Machtaphorismen

Säßen wir noch auf den Bäumen
In den waldgeprägten Räumen,
Würden wir nicht pathogen,
Wenn wir nur auf and're seh'n?

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Müssen wir denn da zuschauen,
Wo Mitmenschen sich verhauen
Oder sucht das Menschenrecht
Wege aus diesem Unrecht?

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Wer herrschen will, der streichle seinen Leib,
Lächle in den Spiegel – nur zum Zeitvertreib,
Dann fällt von ihm ab der Verdacht,
Es ginge ihm doch nur um Macht.

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Macht hat so selten was Soziales,
Dafür recht oft nur viel Banales,
Mit dem höriger wird das Feld,
Das Tyrannen schon bestellt.

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Normalität, die niemals stört,
Lässt zu, was die Macht beschwört:
Gut gemeint mit hohem Stabe
Handelt selten von Teilhabe.

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Ohne Macht wird alles schwierig,
Denn das Vakuum macht gierig;
Doch mit Macht wird auch nichts leichter,
Moral und Anspruch oftmals seichter.

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Macht, reales Phänomen,
Dem Mächtigen recht angenehm.
Mitunter kommt dann Missbrauch vor,
Wenn angeheizt nur der Furor.

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Das Alphatier, der Aspirant, der Möchtegern,
Die haben Machtansprüche gern,
Doch bleibt ihnen dann zuviel Macht,
Sind andere um den Schlaf gebracht.

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Nachfolge, vorgängergewählt,
Da bleibt Macht meistens verstellt.
Nur wo frei sie die erkämpft,
wirkt die Zukunft ungedämpft.

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Der Abgang des Alten ist Zugang des Neuen,
Darüber sollten zunächst wir uns freuen.
Doch wo viel Krieg im Netzgefilde
Wird manches nur zum Schandgebilde.

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Die Macht, die oftmals nur formell
Kann punkten auch sensationell.
Enttäuschungen lösen erst aus,
Dass Schöpfer fliegen aus dem Haus.

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Ohne Machtanspruch im Leben
Kann es keine Ordnung geben.
Doch wo nur die Macht verführt
Der Bürger keine Freiheit spürt.

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Macht braucht stetige Kontrolle,
Sonst fällt sie aus jeder Rolle,
Weil sie gern auf Zuwachs spechtet,
Manches Land dadurch entrechtet.


©Hans Hartmut Karg
2019

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