen. Einzige Vorraussetzung ist, dass die Bewerber Journalisten sind. So wäre dann der Inhalt der Zeitung Zufall und sie wäre WIRKLICH frei und vielfältig.

    Aber wer will das schon? Wer gibt schon die Kontrolle ab, an den Zufall? Ich jedenfalls würde eine soplche Zeitung regelm,äßig lesen wollen. Es wäre endlich mal nicht langweilig. Aber wie gesagt: Wer will das schon? ...
    Optimismus ist Pflicht (Sir Karl Raimund Popper)

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