1. #1
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    Heimatlos auf der Erde

    Heimatlos auf der Erde und in jedem Land fremd…
    Bei den Eltern zu Hause, ja, dies wärmt, wie ein Hemd!

    Dort ne Deutsche, hier Russin; anders, wo du auch bist…
    Suchst du aus deine Herkunft? Nein, es ist, wie es ist.

    Du bist offen mit allen und kommst überall klar.
    Doch es heißt nicht, dass alles immer so einfach war…

    Lächeln, trotz der Ablehnung, schlucken, manch böse Wort,
    manchmal „Prügel“ einstecken, häufig hören, geh fort.

    Hinterhältigkeit dulden, ohne böse zu sein.
    Außen fröhlich zu bleiben und im Stillen zu weinen…

    Nun, so ist es, dein Leben. Es wird nie anders, nein.
    Und du willst es nicht missen, denn es ist auch so fein!

    Zwei verschiedene Welten, sind dir beide bekannt,
    du kennst ihre Kulturen, wirst dort wiedererkannt.

    Beide Sprachen sind deine, in die Wiege gelegt.
    Das kann dir niemand nehmen, das ist, was dich bewegt.

    Trotzdem gibt es die Tage, wo auch du traurig bist,
    weil dein Herz sich fremd fühlt, da es heimatlos ist…


    Doch in Wirklichkeit hast du eine Heimat, ein Land.
    Nicht auf Erden, viel schöner, ist gebaut nicht aus Sand!

    Denn dort gibt es ein Herz, das dir treu ist, dich liebt!
    DER dich einst hat geschaffen, ewige Heimat dir gibt…
    Alles ist mir erlaubt, aber es ist nicht alles nützlich.
    Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangen nehmen...

  2. #2
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    Hallo Tiefsinnig,

    Dein Gedicht habe ich mit Interesse gelesen, sei mir nicht böse, aber ich glaube, Du bist noch eine Anfängerin im Gedichte schreiben. Ich glaube, Du kümmerst Dich nur um die Reime, aber achte mal auf den Rhythmus. Schule Dein Ohr, diese Rhythmen zu hören. Schon wenn Du nur alternierend Hebung auf Senkung folgen lässt, werden Deine Verse straffer und geschmeidiger.

    xXxXxXx Es war als hätt der Himmel
    xXxXxX die Erde still geküsst

    Dann solltest Du es vermeiden, verwaschene Alltagssprache in Dein Gedicht aufzunehmen. Damit meine ich Wendungen wie "es ist wie es ist" oder "kommst überall klar" usw...Sie sagen zu wenig aus. In einem Gedicht aber muss die Sprache intensiv sein.

    Wenn Du das beherzigst, bist Du schon zwei Schritte weiter.


    Dem lyrischen Ich, dass sich so bitter wegen seiner Heimatlosigkeit beklagt, möchte ich sagen, dass es dafür letzten Endes keinen Grund gibt. Es sollte sich vielmehr darüber noch stärker klar werden, dass es privilegiert ist, weil es Zugang zu zwei Kulturen hat. (Schau, ich bin in diesem Forum als Onegin unterwegs. Puschkin, nicht wahr? Und kann doch zu einem großen Bedauern keine Zeile dieses Dichters im Original lesen. Da hat es das LI schon besser....)

    Gruß Onegin
    Love´s not Time´s fool W. S.

  3. #3
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    Guten Abend Onegin!

    Dankeschön für deinen Kommentar. Habe mich sehr gefreut Ich schreibe schon lange, habe mich jedoch nie getraut, meine Werke jemandem zu zeigen, aus Scham. Was ja auch, wie man sieht, verständlich ist. Dadurch habe ich mich leider nicht weiterentwickelt im Schreiben. Dann habe ich mich doch überwunden, weil ich mich unbedingt verbessern möchte.

    Könntest du mir bitte ein Beispiel geben, wie es anders formuliert werden könnte, ich meine "es ist wie es ist" und "kommst überall klar" . Einfach nur damit ich es vergleichen kann. Es wäre lieb. Danke!


    Natürlich ist es ein Privileg, zweisprachig aufzuwachsen und es ist toll in beiden Kulturen "zu Hause" zu sein! Es kann auch recht lustig sein, wenn man beide Sprachen ungewollt "vermischt" und ein schöner Wortsalat entsteht. Und doch gibt es manchmal diese Momente, wo man sich fragt: "Warum sind Worte und Taten so verletzend?" Naja, es ist wie es ist Trotzdem begegne ich meinen Mitmenschen mit einem freundlichen Lächeln, ist das beste Mittel bei bösartigen und verletzenden Aussagen...


    Nochmal danke!

    Mit freundlichen Grüßen, Tiefsinnig.
    Geändert von Tiefsinnig (26.05.2019 um 22:56 Uhr)
    Alles ist mir erlaubt, aber es ist nicht alles nützlich.
    Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangen nehmen...

  4. #4
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    Guten Morgen Tiefsinnig

    schön, dass Du Dich über Den Kommentar gefreut hast. Wegen der "verwaschenen Alltagssprache" komme ich die Tage noch einmal bei Dir vorbei, versprochen. (sozusagen nicht als Onegin sondern als Lenski). Jetzt ist es schon so spät ....

    Gruß Onegin



    Hallo Tiefsinnig,

    ich falle gleich mit der Tür ins Haus

    Statt
    Dort ne Deutsche, hier Russin; anders, wo du auch bist…
    Suchst du aus deine Herkunft? Nein, es ist, wie es ist.
    In Russland in Deutschland als Fremde beschaut
    brennt mir die Herkunft auf der Haut.

    Das mögen zwar nicht gute Verse sein, aber besser als deine sind sie achon. Auf der Haurt brennen" ist viel intensiver als "es ist wie es ist." Außerdem lesen sich die Verse geschmeidiger, die harten Zäsuren vor und nach "anders", die den Lesefluss stören, existieren nicht mehr


    Du bist offen mit allen und kommst überall klar.
    Doch es heißt nicht, dass alles immer so einfach war…
    Wie wär´s mit:

    Meine Hände sind offen und freundlich mein Sinn
    wer ahnt schon wie sehr ich zerrissen bin

    "zerrissen bin" ist tausend Mal stärker als "nicht immer so einfach war" und die Verse sind geschmeidiger-


    In diese Richtung könnte es gehen oder vielleicht auch ganz anders.



    Ganz einsam bin ich auf der Welt
    wie ein Birnbaum
    im rauschenden Weizenfeld...


    Da steht jetzt plötzlich ein Vergleich. Das persönliche Leid wird umgeschmolzen in dieses Bild vom Birnbaum. Jeder Leser kann seine eigene Einsamkeitserfahrung mit diesem Bild in Verbindung bringen. Das Persönliche wird ins Allgemeine überführt und das ist Poesie

    Aber ich glaube, es gehört auch zu den legitimen Aufgaben von Dichtung, sich etwas von der Seele zu schreiben. Wer Dich in Deutschland verspottet und verletzt, weil Du "Russin" bist, ist ein Idiot.

    Liebe Grüße

    Onegin
    Geändert von Claudi. (09.06.2019 um 12:06 Uhr) Grund: Doppelpost zusammengeführt
    Love´s not Time´s fool W. S.

  5. #5
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    Hallo Tiefsinnig,

    so ein wenig möchte ich meinem Vorredner widersprechen, Nicht alles muss mit "lyrischem Schlagrahm" daherkommen, wobei ich damit nun keineswegs Onegins Vorschläge meine. Er hat im übrigen in Punkto "Lesefluss" recht. Da läuft dein Text nicht immer rund.

    Aber die "einfache" Wortwahl kann durchaus auch sowas wie "stoisches Aus- und Durchhalten" abbilden. Und da gefällt mir das "es ist wie es ist" per se nicht so schlecht und finde ich "brennt auf der Haut " zu viel. Abwandeln kannst du das vielleicht auch so:

    Hier Deutsche, dort Russin, du weißt, wie das ist,
    gewählt hast dus nicht, du bist wer du bist.

    so als Vorschlag.

    Nun, so ist es, dein Leben. Es wird nie anders, nein.
    Und du willst es nicht missen, denn es ist auch so fein!
    Und diese beiden Zeilen solltest du umformulieren. Der "fein" Reim klingt schon unbeholfen.

    Aber Grund, dich für dein Schreiben zu schämen und deine Texte zu verstecken seh ich keinen. Wenn der Inhalt passt ist es "Übungssache" Rhythmus und Wortwahl zu variieren. Das wird schon.

    Здравствуйте

    mp

    P.S.

    Du kannst ja mal versuchen, dein Gedicht aus dem "man-Stil" in das lyrische Ich zu überführen.

    Hier Deutsche, dort Russin, und jeder vergisst:
    gewählt hab ichs nicht, doch es ist wie es ist.
    Geändert von MimusPolyglotos (28.05.2019 um 07:46 Uhr)
    ........
    whiskey's getting deeper
    and I use it like a moat
    there's a blues man in the distance
    and he's lost inside his note
    ........
    (Savatage)

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