1. #1
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    Europas Zerrissenheit


    Europas Zerrissenheit

    Von hohen Gletschern einst geschaffen,
    Zergliedert und meeresumflossen,
    Wo Völker aufeinander trafen
    Und mit dem Weib der Wein genossen,
    Da liegt mein schöner Kontinent,
    Der uns Glück und Wohlstand gebracht,
    Wo Frieden und man Arbeit kennt,
    Mancher im Schrebergarten lacht;
    Da wurde Volksherrschaft geboren,
    Philosophie, Physik, Olympia:
    Die Kunst hatte man auserkoren,
    Als leidend man den Christus sah,
    Weil Nächstenliebe Christen brachten,
    Wo zuvor Schänder, Legionäre
    Die anderen Völker niedermachten
    Beim Kampf – und später mit Gewehren
    Der Welt Leid und den Tod verhießen,
    Weil es um Macht und Siege ging,
    Sie Menschen dort einkerkern ließen,
    Wo man an Feindbildern gern hing.
    Da hatte man sich jüngst geschworen:
    Nie wieder Kriege, kein KZ!
    Wir sind als Gutmenschen geboren,
    Zu Jedermann und Jedem nett!
    Doch als die vielen Boote kamen
    Mit Streben nach Hegemonie,
    Weil Fundamentalisten nahmen,
    Was jeder Würde Hohne zieh
    Und weltweit eine Religion
    Zur Allmacht sich jetzt höherschwang,
    Verschärfte sich der gute Ton,
    Wo immer mehr der Flüchtlingsdrang
    In Richtung nach Europa ging,
    Weil man die Honigtöpfe sah,
    Man gerne dort am Tropfe hing
    Und ganz bei Wohlständigen da.
    Nun steht Europa im Dilemma:
    Muss es nicht helfen, Boote bauen,
    Wenn auf dem Meer, dem Tode nah
    Flüchtlinge zur Tiefe schauen?
    Kann man den Wohlstand noch erhalten,
    Wenn nun Millionen zu uns kommen?
    Ist menschlich Zukunft zu gestalten
    Mit denen, die Abschied genommen?
    Müssen den Mangel wir verwalten,
    Die Vorräte bald zehren auf,
    Weil nicht vom Recht her zu gestalten,
    Wo Menschen kommen rasch zuhauf?
    Wer will noch arbeiten im Land,
    Wenn andere ohne auskommen,
    Leben von öffentlicher Hand,
    Wo andere nichts abbekommen?
    Wieso soll man zur Schule gehen,
    Wenn die Sozialsysteme zahlen,
    Wieso denn noch am Bande stehen,
    Wieso noch gehen zu den Wahlen?
    Natürlich wär' das Wählen wichtig,
    Die Bürger lieben den Erdteil!
    Doch was ist gut und was ist richtig,
    Wo liegt Europas Seeenheil?
    Das Geld liegt nicht im Straßengraben,
    Es muss zuvor verdient erst werden.
    Dazu muss man ein Ethos haben
    Und nicht nur Wünsche hier auf Erden.
    Wenn alte Männer fleißig bauen,
    Um Wohnungen dann zu errichten
    Und junge Flüchtlinge zuschauen,
    Wird Arbeitsethos das vernichten!
    Wenn Rentner in Armut versinken,
    Im Alter kaum noch überleben,
    Während Junge mit Scheinen winken
    Und nur nach Alimenten streben,
    Muss sich Europa wirklich fragen,
    Wie wir Gerechtigkeit erreichen
    Und nicht bei Aufgaben versagen,
    Entscheidungslos nur Wünsche pfeifen.


    ©Hans Hartmut Karg
    2019

    *

  2. #2
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    lb. Dr. Karg,

    ja, Europa ist zerrissen durch Probleme, die nicht diskutiert werden und dem Aufbegehren Notleidender (siehe Gelbwesten). In dieser schwierigen Lage gibt es auch noch gravierende Änderungen durch die Vermischung von Kulturen. Dein Gedicht spricht viele Probleme an, die einen großen Teil der Bevölkerung ohne Rücksichtnahme beeinträchtigen.

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  3. #3
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    Lieber Hans Plonka,
    genau dadurch entsteht Politik- und Wahlverdrossenheit. Anstatt Probleme zu lösen, werden sie diskutiert und "verstanden". Aber es geschieht nichts!
    LG H. H. Karg

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