1. #1
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    Lebend vergessen

    Eintöniger Sumpf
    der Melancholie.
    Klanglose Tränen
    füllen freudlose
    Augen.

    Schwer fällt,
    was einst leicht.
    Die Sehnsucht
    nach Vergangenheit
    schleicht ins Leben.

    Dies und das,
    hätte, wäre, wenn,
    besser laufen können.
    Nichts läuft.

    Alles steht.

    Einsamkeit schreit
    aus dem Gleich-
    klang der Stille.
    Sie erinnert mich
    an mein Leben.
    Belanglos.

    Lightning
    Geändert von Lightning (06.06.2019 um 00:23 Uhr)
    Des langen Tages Arbeitslohn
    ist die Nacht - ich schlafe schon.

  2. #2
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    Hallo Lightning,

    Dein Gedicht gehört für mich zum Traurigsten, was ich bis jetzt in diesem Forum gelesen habe. Besonders berührt haben mich die die Strophen 2 und 3 und die depressive Schlusspointe.

    Meckergründe habe ich nur punktuell: "klanglose Tränen" - sind denn Tränen manchmal klangvoll? "Gleichklang der Stille" Was jetzt? Klang oder kein Klang(Stille)? Die Trennung- Gleich-klang empfinde ich zudem als unschön.

    Mit etwas stockender Feder:
    Hab´s gern gelesen

    Gruß Onegin
    Love´s not Time´s fool W. S.

  3. #3
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    Hallo Onegin!

    Vielen Dank für deine Worte, und für das Lob (falls man das bei solchen Zeilen so sagen kann)

    Falls du Vorschläge bezüglich der "Meckergründe" hättest, könntest du diese natürlich gerne nennen.
    Wenn mir Vorschläge gut gefallen.. bin ich auch immer offen für Änderungen.

    Um auf die Meckergründe auch einzugehen:

    Die "Klanglosen Tränen" stehen für mich für ein "stilles" Weinen. Man kann ja auch "laut" weinen..
    auch wenn die Tränen selbst rein logisch betrachtet natürlich immer still sind.
    Ursprünglich hatte ich geschrieben "klanglose Tränen tanzen zu leiser Musik"..
    aufgrund der später folgenden Stille.. hatte ich es geändert.

    Was den "Gleichklang" der Stille betrifft.. könnte man sagen, dass Stille nur sehr selten komplett still ist.
    Meist sind diverse Hintergrundgeräusche vorhanden (Vögel, Autos, Wind, etc.).
    Zudem könnte Stille auch auf emotionaler Ebene "laut" oder "monoton" sein. Daher "schreit" z.B. die Einsamkeit aus der Stille.
    Der "Gleichklang" verbindet für mich mehr oder weniger das "Laute" und das "Monotone" dieser emotionalen Stille.

    Wenn man es nicht so betrachtet.. könnte man noch immer sagen, dass der "Gleichklang der Stille" einfach die Stille selbst ist.
    Dann wäre - wie du schon sagst - der "Klang" zwar überflüssig.. aber auch nicht wirklich "falsch".
    Es handelt sich also um ein Paradoxon, dass ich nur ungern streichen würde.

    Was die Trennung betrifft.. rein vom Lesen her gefällt sie mir ehrlich gesagt auch nicht.
    Zum einen habe ich sie aufgrund des Metrums eingebaut.. zum anderen könnte man dadurch die Zeilen auch so betrachten:

    Einsamkeit schreit
    aus dem Gleich.
    Klang der Stille.

    Evtl. sollte man den "Gleichklang" nicht so abgehackt lesen, wie die Trennung es vorgibt.
    Trotzdem verdeutlicht das "aus dem Gleich" vielleicht zusätzlich.. dass das Leben des "LI".. sehr monoton und gleichbleibend verläuft..
    man könnte also mehr hineininterpretieren, als Stille und Einsamkeit.. zumindest, wenn man dies so "erkennt".
    So betrachtet.. wäre dann der "Klang der Stille" die Einsamkeit.

    Dennoch bin am Überlegen, ob ich das "Gleich" einfach streiche.. und nur den "Klang der Stille" stehen lasse.
    Für mich würde dies zwar rein inhaltlich etwas vom Tiefgang nehmen.. aber evtl. für ein flüssigeres Lesen sorgen.

    Eine Möglichkeit wäre natürlich auch:

    Einsamkeit schreit
    aus dem Gleich.
    Klang der Stille.
    Er erinnert mich
    an mein Leben.
    Belanglos.

    Liebe Grüße,
    Lightning
    Geändert von Lightning (06.06.2019 um 17:40 Uhr)
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  4. #4
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    Hallo Lightning.

    ja es gibt ein lautes und ein stummes Weinen. Aber ich habe Schwierigkeiten mit klangvollen oder auch klanglosen Tränen, weil Klang für mich positiv besetzt ist, in das Bedeutungsfeld Musik gehört, und etwas anderes als Geräusch. Ähnlich geh es mir mit dem Gleichklang der Stille. Gleichklang bedeutet, dass etwas nicht dissonant klingt und ist damit fast schon ein Wohlklang. Also nur Klang der Stille?: Damit zitierst Du einen US-Film über Beethoven. Google mal.

    Und das?

    Einsamkeit
    schreit aus der Nachmittagsstille


    Naja ist schwierig.

    Liebe Grüße Onegin.
    Love´s not Time´s fool W. S.

  5. #5
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    Hi Onegin!

    Ja.. da ich wie gesagt erst "klanglose Tränen tanzen zu leiser Musik" geschrieben hatte,
    hatte auch ich den "Klang" ursprünglich mit Musik verbunden.. wenn auch gewollt widersprüchlich.
    Als ich die Stelle mit der Musik geändert hatte.. fehlte mir irgendwie auch was,
    daher kann ich deine Gedanken recht gut nachvollziehen.

    Hm.. die Nachmittagsstille gefällt mir in dem Zusammenhang leider nicht so gut.
    Trotzdem vielen Dank für den Vorschlag

    Wie du schon sagst.. wahrscheinlich schwierig, einen "Ersatz" zu finden.. ohne die Stimmung des Gedichts zu verändern.
    Ich werde mir mit etwas mehr Abstand zu den Zeilen nochmal Gedanken dazu machen.
    Spontan würde mir als "Lösung" nur einfallen, den "Klang" aus der Stille zu nehmen.. "Einsamkeit schreit aus der Stille".
    Dann hätten wir aber noch immer klanglose Tränen ^^

    Es wäre natürlich auch schön zu wissen, ob auch andere ein "Problem" mit dem "Klang" haben.

    Liebe Grüße,
    Lightning
    Geändert von Lightning (07.06.2019 um 12:41 Uhr)
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