Thema: haltgebend

  1. #1
    Registriert seit
    Jan 2017
    Ort
    "Schäl Sick"
    Beiträge
    2.379

    haltgebend

    Dein edler Anzug bemüht sich täglich
    Doch hinter perfekt gebundenem Krawattenknoten
    wartet voller Ungeduld deine Hässlichkeit

    Zweite Version:

    Dein edler Anzug müht sich täglich
    Und hinter perfekt gebundenem Krawattenknoten
    staut sich voller Ungeduld deine Hässlichkeit
    Geändert von Richmodis (02.06.2019 um 17:44 Uhr) Grund: x

  2. #2
    Registriert seit
    Feb 2017
    Beiträge
    2.035
    Hey Richmodis, gutes Bild. Wäre Z2 "aber" nicht besser als "und"?: Zwar ist das Äussere perfekt, ABER dahinter....
    Und warum der Zeilenumbruch Z3/4? Dünkt mich gegenüber Z1/2 inkonsequent. LG gugol

  3. #3
    Registriert seit
    Jan 2017
    Ort
    "Schäl Sick"
    Beiträge
    2.379
    Hey, gugol,

    genau diese beiden Fragen hatten mich beim Schreiben auch beschäftigt. Was Punkt 2 (Zeilenumbruch) angeht, gebe ich Dir Recht, hier habe ich mich falsch entschieden und ändere es wieder. Aber Punkt 1: Da möchte ich nach langem Hin- und Herüberlegen lieber beim "und" bleiben. Denn sowohl der Anzug als auch die Krawatte schaffen es nur mit Mühe, Hässliches zu verbergen.

    LG
    Rich

  4. #4
    Registriert seit
    Feb 2017
    Beiträge
    2.035
    Ja klar, aber "hinter gebundener Krawatte" ist ja nur das Adverbiale und das Bindewort richtet sich normalerweise nach dem Subjekt, hier "deine Hässlichkeit".
    Anzug ist toll, aber dahinter (wo genau? Hinter der Krawatte) versteckt sich Hässlichkeit. Ich finde, mit "und" setzt du Z1 ausser Kraft.
    Geändert von Gugol (22.05.2019 um 18:32 Uhr)

  5. #5
    Registriert seit
    Dec 2004
    Ort
    München- Köln
    Beiträge
    666
    Hallo Richmodis,
    ich verstehe was Gugol meint , also dass das "und" bewirken kann, dass man den Anzug "schwächt".
    Und klar gerade bei so kurzen Gedichten wird auf das einzelne Wort mehr geachtet und die Sinngebung etwas stärker unter die Lupe genommen.
    Mir gefällt es auch so trotzdem sehr gut.
    Am Krawattenknoten gefällt mir besonders gut, dass er sozusagen einen Knoten vor die "ungeduldige" Hässlichkeit macht...in der Hoffnung er möge fest genug sein damit sie nicht ausbricht..

    Wenn man das "und" ändern will wäre mein Vorschlag:

    Dein edler Anzug bemüht sich täglich
    mit perfekt gebundenem Krawattenknoten
    wartet dahinter voller Ungeduld Deine Hässlichkeit


    Aber das ändert es auch vlt zu sehr..und mir gefällt es auch so wie es ist..

    lg
    question

  6. #6
    Registriert seit
    Jan 2017
    Ort
    "Schäl Sick"
    Beiträge
    2.379
    Hallo, gugol und question,

    nach Eurer nochmaligen Erklärung leuchtet es mir iwi doch ein. Ich habs deshalb nun doch geändert.
    Danke Euch beiden.
    (btw.: ...staut sich ungeduldig Deine Hässlichkeit wäre auch noch ne Option)

    LG
    Rich

  7. #7
    Registriert seit
    Aug 2009
    Ort
    Bremen
    Beiträge
    3.040
    Liebe Richy,

    nene, sorry, da muss ich protestieren! Doch und aber nehmen für mich schon zu viel von der Pointe vorweg. Dass es da ein Aber gibt, will ich noch nicht wissen, bevor ich den Knoten sehe und auch hinterher wäre mir das zu sehr der Erklärbär. Für "voller Ungeduld warten" gibts übrigens das schöne Verb "lauern". Und dann frage ich mich: Ist das eine persönliche Mitteilung an den Chef? Oder doch in erster Linie für uns Leser und für den Chef nur zur Kenntnisnahme? Dann würde ich "Deine" nämlich nicht großschreiben (nur im Brief). Nur mal spaßeshalber ohne "Deine", das soll keine Empfehlung sein, nur zum Vergleich:


    Der edle Anzug bemüht sich
    (und) hinter dem Krawattenknoten
    perfekt gebunden
    lauert das Hässliche


    Gerne mitgesenft!

    LG Claudi
    com zeit - com .com

  8. #8
    Registriert seit
    Jan 2017
    Ort
    "Schäl Sick"
    Beiträge
    2.379
    Hi Claudi,

    hähähä, erst denk ich: So schreib ichs. Dann kommt wer und sagt, so wär besser. Dann denk ich, ja, stimmt. Dann kommt wer und sagt, nee, vorher war besser. Und ich denk, ja, stimmt.
    Und wie sagt man nun dazu? Achja: "Fähnchen im Wind".

    Dein Beispielsenf finde ich insofern ziemlich gut, da er nicht so an eine Person gebunden scheint.

    Nur als Info, was mich zum Text inspiriert hat: Ich schaue mir derzeit Aufnahmen zum "Leon Jacob Trial" bei youtube an. Ein US-Gerichtsverfahren über einen sagenhaft bösartigen Stalker, der jahrelang seine Frauen und andere Personen terrorisiert hat und zuletzt einen vermeintlichen Killer (in Wahrheit ein Police-Detective, der ihm auf der Spur war) den Auftrag gab, seine Ex und den Ex seiner neuen Freundin zu ermorden. Er und seine Freundin (die mit beteiligt am Mordauftrag war), wurden verhaftet, sie kam auf Kaution frei und brachte sich kurz darauf um.

    Und da sitzt nun dieser Typ vor Gericht - ein gescheiterter Mediziner, über den unglaubliche Dinge ans Tageslicht kommen - im edlen Anzug und mit perfekt gebundener Krawatte. Und man hat das Gefühl, seine grenzenlose Bösartigkeit wird nur durch die Kleidung im Zaum gehalten.

    Dein "lauern", Claudi, geht natürlich auch. Wobei mir "staut sich" noch passender erscheint im Sinne von: Wehe, wenn der Knoten aufgeht ...

    LG
    Richy
    Geändert von Richmodis (22.05.2019 um 21:49 Uhr)

  9. #9
    Registriert seit
    Aug 2009
    Ort
    Bremen
    Beiträge
    3.040
    Hi Richy,

    ja, "stauen" ist natürlich wunderbar! Ich wollte eigentlich gar nicht so schnell antworten. Ich nehme die Gedichte, die mir gefallen, gerne mit in den Tag und schlafe auch mal ein paar Nächte drüber, ohne natürlich pausenlos darüber nachzudenken, aber hin und wieder doch. Hier konnte ich nicht anders, weil ich das Gefühl hatte, dass das Aber alles zerstört.

    Lass Dir Zeit! Das ist zu schade für einen Schnellschuss, das wird gut!

    LG Claudi


    P.S.: Ich ergänze hier ggf. noch ein paar Sachen, die mir dazu einfallen:

    Stauen scheint mir doch eher zu Wut oder Hass zu passen, beim Stauen wird Druck aufgebaut (der sich nicht bewusst steuern lässt). Willst Du das sagen, oder geht es hier mehr um berechnende Böswilligkeit?

    Wirkt das Outfit bemüht? Oder sitzt der Anzug wie angegossen und keiner würde Hässliches damit verbinden? Für meine Lesart (erster Eindruck von weitem, dann Nahaufnahme mit Zoom auf den Krawattenknoten) bewirken Anzug und Krawatte dasselbe, deswegen "und" oder gar keine Konjunktion. Dies ist ja Lyrik, die manchmal einer simpleren Logik folgt als die Grammatik der Prosa.
    Geändert von Claudi. (23.05.2019 um 08:20 Uhr)
    com zeit - com .com

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden