Thema: invers

  1. #1
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    invers

    es blüht ein rosenhauch auf meinen wangen
    allein beim an-dich-denken
    ich möchte dir die schönsten worte schenken
    doch sind mir alle worte ausgegangen

    kein satz vermag dein leuchten einzufangen
    ich kann mein herz nicht lenken
    und möchte dir die schönsten worte schenken
    doch blüht nur rosenhauch auf meinen wangen

    wie könnte ich dich je in verse fassen?
    ich kann nur eins: es lassen
    *kinder, hört auf, euch zu streiten!*
    *mama, wir streiten uns gar nicht, wir hauen uns nur.*

  2. #2
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    Hey, lilisarah,

    was für ein entzückendes, leises und gleichsam schönklingendes Liebesgedicht dir hier aus der Feder geflossen ist. Und die Umsetzung: Es in Verse zu fassen, um es sein zu lassen ... Dieser Widerspruch gefällt mir besonders.

    Liebe Grüße
    Richmodis

  3. #3
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    hallo lilisarah,

    Ich freu mich wieder von dir zu lesen, und ich muss unbedingt die Gelegenheit nutzen als erstes zu kommentieren.

    Ja, diese Rosen, kein Poet kann an ihnen vorbei und es bedarf schon einen gewissen Mut, sich heranzuwagen.

    Deins finde ich gelungen, weil ich mich gerne von diesem Rosenhauch verführen lasse.

    Lieben Gruß
    albaa

    p.s. Nichts geworden aus "als erstes", Richy ist mir zuvorgekommen, ja so ist das bei so schönen Versen
    Geändert von albaa (14.06.2019 um 20:50 Uhr)

  4. #4
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    hallo richmodis,

    danke für deine wertschätzung. ich freue mich sehr, dass du den widerspruch magst. auch wenn das LI sich seiner unzulänglichkeiten bewusst ist, konnte es wohl mal wieder nicht anders.

    lg
    lilisarah


    liebe albaa,

    ich freu mich auch, wieder hier zu sein. ich habe ziemlich viel nachzulesen in den nächsten tagen. dass dein kommentar sich mit richmodis überschnitten hat, ach ja. ich jedenfalls bin total froh, gleich zwei kommentare quasi zeitgleich bekommen zu haben.

    du attestierst mir mut, weil ich die rose verwendet habe? dazu ein geständnis: vor der rose hat die autorin keinerlei respekt.

    liebe grüße
    lilisarah
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    *mama, wir streiten uns gar nicht, wir hauen uns nur.*

  5. #5
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    Hallo lilisarah

    für mich hat Dein Gedicht sehr viel Atmosphäre und historisches Kolorit. Und das liegt zum großen Teil an diesem Vers, der die beiden Quartette umfasst, und der damit besonders betont wird.

    es blüht ein rosenhauch auf meinen wangen
    Wenn ich das lese, steigt vor mir eine Mietshausszene in Alt-Berlin auf. Es ist die Zeit vor dem ersten Weltkrieg: Ein Leierkastenmann ist in den Hof gekommen und spielt eine sentimentale Melodie. Fritz Kreissler? Das Dienstmädchen Marie hört und gerät in träumerisch-sehnsüchtige Stimmung. Die Herrschaft ist weg und sie hat ein wenig in der Zeitschrift Gartenlaube geblättert. Und da is nu ihr Karl schon drei Wochen bei de Husaren in Pritzlau und kriecht keenen Urlaub nich. Und wenn der Karl mit seine Miltärzeit fertich is, dann übernimmt er den Uhrmacherladen von seinem Papa in Moabit....und wir beede heiraten...

    Wie komme ich zu solchen Assoziationen? Das fängt schon mit dem Wort "Wangen" an, das schon ein bisschen aus der Mode gekommen ist. Dazu nimmt der Vers auch einen Volksliedton auf. Mit der Formulierung vom Typ "Es plus Verb" beginnen sehr viele Volkslieder. (Es ritten drei Ritter wohl über den Rhein, Es geht eine Mühle im Schwarzwäldertal, Es wollt ein Mädchen früh aufstehn). Diese Formulierungen sind dem LI als Formeln für lyrische Expressivität offenbar vertraut. Das lässt darauf schließen, dass das LI nicht zur Bildungselite zählt, die sich an Geibel, Dehmel, Stadler, vielleicht auch schon an Lasker-Schüler und Heym ergötzt hätte.

    Dann ist
    es blüht ein rosenhauch auf meinen wangen
    natürlich eine sehr sehr keusche und rührend zurückhaltende Weise, seine Liebe auszudrücken. Schon in den 20er Jahren hätte dies das offenbar doch weibliche LI sehr viel kesser und direkter zum Ausdruck gebracht



    Für mich ist das ein Beispiel, wie ein Vers historische Atmosphäre transportiert, ohne auch nur mit einem einzigen Wort eine bestimmte Epoche direkt aufzurufen.

    Vielen Dank für Dein schönes Gedicht, Lilisarah

    Onegin
    ,
    Geändert von Onegin (15.06.2019 um 22:40 Uhr)
    Love´s not Time´s fool W. S.

  6. #6
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    hallo onegin,

    herzlichen dank für deinen schönen und umfangreichen kommentar.

    deine einlassungen fand ich sehr interessant, auch wenn ich nicht alles davon nachvollziehen kann. die wange z. b. ist doch kein aus der mode gekommener begriff - ich kenne da als synonym nur noch die backe und damit meint man in aller regel einen anderen körperteil.

    lg
    lilisarah
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  7. #7
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    Hallo Lilisarah,

    Ich habe auf einer Website namens Austria Forum folgendes gelesen.

    Den Teil des Gesichts links und rechts von der Nase nennt man in Österreich „die Wange“ (auch standardsprachlich), nur in Vorarlberg ist „der Backen“ in Gebrauch. „Backen“ ist auch die gängige Form in der Schweiz und in Bayern. Im Norden Deutschlands (alte und neue Bundesländer) sagt man „die Backe“. Inzwischen hat sich „Wange“ aber im gesamten deutschen Sprachraum eingebürgert, das Wort gilt also als gemeindeutsch.


    Ob Wange oder Bache hängt wohl davon ab, wo wir aufgewachsen sind. Falls Du Österreicherin bist, ist Wange für Dich Standard. Für mich ist das die Backe, die Wange ist für mich ein irgendwie gehobenes Literaturwort. das schon ein klein wenig verzopft klingt....
    ,
    Love´s not Time´s fool W. S.

  8. #8
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    hallo onegin,

    wie unterscheidest du dann sprachlich die obere und die untere backe? gesichtsbacke und pobacke? ich komme aus deutschland und kenne seit kindesbeinen an nur die wange für das gesicht und die backe für den hintern. aber das kann natürlich regional unterschiedlich sein, da hast du sicher recht.

    lg
    lilisarah
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  9. #9
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    Also Pobacken sind nicht in meinem aktiven Wortschaft, dafür der Hintern. Vielleicht hat man bei Euch auch auf gehobene Sprache Wert gelegt. (Soziolekt). Auch das ist möglich....

    Gruß Onegin
    Love´s not Time´s fool W. S.

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