Thema: nachträglich

  1. #1
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    nachträglich

    ein mann
    steht an einem brückengeländer
    und spuckt in den fluss
    der tränen seiner kindheit

    nichts hindert
    seinen blick über den horizont
    um aus erfahrungen
    ein lachen zu gewinnen

    und nichts nachzutragen



    (oder)


    nachträglich


    er spuckt
    in den fluss
    der tränen
    seiner kindeheit

    zieht nutzen
    und trägt nichts
    nach
    Geändert von Liara (20.05.2019 um 18:39 Uhr)

  2. #2
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    Hi Liara, mir gefaellt, dass zumindest fuer mich offen bleibt, ob er lachen kann, was deine Zeilen tragisch-kraftvoll macht. Der zweite Teil spielt brutal mit "nachtragend", oder eben nicht. Bravo Liara. LG

  3. #3
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    Hallo Liara,

    das gefällt mir wirklich gut. Die Zweideutigkeit im Titel hast du schön verarbeitet. Das Spucken in den Fluß der Tränen seiner Kindheit finde ich ein sehr starkes Bild. Es hat zum einen etwas sehr Hartes bzw. Abwertendes und zum anderen auch etwas Reinigendes. Das gefällt mir besonders gut! Und in der zweiten Strophe schwindet die Härte und öffnet den Bilick "von oben" und mit Distanz zu Geschehenem. Und im Ende schließt sich der Kreis mit der Überschrift. Mir gefällt es so gut, weil du es zum einen mit sehr wenig Worten schaffst das Thema zu umgreifen und dabei weder zu schwarz noch zu weiß bleibst. Ich finde die erste Version besser, da sonst vor allem in der zweiten Strophe ein stückweit Positives verloren gehen würde..für meinen Geschmack..

    Sehr gerne gelesen

    Gruß
    question
    Geändert von question (21.05.2019 um 08:57 Uhr) Grund: Nachtrag

  4. #4
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    Hey Liara, ja gefällt mir auch. S1 finde ich ganz klar Version 2 besser, in S2 kommt das "zieht nutzen" mir zu berechnend rüber, da mag ich das gewonnene Lachen in Version1 viel besser. LG gugol

    Vielleicht eine Mischung? "Erfahrung" muss wohl nicht unbedingt gesagt werden, steckt im Blick über den Horizont mit drin:

    mit blick über / blickt über
    den horizont
    gewinnt (er) ein lachen
    und trägt nichts nach
    Geändert von Gugol (21.05.2019 um 08:56 Uhr)

  5. #5
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    Hallo, ihr Lieben,

    vielen, lieben Dank für eure Worte.
    Version 2 habe ich nur erstellt, weil mir aus anderen Gedichten und bei anderen Gelegenheiten die Worte
    im Ohr hallten: "noch mehr kürzen, noch mehr verdichten, noch prägnanter ...."

    Ich freue mich natürlich sehr, dass euch mein Gedicht gefällt und dass es gut verständlich geworden ist.

    Liebe Grüße
    Liara

  6. #6
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    Hallo Liara

    Version 2 vermeidet meiner Meinung nach Fehler, die in Version 1 zu finden sind. So kann man auch von einem Brückengeländer aus immer nur bis zum Horizont schauen nie darüber hinaus.

    mehr noch stört mich "um aus erfahrungen ein Lachen zu gewinnen". Das ist zu vage, denn in der Kinderhölle des Mannes gab es gerade nichts zu lachen.

    Das kühle "zieht nutzen" aus Version 2 gefällt mir dagegen sehr gut. Es besagt: Der Mann hat sich innerlich von seinen Kindheitserlebnissen distanziert, kann sie aus dieser Distanz überschauen und für sich die Konsequenzen ziehen. Dass dieser Nutzen nicht egoistisch verengt verrstanden werden darf, macht der Schlussvers deutlich "und trägt nichts nach".Trotz schlimmer Kindheitserlebnisse isr es dem Mann gelungen, menschenfreundlich zu bleiben.

    In der knappen Version 2 erweist sich Liara mit dieser Betonung der Distanzierung und des Begreifen- und Umsetzenkönnens als Brecht- Schülerin.

    Nur um das Brückengeländer aus Version 1, das in Version 2 nicht mehr auftaucht, ist es schade. Es steht ebenfalls für Kühle und Distanz.

    Grüße

    Onegin
    Love´s not Time´s fool W. S.

  7. #7
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    Hat dieses aber trotzdem Gefühl wo die Wandlung sich als etwas hinein bohrt was splittermaessigen Psychoverdacht erregt.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

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