1. #1
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    Und dann geh (Feuervers)

    .


    Und dein Rosengewölk in mein Herz tätowiert
    Und den Mund, deinen Feuergelehrten
    Die züngelnde Lust aus dem Rosengeviert
    Wo mich Dornengesänge bekehrten
    So nimm sie, die Nacht nimm, Sonne und Weh
    Füll Licht in die Krüge zuvor und dann geh!







    .
    Geändert von albaa (14.06.2019 um 20:32 Uhr)

  2. #2
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    So nimm sie, die Nacht nimm, Sonne und Weh
    Füll Licht in die Krüge zuvor und dann geh!

    Der Vers klingt neu und unverbraucht,
    sag albaa, was hast Du geraucht
    und wenn dein Kopf das ausgebraut
    so gib mir auch von diesem Kraut,
    sei´s LSD sei´s Fliegenpilz
    nur her damit
    ich wilz, ich wilz...


    Um zur Heiterkeit der Kunst zurückzukehren, ich hab´s fünfmal lesen müssen, bis ich irgendwas verstanden habe. Es geht wohl um ein LI , das einem LD den Laufpass gibt. Dss LI ist vom LD intellektuell und sexuell initiiert worden, doch die gemeinsame Zeit ist vorbei, zuvor wird das LD jedoch noch zur Herausgabe seiner Wertsachen angehalten (füll LIcht in die Krüge). Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan.... Nachdem ich die syntaktischen Zusammenhänge begriffen habe, kommt mir der Text sehr, sehr schön vor.

    Lieber Gruß
    Onegin
    Geändert von Onegin (12.06.2019 um 10:46 Uhr)
    Love´s not Time´s fool W. S.

  3. #3
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    Zitat Zitat von Onegin Beitrag anzeigen
    Der Vers klingt neu und unverbraucht,
    sag albaa, was hast Du geraucht
    und wenn dein Kopf das ausgebraut
    so gib mir auch von diesem Kraut,
    sei´s LSD sei´s Fliegenpilz
    nur her damit
    ich wilz, ich wilz...
    ich danke für den kommentar und dein schönes lob, lieber onegin,
    und ganz besonders für deine reime. sehr angetan hat es mir der
    fliegenpilz-wilz-reim und ich freu mich sehr,
    denn du bist der erste, der für mich ein gedicht schrieb!

    ja, ich war noch nicht ganz fertig mit rosen/feuer/wende und da stießich dann passeNder weise auf ferdis feuervers.

    ich finde auch, dass der text für so ein malen-nach-zahlen-korsett, noch dazu gereimt, recht gut gelungen ist und vor allem gut klingt, aber ich will dir lieber nicht sagen, wie lange ich für diese paar verse gebraucht habe; aber jetzt mag ich es auch.

    lieben gruß
    albaa

  4. #4
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    Hallo Albaa!

    Das klingt sehr schwungvoll und ist eine gute Werbung für den "Feuervers" ... Schön auch, dass du einige der einsilbigen Senkungen mit einer schweren Silbe besetzt hast, dadurch wird die Bewegung nicht zu flüchtig. Bei "Gewölk" und "Geviert" musste ich, der ich mich ja schon etwas länger einschreibe in den Vers, lächeln: Diese "Liebe zum Kollektivum" entwickelt sich schnell, schreibt man anapästische Verse; und ich habe mich schon dabei erwischt, meinen "dichterischen Wortschatz" bewusst in diese Richtung auszubauen ...

    Am doppelten "Rosen-" knabbere ich noch etwas.

    Gruß,

    Ferdi

  5. #5
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    Hallo albaa

    ich wollte noch was zu Deinen Versen sagen. Sie wirken wie gemeißelt. Das ist mir auch bei anderen Gedichten von Dir schon aufgefallen. Das ist natürlich das Verdienst der Ferdi-Schule. Auch Deine freie und kreative Behandlung der Syntax rührt daher. ..Mit freien Versen erreicht man das wahrscheinlich nicht.


    Das verrückte LSD-Gedicht für Dich: Gern geschehen


    Grüße Onegin
    -
    Geändert von Onegin (13.06.2019 um 22:59 Uhr)
    Love´s not Time´s fool W. S.

  6. #6
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    Lieber Ferdi,

    Danke für dein Feedback und Lob. Anapästisch auf deutsch ist eher schwierig, finde ich, man verfällt wie bei allen Dreifüßern leicht ins Leiern (vor allem wenn es amphibrachenlastig wird). Von den mehrfachen Rosenkomposita will ich mich eigentlich nicht trennen, das ist mir hier wichtig.

    Lieber Onegin,

    Ja, es ist schon sehr stark gestaltete Sprache, hat mit der Alltagssprache eher wenig zu tun. Ferdi-Schule könnte man es auch nennen. Aber ich hoffe nur, du meinst "gemeißelt" nicht im Sinne von zu starr, leblos?; das will ich jedenfalls nicht. Ich denke ist muss als Lockerungsübung wieder einmal eher Prosalyrik schreiben, so wie zB die "Flanierwetter-Serie" oder "Marrakesch" oder auch längere Hexa+Penta wie "Sommermeditationen", findest du in meinen Themen, wenn es dich interessiert, aber da kommt mir im Moment nichts Brauchbares in den Sinn.

    Danke für euren Besuch!

    Lieben Gruß
    albaa
    Geändert von albaa (14.06.2019 um 13:49 Uhr)

  7. #7
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    sei unbesorgt das gemeisselt ist natürlich lobend gemeint. Im Bildungsbürgerdeutsch. Es geht um die berühmte antike Plastizität.Die Verse wirken nicht starr sondern fast ein wenig feierlich. ...und ich bin ein wenig neidisch . Deine älteren Werke schau ich mir gern an


    Lieber Gruß Onegin
    Love´s not Time´s fool W. S.

  8. #8
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    liebe albaa,

    vor einiger zeit habe ich mal vergeblich versucht, ein feuerpantum zu schreiben. es wollte nicht - entweder wurde es eine zu stürmische feuerbrunst (und damit unglaubwürdig) oder es kamen nur ein paar schwache funken. die goldene mitte habe ich nicht getroffen - vielleicht ein andermal.

    dein feuervers dagegen hat mich in dieser mitte abgeholt. gibt es so etwas wie den goldenen schnitt auch bei gedichten? wenn ja, dann hast du das vermutlich mit diesem vers hinbekommen. apropos mut - es ist schon mutig, ein gedicht mit *und* zu beginnen. die doppelten rosen stören mich nicht, weil sie unterschiedliche symbolik aufweisen. das rosengewölk eher das flüchtige versinnbildlicht, welches jedoch durch das tätowieren festgehalten wird und das rosengeviert die ordnung darstellt, aus der die *züngelnde lust* ausbrechen kann. so zumindest meine lesart.

    sehr gern gelesen!

    lg
    lilisarah
    *kinder, hört auf, euch zu streiten!*
    *mama, wir streiten uns gar nicht, wir hauen uns nur.*

  9. #9
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    Das freut mich, Onegin. Das "neidisch" nehme ich natürlich bloß als Scherz

    Vielen Dank für deinen Besuch, lilisarah, und deine Interpretation. Es freut mich, dass du die Feuerdosis hier als ausgewogen empfindest. Ich muss bei Feuer (und auch sonst ) immer ein bisschen aufpassen, dass ich nicht zu tief ins Pathos-Glas blicke. Was dein Feuerpantum betrifft: Manchmal brauchen die Dinge einfach Zeit, plötzlich gehts dann auf.

    Lieben Gruß
    albaa

  10. #10
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    Liebe Albaa,

    die Verse finde ich prächtig gelungen! Das Rosengeranke - naja, Du kennst mich ja - finde ich gerade noch so auszuhalten. V5 kriege ich syntaktisch nicht auf die Kette, da strauchle ich immer wieder bei Sonne und Weh. Kannst Du mir den Satz mal aufdröseln?

    LG Claudi
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  11. #11
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    Oh danke, Claudi, ein Lob der Vers-Form-Expertin höre ich immer gerne; umso mehr als ich weiß, dass du es inhaltlich lieber intellektuell pointiert hast

    V5, na ja, das ist ja der Schlüsselvers, hier können verschiedene Bezüge hergestellt werden - jeder wie er will - deshalb glaube ich, es wäre nicht gut und zu einschränkend für die Leser, wenn ich meine bevorzugte Lesart erklärte; syntaktisch stimmt es aber schon. Wenn du magst, schreib ich dir aber gerne eine pn?


    Hab mich gefreut von dir zu lesen!

    Lieben Gruß
    albaa
    Geändert von albaa (15.06.2019 um 18:36 Uhr)

  12. #12
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    Hallöchen nochmal,

    V5, na ja, das ist ja der Schlüsselvers, hier können verschiedene Bezüge hergestellt werden - jeder wie er will
    hm, wie ich es drehe und wende, das Paar "Sonne und Weh" führt mich nur als Anrede für das LD zu einer plausiblen Deutung. Das Problem ist aber, dass die beiden Partner sich nicht entsprechen wie z.B. Sonne und Mond oder Freude und Weh. Was ich hier wunderbar passend fände, wäre: Wonne und Weh.

    Andere Deutungen interessieren mich aber sehr! Ich kann nicht recht nachvollziehen, wieso sich jemand in seiner Lesart einschränken lassen sollte. Entweder ich habe eine Fantasie zu einem Text, die ich mir dann von keinem nehmen lasse, oder ich finde keinen Zugang. Dann finde ich es fast immer bereichernd, wenn mir jemand durch seine eigenen Assoziationen und Gedanken die Tür einen Spalt breit öffnet. Okotadia kann das immer gut! Und eine Aranka fehlt mir manchmal in diesem Forum.

    Aber ganz wie Du willst, ich lese Dich auch gerne per PN.

    LG Claudi
    Geändert von Claudi. (16.06.2019 um 21:02 Uhr)
    com zeit - com .com

  13. #13
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    Liebe Claudi,

    Ja, so ist es: Das LD soll alles mitnehmen, wenn es geht. Und zwar alles, was vorher aufgezählt wird und auch die Nacht (Dunkel, aber auch Symbol für die Liebesnacht, ... ), die Sonne. Am Ende auch noch den Schmerz, der ja, wenn alles ausgelöscht (weggenommen) wird, an sich auch weg sein sollte, was aber beim Verlust eines geliebten Menschen, so nicht wirklich funktioniert.

    "Wonne und Weh" klingt zwar gut mit der Alliteration, ist mir aber zu schwach. Das LD ist für das LI einfach alles (in diesem Moment), was ihm wichtig erscheint. "Sonne und Nacht" stehen daher vor allem auch für das dualistische Prinzip von Licht und Dunkelheit oder Leben und Tod. Ohne Wonne kann man leben, aber ohne Sonne nicht. Ohne "Sonne" hätte auch der letzte Vers wenig Sinn: "füll in die Krüge das Licht"

    Herzlichen Dank für dein Interesse.

    Lieben Gruß
    albaa

    P.S. Und ja Okotadia hat eine große lyrische Empathie und eine Aranka wäre natürlich ein Gewinn. Und The Witch fehlt mir auch und auch noch einige andere. Es wundert mich aber nicht, im Moment trollt es hier ziemlich, die Lyrik wird unter der Flut zweifelhafter Werke (wo ist dieser komische Vogel Arinoco oder so geblieben?) und vor allem blödsinniger Kommentare wie zB bei Fressefreiheit 4 verschüttet, so was kann nur Trolle anziehen, aber keine Poeten. Man sollte das vielleicht, um allfällige noch an Lyrik Interessierte nicht gleich abzuschrecken, in den unsichtbaren Bereich verschieben.
    Geändert von albaa (17.06.2019 um 08:02 Uhr)

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